Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleine Insel setzt auf erneuerbare Energie

12.09.2013
Bescheiden liegt die 1200 Einwohner starke Insel Pellworm in Deutschlands Nordsee, dabei schafft sie, wovon die meisten Großstädte noch träumen.

Pellworms Anteil an erneuerbaren Energiequellen entspricht bereits jetzt dem Energiekonzept 2050. Mit gut 21 Gigawattstunden produziert die Insel dreimal so viel Strom wie sie jährlich verbraucht.

Trotz des Produktionsüberschusses ist die Gemeinde von der Verbindung über zwei 20‐Kilovolt‐Seekabel zum Festlandnetz abhängig. Das Gemeinschaftsprojekt »SmartRegion Pellworm« will Stromerzeugung und -verbrauch vor Ort energetisch zusammenbringen. Fraunhofer UMSICHT erstellt dazu eine Wärmebedarfsprognose für flexibel aufladbare Elektrospeicherheizungen.

Auf Pellworm finden sich neben Windenergie‐, Photovoltaik‐ und einer Biogasanlage, zahlreiche Elektrospeicherheizungen und Wärmepumpen. Hinzu kommen künftig Batteriespeicher sowie intelligente Energiezähler, so genannte Smart Meter, die dem Nutzer seinen tatsächlichen Verbrauch und seine Nutzungszeit offen legen. Diese Kombination aus erneuerbaren Energien, verschiedenen Energiespeichersystemen und intelligenter Messtechnik soll im Gemeinschaftsprojekt »SmartRegion Pellworm« als Basis für eine stabile und kosteneffiziente Elektrizitätsversorgung dienen.

Fraunhofer UMSICHT Wissenschaftler, Dipl.-Wirt.-Ing. Michael Metz, erklärt: »Verschiedene Speichertechnologien und steuerbare Verbraucher bilden auf Pellworm eine Ausgleichsoption zur schwankenden Wind- und Solarstromerzeugung. Durch sie kann künftig die regionale Versorgungsaufgabe erfüllt werden, so dass Pellworm hinsichtlich des Stromverbrauchs weitestgehend autark ist. Wir beschäftigen uns in dem Projekt mit der Erstellung eines Modells zum Einsatz von Elektrospeicherheizungen als flexible Lasten«.

Wärmebedarfsprognose für Elektrospeicherheizungen

Normalerweise nehmen Elektrospeicherheizungen nachts Strom auf, wodurch Speichersteine in der Heizung erwärmt werden. Während des Tages, wenn der Heizbedarf am höchsten ist, geben die Speichersteine die Wärme wieder ab. Die Speicherfähigkeit der Apparate macht es möglich, den Zeitpunkt der Aufladung in gewissen Grenzen zu verschieben. Dies hat den Vorteil, dass auf das Angebot erneuerbarer Energien reagiert werden kann ohne die Bereitstellung von Wärme in Räumen zu beeinflussen. »Die Aufladung soll vorrangig erfolgen, wenn viel erneuerbar erzeugter Strom eingespeist wird. Voraussetzung für die intelligente, aufeinander abgestimmte Steuerung von Stromverbrauchern und -erzeugern sind verlässliche Einspeise- und Bedarfsprognosen«, erklärt M.Sc. Maike Hasselmann aus dem Bereich Energie.

Für Elektrospeicherheizungen wird dazu von Fraunhofer UMSICHT ein Modul zur Prognose des Wärmebedarfs erstellt. Die Prognose ermöglicht es, mehr Strom aus erneuerbaren Energien zu integrieren und gleichzeitig den Wärmebedarf zu jedem Zeitpunkt zu decken. »Wir prognostizieren unter Berücksichtigung der Außentemperatur den Wärmebedarf bzw. wie viel die Heizungen mindestens aufgeladen werden müssen und wie viel maximal möglich wäre«. Die Erfahrungen bei der Umsetzung und dem Betrieb sollen, ebenso wie die Untersuchungen der Geschäftsmodelle, in die Analyse der Übertragbarkeit des Pellworm-Ansatzes auf andere Netzregionen einfließen.

Die Insel feiert die Eröffnung des Projekts »Smart Region Pellworm« am 9. September. »SmartRegion Pellworm« ist eines von sechs Leuchtturmprojekten der Speicherinitiative der Bundesministerien für Wirtschaft und Technologie, für Bildung und Forschung sowie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und wird von einem breit aufgestellten Innovationsverbund aus Industrie und Wissenschaft durchgeführt.

Projektpartner

E.ON AG
Fachhochschule Westküste
Fraunhofer Gesellschaft zur Förderung angewandter Forschung e.V.
Gustav Klein GmbH & Co. KG
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Saft Batterien GmbH
Schleswig-Holstein Netz AG
Fördermittelgeber
Gefördert durch Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Iris Kumpmann | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.smartregion-pellworm.de/home.html
http://www.bmu.de/themen/klima-energie/energiewende/beschluesse-und-massnahmen/energiekonzept-2050-meilensteine-langfristiger-entwicklu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Meilenstein in der Kreissägetechnologie
11.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Solarenergie: Defekte in Kesterit-Halbleitern mit Neutronen untersucht
07.12.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit