Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mobilfunknetze aus Sicht des Wirtschaftswissenschaftlers

27.10.2010
Von der ersten Planung bis zum Abriss: Professur Unternehmensrechnung und Controlling der TU Chemnitz hat ein Modell entwickelt, um die Kosten zu ermitteln, die Funkstationen – auch über ihren Bau hinaus – verursachen

"Telekommunikationsnetze, beispielsweise für den Mobilfunk, sind in den vergangenen 15 Jahren in rasantem Tempo flächendeckend ausgebaut worden", sagt Romy Lindner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur Unternehmensrechnung und Controlling an der TU Chemnitz, und ergänzt: "Auch zukünftig sind milliardenschwere Investitionen für den Umbau sowie den weiteren Auf- und Ausbau zusätzlicher Netzinfrastrukturen zu erwarten."

Bislang drehe sich bei der Entscheidung, wo und wofür investiert wird, fast alles um die Anschaffungskosten - also den Preis für die Planung, Errichtung und Inbetriebnahme von Funkstationen und -netzen. Kaum Beachtung fänden die Folgekosten, die beim Betrieb der Anlagen anfallen - vom Energieverbrauch über die Wartung und Reparatur bis hin zu Umbauten.

Vielmals würden diese Folgekosten sogar die Anschaffungskosten der Anlagen übersteigen, könnten aber während der Betriebsphase nur sehr begrenzt beeinflusst werden. „Das ist wie bei dem Kauf eines Kühlschrankes, dessen Energieverbrauch erst während der Nutzung anfällt und zu Kosten führt. Die Höhe dieses Energieverbrauchs muss durch die Wahl der Energieeffizienzklasse aber bereits bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden. Eine Einflussnahme auf den Verbrauch des einmal erworbenen Gerätes ist nur noch eingeschränkt möglich“, erklärt Lindner.

Diese Überlegung übertragen die Professur Unternehmensrechnung und Controlling der Technischen Universität Chemnitz und die MUGLER AG auf Funkstationen und Funknetze und gehen dabei vor allem einer Frage nach: Wie können bestehende und zukünftige Funknetze so entwickelt, geplant, errichtet, instand gehalten, erweitert, betrieben und letztlich rückgebaut und entsorgt werden, dass die Kosten insgesamt minimal sind?

Dazu haben die Wissenschaftler die Lebenszyklusrechnung - ein Instrument aus dem Kostenmanagement - an die Gegebenheiten von Funkstationen und Funknetzen, speziell des Mobilfunks, angepasst. "Mittels Lebenszyklusrechnungen werden die gesamten während des Lebenszyklus eines Objektes anfallenden Kosten ermittelt, analysiert und gestaltet.", so Lindner. Die Wirtschaftswissenschaftler haben zunächst alle Kostenpositionen, die im Leben einer Funkstation anfallen, zusammengestellt: "Diese Kosten reichen von der Initiierung über die Planung, Realisierung und den Betrieb bis zur Stilllegung einer Anlage.

In der Betriebsphase fallen beispielsweise Kosten für den Energieverbrauch, für die Wartung, für Umbau und Erweiterung ebenso an wie solche für die Miete von Grundflächen, auf denen Funkstationen stehen", zählt Lindner auf. Addiert man die Kostenpositionen aller Phasen, erhält man die Lebenszykluskosten. Anhand dieser lässt sich beispielsweise die Wirtschaftlichkeit verschiedener Bauvarianten einer Funkstation vergleichen. "Wir arbeiten daran, ein System zu entwickeln, mit dem die Berechnung dann individuell für jede Funkstation durchgeführt werden kann", fasst Lindner zusammen.

Die Chemnitzer Wissenschaftler können auf Grundlage ihres Systems nun Empfehlungen für das Vorgehen bei Standortakquise, Planung und Konstruktion, Instandhaltung, Erweiterung und Mehrfachnutzung von Anlagen ableiten und Hinweise geben, wo sich Kosten senken lassen. Außerdem haben sie herausgefunden, welche Informationen nötig sind, um Lebenszykluskosten zu ermitteln und gezielt beeinflussen zu können. "Auf dieser Basis könnte beispielsweise eine Software entstehen, die zukünftig Unternehmen und Behörden hilft, fundierte Kostenanalysen und Kostenoptimierungsrechnungen durchzuführen und konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten", sagt Lindner und ergänzt: "Hierfür suchen wir noch entsprechende Kooperationspartner."

Das Projekt "Statistische Standortanalyse und Lebenszykluskostenoptimierung der Infrastruktur von Funknetzen“ wurde bis Ende 2009 für zwei Jahre von der Europäischen Union gefördert. Während ihres Dissertationsvorhabens bearbeitet Romy Lindner das Thema weiter. Die Zusammenarbeit mit der MUGLER AG setzt die Professur Unternehmensrechnung und Controlling derzeit zudem im Rahmen einer weiteren Promotion fort, die aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wird.

Weitere Informationen erteilt Romy Lindner, Telefon 0371 531-37181, E-Mail romy.lindner@wirtschaft.tu-chemnitz.de

Katharina Thehos | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht »ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Intelligentes Lademanagement entwickelt – Forschungsprojekt ePlanB abgeschlossen
18.10.2017 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik