Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr als Wind im Rechenzentrum

22.01.2014
EU startet Initiative zur Erhöhung der Nutzung erneuerbarer Energie in Rechenzentren – Thermodynamiker der TU Chemnitz sind an Projekt „RenewIT“ beteiligt

Im Oktober 2013 startete das Projekt RenewIT, das für drei Jahre von der Europäischen Union gefördert wird. Es erforscht, wie Rechenzentren unter Berücksichtigung einer effizienteren Nutzung erneuerbarer Energien entworfen und betrieben werden können.

Neben Partnern aus Spanien, Italien, Großbritannien und den Niederlanden ist auch die Professur Technische Thermodynamik der Technischen Universität Chemnitz beteiligt. „Wir sind schwerpunktmäßig mit den Kühltechniken und den erneuerbaren Energiequellen dabei. Die Energieversorgungssysteme müssen für verschiedene Standorte in Europa konzipiert und simuliert werden“, sagt PD Dr. Thorsten Urbaneck Bereichsleiter "Thermische Energiespeicher" an der Professur Technische Thermodynamik.

"Derzeit nutzt nur eine Minderheit der europäischen Rechenzentren Energie aus erneuerbaren Quellen. Die Motivation dabei sind jedoch weniger kommerzielle Gründe als das Streben nach einem positiven Image in der Öffentlichkeit oder einer guten Stellung mit den Aufsichtsbehörden", sagt der Sprecher des Forschungsprojekts Andrew Donoghue.

Das RenewIT-Projekt, das von der EU mit einem Budget von 3,6 Millionen Euro mitfinanziert wird, soll Instrumente entwickeln, die helfen, Rechenzentrumsbetreiber von der Verwendung von örtlichen erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind und Biomasse und erneuerbarer Kühlungsmethoden wie der Außenluft- und Meerwasserkühlung zu überzeugen.

"Die wichtigsten Hürden für die Nutzung erneuerbarer Energien für Rechenzentren sind die wahrgenommenen Kosten und der Mangel an Instrumenten, mit denen Betreiber Entscheidungen über erneuerbare Energien treffen können. Dieses Projekt zielt darauf ab, einige dieser Hindernisse durch die Entwicklung von Instrumenten zu überwinden, die die Umweltleistung und den Anteil der erneuerbaren Energiequellen im aufkommenden Konzept der Net Zero Energy Rechenzentren bewerten", fügt RenewIT-Projektkoordinator Dr. Jaume Salom vom IREC und hinzu.

Die größten Herausforderungen bei der Nutzung erneuerbarer Energie für Rechenzentren sind die Kosten, die Kapazitäten, die mangelnde Integration und die Unzuverlässigkeit. So ist beispielsweise die bestehende Infrastruktur von Rechenzentren ausgerichtet auf einen kontinuierlichen Stromfluss, während Wind und Sonne je nach Tag, Uhrzeit und Jahreszeit schwanken. Das RenewIT-Projekt soll Instrumente, die den intermittierenden Energiefluss von erneuerbaren Energien an die Anwendungen und die Belastung der Rechenzentren anpassen.

Das RenewIT-Projekt konzentriert sich auf fünf Hauptaufgaben:

Das RenewIT-Instrument: Das Instrument wird ein webbasiertes Planungswerkzeug sein, das Rechenzentrumsbesitzern, -betreibern und Planungsbüros hilft, die wirtschafts-, energie- und nachhaltigkeitsbezogenen Kosten des Aufbaus einer Anlage zu interpretieren, die einen hohen Anteil an lokalen erneuerbare Energien nutzt.

Workload-Management und Planung: Der RenewIT-Konsortialpartner, das Barcelona Supercomputing Centre, leitet dieses Aufgabenfeld. Im Vordergrund steht die Entwicklung von Algorithmen für die Workload-Planung in einer Einrichtung oder zwischen Einrichtungen, die eine von der Loccioni Gruppe entwickelte Monitoring- und Steuerungsplattform nutzen.

Konzepte für die Integration in Rechenzentren: In diesem Gebiet geht es darum, die Vorteile der verschiedenen Energiekonzepte zu quantifizieren. Die Konzepte werden dann für einen ganzheitlichen Ansatz, der verschiedene Lösungen zusammenfasst, verwendet:
- erneuerbare Wärmequellen (Biomasse, Solar- und Geothermie),
- erneuerbare Stromquellen (Wind, Solar, Photovoltaik),
- erneuerbare Kühlung (Frisch-/Außenluftkühlung, Wasser, Schnee, Himmelsstrahlung),
- Energiespeicher (täglich oder saisonal),
- Wärmepumpen, die die Temperatur der Abwärme von Rechenzentren erhöhen,
- Wiederverwendung von Wärme und Interaktion mit Fernwärme- und Kühlsystemen,
- solare Kühlung.
Validierung der Instrumente in echten Rechenzentren: Das Projekt will einen Validierungsprozess etablieren und dabei, um eine kontinuierliche Rückkopplung mit den technischen Entwicklern zu gewährleisten und eng mit acht Rechenzentren in ganz Europa zusammenarbeiten. Basierend auf bestehenden Fallstudien wird der Validierungsprozess aktive Rechenzentren einbeziehen, um die Robustheit und die Anwendbarkeit durch den Endnutzer der technischen Energiekonzepte des Projekts und der Simulations-Software-Instrumente zu testen.

Vorschlag für neue Bewertungskriterien und Beitrag zur Standardisierung: RenewIT wird an der Schaffung eines Standardansatzes zur Bewertung der Energienutzung der Rechenzentren, der einbezogenen Infrastruktur, der technischen Ausrüstung, dem IT-Workload-Management und der erneuerbaren Energien mitwirken. Neue Wege der Auswertung der Lastanpassung - die Beziehung zwischen den Lasten, die Erzeugung von erneuerbarer Energie und die Flexibilität der Netzüberlagerung - werden dazu beitragen, dass die Betreiber verstehen, wie eine bestimmte technische Lösung auf die Bedürfnisse der Rechenzentren und des Netzes zugeschnitten werden kann.

Das Projekt wird sich auch mit der Frage beschäftigen, wie eine bessere Integration von Rechenzentren mit Smart Citys-Infrastruktur durch das Verbinden intelligenter Strom- und Mikronetze möglich ist. Ebenso werden Strategien überprüft, wie die Umleitung von Abwärme von Rechenzentren zu anderen Unternehmen und Wohnungen ermöglicht werden kann.

RenewIT setzt sich aus kommerziellen und wissenschaftlichen Organisationen zusammen. Es wird vom Non Profit Energieforschungszentrum Katalonien Institut für Energieforschung (IREC) geleitet. Die anderen Mitglieder sind 451 Research, das Barcelona Supercomputing Center (BSC), die Loccioni Gruppe aus Italien, AIGUASOL, das Planungsbüro Deerns sowie der Technischen Universität Chemnitz mit der Professur Technische Thermodynamik. Die Organisationen bringen ihr jeweiliges Know-how in das Projekt ein: Green IT (IREC), erneuerbare Energiesysteme (AIGUASOL), Energiespeicher (Technische Universität Chemnitz), Rechenzentrumsüberwachung (Loccioni), Arbeitsbelastung und Anwendung Energiemanagement (BSC) und Planung von Rechenzentren (Deerns).

RenewIT ist eines von sechs Projekten, das von der EU im Rahmen der 7. Rahmenprogramm Initiative (RP7) gefördert wird. Die anderen Projekte sind DOLFIN, Genic, Geysir, GreenDataNet und DC4Cities. Das Ziel dieser Projekte ist es, Forschung und kommerzielle Instrumente zu entwickeln, um den Anteil der erneuerbaren Energien, der von Rechenzentren erzeugt und verwendet wird, zu erhöhen.

Weitere Informationen über die Beteiligung der TU Chemnitz erteilt PD Dr. Thorsten Urbaneck, Telefon 0371 531-32463, E-Mail thorsten.urbaneck@mb.tu-chemnitz.de

Katharina Thehos | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Forscher entwickeln effizientere Systeme für Brennstoffzellen und Kraft-Wärme-Kopplung
19.04.2017 | EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie e. V.

nachricht Forscher entwickeln Elektrolyte für Redox-Flow-Batterien aus Lignin aus der Zellstoffherstellung
18.04.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen

25.04.2017 | HANNOVER MESSE

RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Kräftiger Anstieg setzt sich fort

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen

Pharmacoscopy: Mikroskopie der nächsten Generation

25.04.2017 | Medizintechnik