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Hochspannung im höchsten Staudamm der Welt

24.04.2014

Siemens bringt elektrischen Strom aus der derzeit tiefsten Talsperre an die Oberfläche.

Der Damm des chinesischen Wasserkraftwerks Jinping I in der Provinz Sichuan ist 305 Meter hoch, die Turbinen liegen in 230 Meter Tiefe. Ihre gesamte Leistung beträgt 3,6 Gigawatt.

Um diese riesige Energiemenge aus dem Berg nach oben zu transportieren, setzt Yalong Hydro auf gasisolierte Übertragungsleitungen (GIL) von Siemens.

Die Technik ist besonders für die Übertragung großer Mengen elektrischer Energie auf kleinstem Raum geeignet. Gasisolierte Rohrleiter übertragen maximal 5.000 Ampere Strom bei bis zu 550 Kilovolt (kV) Spannung. Jede Leitung besteht aus zwei konzentrisch angeordneten Aluminiumröhren.

Der Zwischenraum zwischen dem inneren Leitungsrohr und dem geerdeten Außenrohr ist mit Isoliergas gefüllt. GIL-Systeme übertragen nicht nur höchste Leistungen auf kleinstem Raum, sie sind auch anders als Stromkabel unbrennbar. Deshalb sind sie eine sichere und einfach zu installierende Lösung zur Stromübertragung aus Kavernenkraftwerken oder Tunneln.

Insgesamt besteht die Übertragungsleitung in Jinping I aus drei parallelen GIL-Systemen mit je drei einpoligen Rohrleitungen, die im Staudamm senkrecht nach oben führen.  Jedes System kann bei 550 kV Spannung 2.200 Megavoltampere Leistung transportieren. Inklusive der Anbindung an die Überlandleitung wurden 3,2 Kilometer Rohre installiert.

Zum Zusammenbau wurden auf der Großbaustelle eigens staubfreie Schweißplätze mit Reinraumbedin­gungen eingerichtet. Um eine lange Lebensdauer der Leitung zu garantieren, müssen die Schweißnähte der Aluminiumrohre absolut gasdicht sein. Die Rohre werden mit einem automatisierten Orbitalschweißverfahren zusammengefügt und alle Nähte mit Ultraschall geprüft. 

Die GIL-Technik ist seit Jahrzehnten im Einsatz. Siemens installierte 1975 eine erste GIL-Strecke im Wasserkraftwerk Wehr im Schwarzwald. Die Leitung ist immer noch in Betrieb. Neben ihrer hohen Übertragungskapazität und der Sicherheit haben GIL-Systeme auch geringere Übertragungsverluste, weil der effektive Leiterquerschnitt größer ist im Vergleich zu Freileitungen und Kabeln.

Ein weiterer Vorteil der GIL ist ihre gute elektromagnetische Verträglichkeit: Der Leiterstrom induziert in der Umhüllung einen gegenläufigen Strom in gleicher Stärke. Dies hat zur Folge, dass das elektromagnetische Feld außerhalb der GIL vernachlässigbar ist.

Selbst in EMV-sensiblen Bereichen (z. B. in der Nähe von Wohngebieten, Flugüberwachungsanlagen oder Computerzentren) ist keine Abschirmung notwendig. GIL lösen das Übertragungsproblem, wenn Freileitungen aus baulichen, elektrotechnischen oder umweltbedingten Gründen nicht realisiert werden können und unterstützen so auch das Gelingen der Energiewende in Deutschland. (2014.04.5)

Dr. Norbert Aschenbrenner | Siemens InnovationNews
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/innovation

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