Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Bioenergietechnik eröffnet Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten

03.08.2009
Bund und Land fördern Pilot-Heizkraftwerk in Geislingen mit 6,5 Millionen Euro

Erfolg für Forschungsinstitut ZSW: Technik aus dem Labor wird erstmals im industriellen Maßstab umgesetzt. Anlage verwendet Holz und Biomassereststoffe.

In Geislingen-Türkheim entsteht nahe dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb ein Biomassevergasungs-Heizkraftwerk mit einer neuen Technik zur dezentralen Erzeugung von Strom und Wärme. Am 3. August überreichte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die Förderzusage des Bundes in Höhe von rund 3,6 Millionen Euro – damit steht dem Bau nichts mehr im Wege.

Die neue Technik stammt vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und Partnern.

Betreibergesellschaft ist die Technologieplattform Bioenergie und Methan GmbH & Co. KG (TBM). Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg fördert das Pilot-Vorhaben mit einer halben Millionen Euro. Die Inbetriebnahme ist Anfang 2011 geplant. Ein begleitendes Forschungsprojekt unter Führung des ZSW soll am Standort außerdem die Erzeugung von Bioerdgas und Wasserstoff erproben. Dafür geben Bund und Land noch einmal 2,4 Millionen Euro hinzu.

Bei der vom ZSW entwickelten AER-Technik (Absorption Enhanced Reforming) handelt es sich um ein Biomassevergasungsverfahren, das ein wasserstoffreiches Rohgas produziert. „Für den Nutzer vorteilhaft ist der außerordentlich flexible Einsatz“, sagt Dr. Michael Specht, Leiter der Abteilung Regenerative Energieträger und Verfahren am ZSW. „Das Gas wird entweder zu Strom und Wärme umgewandelt oder bei Bedarf auch in Bioerdgas oder Wasserstoff.“ Bei weniger Wärmebedarf kann so etwa auf die Kraftstoff-Produktion für Erdgasautos oder für zukünftige wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge umgestiegen werden.

Die Technik ist für dezentrale Anwendungen ausgelegt – die Anlage in Geislingen weist eine Brennstoffleistung von zehn Megawatt auf. Das Heizkraftwerk wird den Strombedarf von rund 6.000 Vier-Personen-Haushalten und den Wärmebedarf von 1.500 Einfamilienhäusern decken. Die Technik verwendet Holz und bisher nicht nutzbare holzartige Biomassereststoffe aus der Landschaftspflege. Eine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entsteht daher nicht. Täglich verarbeitet die Anlage rund zwei Lkw-Ladungen Material aus den Wäldern der Gegend und aus der ländlichen Region des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Der energetische Wirkungsgrad der Umwandlung ist hoch: Das wasserstoffreiche Rohgas enthält über 70 Prozent der Energie der zugeführten Biomasse. Der Anlagenwirkungsgrad der Verstromung liegt bei 33 Prozent, der Gesamtwirkungsgrad zur Erzeugung von Strom und Wärme liegt bei 70 bis 80 Prozent. Bei einer möglichen Aufbereitung zu Bioerdgas und der Einspeisung in das Erdgasnetz sind es noch 63 Prozent.

Das Pilot-Heizkraftwerk bei Geislingen soll das Potenzial der neuen Technik erschließen und die Produktion von Strom und Wärme optimieren.

Um aus dem Rohgas Bioerdgas oder Wasserstoff zu gewinnen, haben sich neben dem ZSW die Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und das Stuttgarter Universitätsinstitut für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen (IVD) zusammengeschlossen. Ein weiterer Akteur ist das Deutsche BiomasseForschungsZentrum (DBFZ) aus Leipzig.

Insgesamt sind rund 17,3 Millionen Euro für die Errichtung des Heizkraftwerks an der Schwäbischen Alp veranschlagt. Das Biomasse-Heizkraftwerk wird vom Bund mit 3,6 Millionen Euro finanziell gefördert. Das Wirtschaftsministerium steuert eine halbe Million Euro bei. 13,2 Millionen stammen von der TBM. Für die weitergehende Erzeugung von Bioerdgas und Wasserstoff gibt Sigmar Gabriel 1,1 Millionen Euro hinzu, der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister 1,3 Millionen Euro.

Bioenergie stammt aus nachwachsenden Rohstoffen. Als eine der wenigen erneuerbaren Energien ist sie gut speicherfähig und kann so die Nachfrage besser bedienen. Als besonders aussichtsreich gilt das Polygeneration-Konzept, das aus Biomasse Strom, Wärme und Kraftstoffe erzeugt. Auf einen solchen Entwicklungspfad setzt das ZSW.

Das ZSW gehört zu den renommiertesten Forschungsinstituten auf den Gebieten Photovoltaik, regenerative Kraftstoffe, energiepolitische Systemanalyse, Batterietechnik und Brennstoffzellen. An den drei Standorten Stuttgart, Ulm und Widderstall sind derzeit rund 150 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker beschäftigt. Sie erwirtschaften einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro.

Ansprechpartner Pressearbeit
PR-Agentur Dr. Klaus Heidler Solar Consulting, Axel Vartmann, Solar Info Center, D-79072 Freiburg, Tel. +49/761/38 09 68-23, Fax +49/761/38 09 68-11, vartmann@solar-consulting.de, www.solar-consulting.de
Ansprechpartner ZSW
Dr. Michael Specht, Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg ZSW, Industriestr. 6,

D-70565 Stuttgart, Tel. +49/711/78 70-218, Fax. +49/711/78 70-200, michael.specht@zsw-bw.de

Axel Vartmann | Solar Consulting
Weitere Informationen:
http://www.zsw-bw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Leuchtende Nanoarchitekturen aus Galliumarsenid
22.02.2018 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

nachricht Neuer Sensor zur Messung der Luftströmung in Kühllagern von Obst und Gemüse
22.02.2018 | Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics