Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz für die Energiewende nutzen

02.02.2012
Deutsche Umwelthilfe fordert in KWKG-Novelle klare Anreize für "virtuelle Kraftwerke" auf Basis kleiner, stromgeführter Blockheizkraftwerke -Tausende über eine Leittechnik vernetzte Mini-Kraftwerke können ohne langwierige Genehmigungsverfahren und aufwändigen Leitungsbau er-richtet werden - Beitrag zum Ausgleich des Rückgangs konventioneller Kraftwerksleistung in Süddeutschland

Die derzeit vorbereitete Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) eröffnet neue Möglichkeiten, die Flexibilisierung des konventionellen Kraftwerksparks voranzubringen. Gut regelbare Kraftwerke, die besonders schnell auf eine schwankende Nachfrage und volatile Stromeinspeisung aus Wind- und Sonnenenergie reagieren können, werden im Rahmen der Energiewende dringend benötigt. Darauf hat die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) hingewiesen und die Regierungskoalition aufgefordert, die Chance zu nutzen und im anstehenden Gesetzgebungsverfahren entsprechende Korrekturen vorzunehmen.

Konkret fordert die DUH, das Gesetz so auszugestalten, dass die Markteinführung kleiner, gasbetriebener Blockheizkraftwerke (BHKW), die zusammen ein "virtuelles Großkraftwerk" bilden, im KWKG effektiv gefördert wird. Die einzelnen BHKW-Einheiten versorgen dabei auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig Gebäude mit Wärme und das lokale Stromnetz mit elektrischer Energie. Im Konzept des "virtuellen Großkraftwerks" wird der Einsatz vieler kleiner Kraftwerkseinheiten über eine Leittechnik zentral gesteuert. Angeschlossene Wärmespeicher sorgen dafür, dass die Erzeugung von Strom und Wärme weitgehend entkoppelt werden kann. So bestimmt nicht mehr der Wärmebedarf, wann die KWK-Anlage anspringt, sondern der Strombedarf. Strom wird exakt dann erzeugt, wenn er wegen der täglichen Bedarfsspitzen oder einer Windflaute gebraucht wird.

"Wir sind überzeugt, dass virtuelle Kraftwerke auf Basis vieler kleiner, stromgeführter KWK-Anlagen einen wesentlichen Beitrag liefern können für die notwendige Flexibilisierung unseres Kraftwerksparks. Derzeit kann das Konzept helfen, insbesondere in Süddeutschland den beschleunigten Zubau erneuerbarer Stromerzeugungskapazitäten aus Sonne und Wind zu ergänzen", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. Die Anlagen seien nicht nur in der Lage, sehr schnell auf Lastschwankungen zu reagieren. Sie könnten auch zügig und ohne langwierige Genehmigungsverfahren "in jeden Keller eines Mehrfamilien- oder Bürohauses eingebaut werden".

Die Leiterin Klimaschutz und Energiewende der DUH, Cornelia Ziehm, kritisierte, dass die Bundesregierung in ihrer vor Weihnachten im Kabinett verabschiedeten Gesetzesnovelle, zwar erstmals die Förderung von Wärmespeichern möglich gemacht habe, dabei aber ausgerechnet das Konzept der virtuellen Kraftwerke unberücksichtigt geblieben sei.

Ziehm: "Kraft-Wärme-Kopplung war bisher eine Methode zur hocheffizienten Erzeugung von Strom und Wärme. Jetzt kann sie darüber hinaus ein wichtiger Baustein bei der Flexibilisierung des konventionellen Kraftwerksparks werden und so die Energiewende befeuern. Das haben leider noch nicht alle in der Bundesregierung verstanden". Ziehm rief die Koalitionsfraktionen und die Länder im Rahmen der Verhandlungen im Bundesrat auf, im weiteren Gesetzgebungsverfahren entsprechende Korrekturen des Förderrahmens vorzunehmen.

Das Konzept virtueller Kraftwerke hat in den vergangenen Jahren unter anderem der Hamburger Ökostromhändler Lichtblick gemeinsam mit dem Volkswagen-Konzern unter dem Namen "SchwarmStrom-Konzept" bekannt gemacht und begonnen zu realisieren. Tausende so genannter "ZuhauseKraftwerke" - Blockheizkraftwerke auf Basis von VW-Motoren mit nachgeschaltetem Wärmespeicher - sollen zusammengeschaltet werden und gezielt dann Strom liefern, wenn der Strom im Netz rar und teuer ist. Gut 20.000 der ZuhauseKraftwerke, jedes mit einer elektrischen Leistung von 19 kW, ergeben beispielsweise eine mit einem großen Gaskraftwerksblock der heute üblichen 400-Megawatt-Klasse vergleichbare Leistung. Vorteil der dezentralen Erzeugung: Große Stromtrassen werden nicht benötigt, Widerstand von Bürgern ist nicht zu erwarten und die Mini-BHKW können noch schneller gestartet und abgeschaltet werden als ein modernes Gaskraftwerk.

Die DUH hält es für wünschenswert, dass das Konzept virtueller Kraftwerke bei der Umsetzung der Energiewende eine wesentliche Rolle spielt. "Ob sich das Konzept durchsetzt und es andere Hersteller von Blockheizkraftwerken übernehmen, hängt jetzt davon ab, ob die KWK-Novelle ausreichende Anreize zur Markteinführung setzt", erklärte Ziehm. Das kürzlich von der Bundesregierung, unabhängig von der KWKG-Novelle, neu aufgelegte Programm zur Förderung von Mini-KWK-Anlagen sei ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber zur Etablierung virtueller Kraftwerke der vorgeschlagenen Größe nicht aus. Es gehe "nicht um eine Dauersubvention, sondern um einen befristeten KWK-Aufschlag zur Markteinführung, der sich auf den Stromrechnungen praktisch nicht bemerkbar machen würde".

Nach Berechnungen der DUH ergibt sich insbesondere in Süddeutschland bis zur Abschaltung der letzten Atomkraftwerke Ende
2022 nach heutigem Kenntnisstand eine Reduzierung konventioneller Kraftwerkskapazitäten von etwa 8.000 Megawatt (Details siehe Anhang).

Ausgeglichen werde der Rückgang einerseits durch den weiteren zügigen Zubau Erneuerbarer Energien und von Pumpspeicherkraftwerken zur Sicherung der Netzstabilität. Andererseits werden nach Überzeugung der DUH auch der effizientere Einsatz von Energie und die Steuerung des Stromverbrauchs in der Industrie und in Grenzen in den privaten Haushalten eine zunehmende Rolle spielen. Spätestens nach 2020 rechnet Baake damit, dass zudem größere Windstrommengen über Stromautobahnen aus dem Norden nach Süddeutschland geleitet werden.

"Ein Risiko liegt in dem zu erwartenden Kapazitätsrückgang bei konventionellen Kraftwerken nur, wenn wir gar nichts tun. Auf der anderen Seite wartet ein ganzes Bündel von Chancen nur darauf, ergriffen zu werden", erklärte der DUH-Bundesgeschäftsführer. Eine davon sei die Errichtung virtueller Kraftwerke. Da wegen unsicherer Renditeerwartungen derzeit Investoren in große Gaskraftwerke kaum in Sicht seien, liege es nahe "mit einer entsprechenden Ausgestaltung der KWKG-Novelle einen wichtigen Schritt in Richtung Flexibilisierung unseres Kraftwerksparks zu gehen". Der Vorteil sei auch, dass es hier ein klares Interesse aus der Industrie gebe, das Konzept umzusetzen.

Mehr Informationen und Hintergründe zum Thema finden Sie unter:
http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews[tt_news]=2772
Pressekontakt:
Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-0; Mobil: 0151 55016943;
E-Mail: baake@duh.de
Dr. Cornelia Ziehm, Leiterin Klimaschutz und Energiewende, Hackescher Markt 4, 10178 Berlin; Mobil: 0160 94182496;

Tel.: 030 2400867-0, E-Mail: ziehm@duh.de

Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik & Presse, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-0; Mobil: 0171 5660577;
E-Mail: rosenkranz@duh.de

Dr. Gerd Rosenkranz | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.duh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Graduiertenschule HyPerCells entwickelt hocheffiziente Perowskit- Dünnschichtsolarzelle
17.08.2017 | Universität Potsdam

nachricht Lasersensoren LAH-G1 – Optische Abstandssensoren mit Messwertanzeige
15.08.2017 | WayCon Positionsmesstechnik GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Studie für Patienten mit Prostatakrebs: Einteilung in genomische Gruppen soll Therapie präzisieren

21.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz