Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lichterntemaschine nach dem Vorbild der Natur: Neue Bio-Solarzelle als Stromlieferant

03.12.2013
Deutschen Forschern ist es gelungen, eine funktionsfähige Solarzelle auf biologischer Basis zu entwickeln. Die Bio-Solarzelle nutzt Proteinkomplexe aus Cyanobakterien.

Die Proteinkomplexe „Photosystem 1“ und „Photosystem 2“ werden für die biochemische Umwandlung von Lichtenergie in Zucker bei der Photosynthese benötigt. Den Forschern ist es gelungen, diese in technische Komponenten einzubetten, um Lichtenergie in Strom umzuwandeln.


Photovoltaikanlagen befinden sich auf vielen Dächern. Die hierfür benötigten Solarzellen werden derzeit meist aus Silizium hergestellt. Forscher haben nun eine neue Bio-Solarzelle entwickelt. (Quelle: © lichtkunst.73/pixelio.de)

Photovoltaikanlagen gehören seit vielen Jahren zum typischen Landschaftsbild und lassen sich auf vielen Dächern, vermehrt auch auf Flächen finden. Wir nutzen Solarstrom nicht nur im industriellen Maßstab und im Haushalt. Seit vielen Jahren versorgt er auch Alltagsgeräte wie Taschenrechner oder Parkautomaten und macht diese unabhängiger von anderen Stromquellen. Die hierfür benötigten Solarzellen, auch Photovoltaik-Zellen genannt, wandeln Sonnenlicht direkt in elektrische Energie um.

In Deutschland produzierten Photovoltaikanlagen im Jahr 2012 rund 28 Mrd. Kilowattstunden Strom, was einen Anteil von rund 4,7 Prozent am Gesamtstromverbrauch ausmacht (vgl. Agentur für Erneuerbare Energien). Aber die Herstellung von Solarzellen ist sehr energieintensiv und teuer. Denn ein wichtiger Bestandteil der meisten kleinen Stromlieferanten ist Silizium, das - um hohe Wirkungsgrade zu erzielen - in Reinform benötigt wird. Der Prozess der Herstellung von Rohsilizium und die weitere Verarbeitung sind aufwendig. Zudem kommen bei der Herstellung von Solarzellen zum Teil gesundheits- und umweltschädliche Stoffe zum Einsatz. So kann auch die Entsorgung der Solarzellen zu einem echten Problem werden.

Daher sucht man bereits seit längerem nach Alternativen. Nach der Erfindung der ersten Bio-Solarzelle im Jahr 1991 (O'Regan/Grätzel, 1991), könnte nun ein neuer Durchbruch bei den Solarzellen auf biologischer Basis gelungen sein. Damals scheiterte es an der praktischen Umsetzung in ein marktfähiges Produkt.

Strom statt Biomasse erzeugen

In der Natur wird bei der Photosynthese Lichtenergie aufgenommen und mit Hilfe von Wasser und Kohlendioxid (CO2) in Sauerstoff und Biomasse - in Form von Kohlenhydraten - umgewandelt. Auch Cyanobakterien sind zu diesem Vorgang in der Lage, obwohl sie zu den Bakterien gehören. Deutsche Forscher der Ruhr-Universität Bochum isolierten nun zwei große Proteinkomplexe, die sogenannten Photosysteme, aus Cyanobakterien. Weil sie extremen Umweltbedingungen trotzen, liefern Cyanobakterien besonders stabile Proteine. Die hier verwendete Bakterienart lebt beispielsweise in heißen Quellen in Japan.

Die entnommenen Proteinkomplexe „Photosystem 1“ und „Photosystem 2“ übernehmen bei der Photosynthese unterschiedliche Funktionen, die die Wissenschaftler geschickt in ihre Photovoltaik-Zelle integrierten.

Das passiert in der Solarzelle damit Strom fließt

Ihre Bio-Solarzelle besteht aus zwei Kammern: In der ersten befindet sich das Photosystem 2, welches durch Licht angeregt Wassermolekülen Elektronen entzieht. Hierbei entsteht Sauerstoff. Durch ein - von den Forschern selbst entwickeltes - komplexes, Elektronen leitendes Material (Redoxhydrogel) gelangen die Elektronen zu einer Elektrode, die mit der Elektrode der zweiten Kammer verbunden ist. Über ein anderes Redoxhydrogel gelangen die Elektronen nun zu Photosystem 1. Hier werden sie wieder auf Sauerstoff übertragen, wodurch Wasser entsteht.

Die Forscher nutzten so die Elektronen, die durch die Photosysteme entstanden sind und erzeugten eine elektrische Ladung, indem die Elektronen durch leitende neuartige Materialien (Gele) geschleust wurden, in die die Photosysteme eingebettet waren. Zwischen den beiden verbindenden Elektroden muss dabei eine Potentialdifferenz bestehen, damit elektrische Energie erzeugt werden kann. Dies gelang den Forschern durch die verwendeten Gele mit unterschiedlichem Potential. Dadurch entsteht beim Übertragungsvorgang letztlich Strom, der abgeführt oder gespeichert werden kann. Wie bei der natürlichen Photosynthese wird Energie in Form von Licht benötigt, damit der Kreislauf funktioniert.

Jetzt folgt der Feinschliff

Allerdings ist die Bio-Solarzelle in ihrer Leistung noch nicht mir herkömmlichen Solarzellen vergleichbar. Derzeit erreicht die Bio-Solarzelle der Forscher nur geringe Leistungen von einigen Nanowatt pro Quadratzentimeter. Die Forscher betonen, dass es sich hier nur um einen ersten Funktionstest handelte, einen „Proof of Concept“ wie sie sagen.

Das Potential zur Steigerung der Leistung existiert und diesem gilt nun die volle Aufmerksamkeit, nachdem der Machbarkeitsnachweis erbracht wurde. Die aktuell vorgestellte Lichterntemaschine war nur der Anfang: „Das System kann als Blaupause für die Entwicklung halbkünstlicher und natürlicher Zellsysteme dienen, in denen die Photosynthese für die lichtgetriebene Erzeugung von sekundären Energieträgern wie beispielsweise Wasserstoff genutzt wird“, sagt Matthias Rögner, einer der beteiligten Forscher von der Universität Bochum.

Quelle:
Kothe, T. et al. (2013): Die Kombination einer auf Photosystem 1 basierenden Photokathode und einer auf Photosystem 2 basierenden Photoanode zu einem Z-Schema-Analogon für biophotovoltaische Anwendungen. In: Angewandte Chemie, (online 7. November 2013), doi: 10.1002/ange.201303671.

Kothe, T. et al. | Pflanzenforschung.de
Weitere Informationen:
http://www.pflanzenforschung.de/index.php?cID=9557

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht SEEDs – Intelligente Batterien mit zellinterner Sensorik
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

nachricht Power-to-Liquid: 200 Liter Sprit aus Solarstrom und dem Kohlenstoffdioxid der Umgebungsluft
24.07.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie