Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

NRW richtet Großforschungszentrum für die Geothermie in Bochum ein

21.01.2009
Mit einer Projektsumme von 11 Mio. EUR wird das Land Nordrhein-Westfalen über das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie (MWME) auf dem Campus der Hochschule Bochum (früher Fachhochschule Bochum) in den kommenden zwei Jahren ein Forschungszentrum für die Gewinnung von Erdwärme einrichten.

Am heutigen 21. Januar 2009 hat Wirtschaftsministerin Christa Thoben den Zuwendungsbescheid an den Präsidenten der Hochschule Bochum, Prof. Martin Sternberg, und den Leiter des GeothermieZentrums NRW (GZB) in Bochum, Prof. Rolf Bracke, überreicht.

"Dies ist in Deutschland die weitaus größte Investition in ein geothermisches Forschungsinstitut und unterstreicht die Qualität und die wachsende Bedeutung der Anwendungsforschung an Fachhochschulen" freut sich Prof. Sternberg.

Die Gewinnung von Energie aus der Erde hat eine lange Tradition in Nordrhein-Westfalen. In nur wenigen Regionen weltweit sind die dafür benötigten bergbaunahen Technologien und das Know-how so geballt vertreten. Einer der Gründe weshalb nach einem 4-jährigen Auswahlverfahren die Entscheidung für den Bau des Großforschungszentrums auf Bochum fiel. Nun will das Land NRW seine führende Position bei den Geotechnologien weiter ausbauen.

"Die dazu erforderlichen Technologien sollen im GeoTechnikum ab sofort weiter entwickelt, erprobt und für die Anwendung vorbereitet werden", erklärte die Wirtschaftsministerin Christa Thoben heute anlässlich ihres Besuchs in der Hochschule Bochum.

Prof. Bracke erläutert, dass die Schwerpunkte der Entwicklung auf den Feldern

- der innovativen Bohrtechnik,
- der Reservoirtechnik und
- der geophysikalischen Messtechnik
zur Erschließung der Erdwärme in bis zu 5000 m Tiefe liegen werden.
Außerdem wolle man sich im Bereich der oberflächennahen bis mitteltiefen Geothermie mit der Einbindung von - Wärmepumpentechnologien in große kommunale Infrastrukturen beschäftigen.

Zu der aufzubauenden Infrastruktur für das Forschungszentrum gehören ein Institut mit geowissenschaftlichen Laboratorien, eine Großversuchshalle mit Werkstätten, Bohrtechnik und ein Testfeld als in-situ Feldlabor für Versuche unter produktionsnahen Bedingungen.

Zentrales Ausstattungselement ist eine spezielle Coiled-Tubing Bohranlage für Tiefbohrungen bis in 5.000 m. Die Technologie kommt aus der Erdgas- und Erdölförderung in den USA. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass der Bohrstrang durchgängig auf einer Rolle aufgerollt ist und nicht mehr stangenweise aneinander geschraubt wird. Das Bohrverfahren ist damit wesentlich flexibler und schneller als konventionelle Bohrtechnik. Die Bochumer Forscher wollen auf dieser Basis innovative Bohrverfahren entwickeln und sie für die Erdwärmegewinnung aus großen Tiefen nutzbar machen. Die Entwicklung neuer Bohrverfahren für die Exploration, d.h. für die Vorerkundung von Lagerstätten, wird als Schlüsseltechnologie für die Geothermie und andere geologische Energieressourcen angesehen. So soll die große Lücke zwischen Vorversuchen im Labormaßstab und teueren großkalibrigen Produktionsbohrungen geschlossen werden.

Die Coiled-Tubing-Bohrtechnik wird ergänzt um Reservoirtechnik zur Erschließung des Gebirges im tieferen Untergrund. Dabei werden auf dem Testfeld des GeoTechnikums in großer Tiefe künstliche Wegsamkeiten für Heißwasser geschaffen. Dies erfolgt mit Hilfe der neuen Bohrtechnik und über Hochdruckinjektion von Wasser in das Gestein, wodurch dieses aufbricht und einen natürlichen Wärmetauscher entstehen lässt. Die Bochumer Forscher wollen Erkenntnisse über die hydraulische Erschließbarkeit geologisch komplexer Gesteinsformationen gewinnen und diese anschließend auf andere Standorte der Welt übertragen. Die geologisch stark gefalteten und gestörten Schichten des Ruhrkarbons bieten dafür ideale Voraussetzungen.

Modernste geophysikalische Messsonden dienen in der Erdöl-/Erdgasindustrie der detaillierten Aufklärung von untertägigen Gebirgsstrukturen. Bisher sind diese jedoch nur bis 150°C einsetzbar. Speziell für die Erdwärmenutzung sollen in Bochum deshalb hochtemperatur- und druckfeste Messsonden mit Beständigkeiten von über 200°C entwickelt werden. Damit wird es für die Geothermie in Zukunft nicht mehr im Bergmannssinn "vor der Hacke duster sein".

Die Bochumer Technik wird in Container-Systemen auf jedem beliebigen Standort der Erde einsetzbar sein.

Die Tiefbohrtechnik wird ergänzt um Bohrtechnik für mitteltiefe Bohrungen, wie sie z.B. in Kombination mit Wärmepumpen eingesetzt werden. Damit soll auch der dynamische Wachstumsmarkt wärmepum¬pengestützter Erdwärmesysteme von Bochum aus mit gezielten Neu- und Weiterentwicklungen unterstützt werden. Hierzu werden ein Wärmepumpenprüfstand und ein Bereich für die Entwicklung und Überprüfung neuer Erdwärmesonden und gebirgsoffener Erdwärmesysteme eingerichtet.

Der Leiter des GeothermieZentrums NRW betont im Beisein vieler Wirtschaftsvertreter, dass das neue GeoTechnikum als Verbundforschungseinrichtung von Wissenschaft und Wirtschaft konzipiert ist. Es wird von der Hochschule Bochum betrieben. Kooperationspartner in NRW sind die RWTH Aachen, die Fachhochschule Gelsenkirchen und die Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Daneben steht es anderen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus dem In- und Ausland zur Nutzung zur Verfügung. Ziel der Vernetzung mit der Wirtschaft ist die schnellere Überführung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Entwicklungen in marktfähige Produkte. Dieses "Bochumer Modell", die Verknüpfung von mittlerweile 4 NRW-Universitäten, Fachhochschulen und über 20 Wirtschaftsunternehmen in einem Verbundforschungszentrum auf dem Campus der Hochschule Bochum hat sich als besonders erfolgreich erwiesen. Mit der neuen Infrastruktur ist das Zentrum in dieser Größenordnung einmalig in Europa.

NRW hat sich rund um den Standort Bochum zur wohl wichtigsten Technologie- und Know-how-Region auf dem wachsenden Geothermie-Markt entwickelt. Alleine in der Metropole Ruhr arbeiten bereits 4.000-5.000 Menschen in der Branche. Bei den wärmepumpenbasierten Systemen ist das Land sowohl produktions- als auch anwendungsseitig Marktführer. Bei der Tiefengeothermie zur Stromerzeugung verfügt die Region zwar nicht über erstklassige natürliche Ressourcen. Jedoch werden nahezu alle großen Tiefengeothermie-Projekte in Deutschland mit nordrhein-westfälischer Technologie und Know-how umgesetzt. Dieser Aspekt besitzt für den Wirtschaftsstandort NRW aus technologie- und arbeitsmarktpolitischer Sicht eine ungleich größere Bedeutung als lokale Einzelprojekte. Das neue Großforschungszentrum soll diese Position weiter stärken.

Detlef Bremkens | idw
Weitere Informationen:
http://www.geothermie-zentrum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Linearpotentiometer LRW2/3 - Höchste Präzision bei vielen Messpunkten
17.05.2017 | WayCon Positionsmesstechnik GmbH

nachricht Neues 100 kW-Wechselrichtermodul für B6-Standard halbiert Gewicht und Volumen
17.05.2017 | Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie