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Heizen und Kühlen mit Abfallwärme aus der Industrie

08.07.2015

Das Heizen und Kühlen von Morgen nutzt Energie, die aus Abfallwärme gewonnen und über Fernwärme- und Fernkühlungsnetze bei Niedertemperatur verteilt wird. Es nutzt also Wärme, die normalerweise ungenutzt in die Atmosphäre verpufft und aus verschiedenen Industrieprozessen oder beispielsweise aus Kühlanlagen in Supermärkten und Obstmagazinen stammt.

Das Südtiroler EURAC-Institut für Erneuerbare Energie erforscht die neue Technologie im Rahmen des Projekts „FLEXYNETS“, das vom europäischen Forschungsprogramm Horizon2020 mit zwei Millionen Euro finanziert wird. Der Startschuss fiel am gestrigen 7. Juli mit einem Treffen der Projektpartner an der EURAC in Bozen.


Gruppenfoto vom Auftakttreffen der Projektpartner in Bozen (EURAC)

Fernwärmenetze funktionieren derzeit über hohe Temperaturen um die 90 Grad Celsius. Zum Heizen der einzelnen Gebäude müssen die Netze an große Heizkraftwerke, zum Beispiel Blockkraftheizwerke oder Müllverbrennungsanlagen angeschlossen sein. Die Technologie, an der das Südtiroler EURAC-Institut für Erneuerbare Energie nun forschen wird, arbeitet hingegen auch bei Temperaturen zwischen 10 und 20°C. Die Fernwärmenetze können somit zusätzlich auch aus Energiequellen mit niedrigeren Temperaturen als bisher gespeist werden.

„Wir arbeiten daran die Fernwärme und Fernkühlung von Morgen zu entwickeln. Dabei sollen bestehende Systeme keinesfalls ersetzt, sondern vielmehr in neue Konzepte integriert werden: Die Heizwärme - beispielsweise aus der Müllverbrennungsanlage – soll durch Wärme ergänzt werden, die in verschiedenen alltäglichen Prozessen produziert wird und derzeit ungenutzt verpufft“, erklärt Roberto Fedrizzi, Forscher am EURAC-Institut für Erneuerbare Energie und Studienleiter im Projekt FLEXYNETS.

„Indem wir bei der Verteilung mit niedrigen Temperaturen arbeiten, reduziert sich auch der derzeitige große Wärmeverlust in den unterirdischen Leitungsrohren, was das gesamte Netz künftig effizienter machen würde“, so Fedrizzi. Laut Experten könnte damit der Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser um 80 Prozent gesenkt werden, für das Kühlen von Gebäuden um 40 Prozent. Europaweit könnten damit bis 2030 fünf Millionen Tonnen des CO2-Ausstoßes eingespart werden.

Die erste Phase des dreijährigen Projekts widmet sich dem Entwickeln der Technologie. Daran schließt sich eine Testphase an, die 2016 beginnen soll. „Wir werden im Technologiepark in Bozen im Rahmen der ersten Phase ein Labor einrichten, in dem wir ein Fernwärme- und Fernkühlungsnetz in Miniaturformat installieren. Dort können wir dann Kontrollstrategien und verschiedene Nutzungsszenarien simulieren und testen“, fügt Roberto Fedrizzi hinzu.

Die dritte Phase des Projekts widmet sich dem Ausarbeiten von Förderungsmaßnahmen zur Nutzung von Abfallwärme und Strategien, die die neue Technologie in die bereits bestehenden städtischen Systeme integriert. So werden zwei Arbeitsgruppen gebildet, die sowohl Fernwärmeexperten als auch Vertreter der Stadtverwaltungen hinzuziehen.

Das Projekt FLEXYNETS steht unter der Leitung der EURAC. Am Auftakttreffen in Bozen am 7. und 8. Juli nahmen die Projektpartner aus ganz Europa teil: die Universität Stuttgart sowie auf Fernwärmesysteme spezialisierte Agenturen und Unternehmen aus Italien, Spanien, Deutschland und Dänemark.

Weitere Informationen:

http://www.eurac.edu/de/research/technologies/renewableenergy/Pages/default.aspx - EURAC-Institut für Erneuerbare Energie in Bozen

Laura Defranceschi | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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