Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Ergonomie – endlich auch beim Rollstuhl

16.01.2012
Empa-Ingenieure haben gemeinsam mit der Firma «r going» eine bewegungsaktive, ergonomische Sitzschale für Elektro-Rollstühle entwickelt.
Nach dem Motto «Leben ist Bewegen» soll damit die Bewegungsfreiheit von Rollstuhlfahrenden mit verschiedenen Krankheitsbildern erhöht werden.

Büroarbeitsplätze werden heutzutage möglichst ergonomisch eingerichtet.

Trotzdem: Nach stundenlanger Schreibtischarbeit aufzustehen, die Beine ausschütteln und den Rücken strecken zu können, tut gut. Den ganzen Tag praktisch in derselben Haltung zu verbringen, ist anstrengend.

Besonders Rollstuhlfahrende kämpfen mit dem Problem der immer gleichen Sitzhaltung: Schmerzen, Deformitäten und Druckgeschwüre (Dekubitus) sind die Folgen davon. Der Ingenieur und Ergotherapeut Roger Hochstrasser, Gründer der Firma «r going», wollte Abhilfe schaffen. Daher gelangte er mit der Idee für neuartige Sitzschalen an den Empa-Ingenieur Bernhard Weisse, mit dessen Team Hochstrasser bereits früher erfolgreich zusammengearbeitet hatte. Die neuentwickelten Sitze sollten die Ergonomie für die Rollstuhlfahrenden verbessern und so zusätzliche Therapiekosten sparen.

Von der Idee zu ihrer Realisierung

In eineinhalb Jahren entwickelten Empa und «r going» in einem von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) finanzierten Projekt die innovativen Sitzschalen und bauten erste Prototypen. Die neue Schale hat eine bewegliche Rückenlehne aus Rippen- und Gelenkelementen, die dem Rumpfskelett nachempfunden sind. Die Rückenlehne kann sich je nach Variante bis zu 22 bzw. 40 Grad vor- und zurückbeugen, seitlich kann sie sich um gut 30 Grad drehen. Sie «zwingt» so die Rollstuhlfahrenden, die Sitzhaltung zu verändern und die Druckpunkte zu verlagern, wie Messungen mit einer Druckmessmatte auf der Sitzfläche ergaben.

Forscher des Instituts für Energie und Mobilität (IEM) der Berner Fachhochschule entwickelten das Antriebskonzept und eine Eingabekonsole, über die der Ergotherapeut die Bewegungen der Rückenlehne so programmieren kann, dass sich die Sitzhaltung der Behinderten optimal verändert. «Sollte sich jemand trotzdem mal unwohl fühlen, können die Voreinstellungen jederzeit individuell abgeändert werden», erklärt Weisse. Besonders praktisch: Mit der 24-Volt-Batterie, die den Rollstuhl mit Energie versorgt, wird auch die Rückenlehne bewegt.

Das Firmengelände als Teststrecke

Die Empa wäre nicht die Empa, wenn sie die Entwicklung nicht auf ihre Praxistauglichkeit getestet hätte – in diesem Fall sogar auf dem eigenen Areal. Unterschiedlich schwere Testpersonen befuhren mit der Neuentwicklung Kieswege, Rampen, Trottoir-Absätze und Kopfsteinpflaster. Eine kurvenreiche Fahrt mit dem Tixi-Taxi, dem Fahrdienst für Menschen mit Behinderung, diente dazu, die Belastung der Rückenlehne zu evaluieren – alles zur vollsten Zufriedenheit von Hochstrasser und Weisse.

Demnächst sollen klinische Studien anlaufen. Dabei wird sich zeigen, ob die im Labor gemessenen verbesserten Druckwerte Wohlbefinden und Gesundheit der Handicapierten tatsächlich verbessern und ob die Innovation von den Rolli-Fahrerinnen und -fahrern auch akzeptiert wird.

Weitere Informationen:
Roger Hochstrasser, r going, +41 62 534 91 64, we@rgoing.com, www.rgoing.com,
Bernhard Weisse, Empa, Mechanical Systems Engineering, Tel. +41 58 765 48 10, bernhard.weisse@empa.ch

Sabine Voser | EMPA
Weitere Informationen:
http://www.empa.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Gut sortiert: Schüttgutanlagen werden klüger
30.03.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften
29.03.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europaweite Studie zu „Smart Engineering“

30.03.2017 | Studien Analysen

Forschungsprojekt: Zukünftige Fahrzeugtechnologien im Open Region Lab – ZuFOR

30.03.2017 | Informationstechnologie

Die Zerschneidung der Tropenwälder steigert den Ausstoß von Treibhausgasen um weiteres Drittel

30.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz