Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hecken im Visier - Erfassung von Biomasse per Laserscan-Verfahren

26.07.2011
Eine Forschungsgruppe der Universität Hohenheim und der Hochschule München entwickelt im Rahmen des BMU-Förderprogramms „Energetische Biomassenutzung“ ein lasergestütztes Fernerkundungsverfahren, mit dessen Hilfe der Bewuchs von Flächen detektiert, typisiert und dessen Biomassepotenzial berechnet werden kann.

Nicht nur Haushalte durchlaufen dieses Jahr einen Zensus. Unbemerkt von der Öffentlichkeit werden in zwei Pilotläufen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sowie in weiteren Testgebieten Gehölze und Einzelbäume der offenen Landschaft kartographiert und in Biomasse-Kategorien eingeteilt.

"Deutschland gehört zu den heckenreichsten Ländern der Erde. Vermutlich haben wir es mit mehr Gehölzen als Einwohnern zu tun – genau weiß das bis jetzt niemand", so Dipl.-Biol. Alfons Krismann von der Uni Hohenheim. Die Forschergruppe um Krismann entwickelt zusammen mit der Hochschule München im Rahmen des vom Bundesumweltministerium initiierten Forschungsprogramms zur „Optimierung der energetischen Biomassenutzung“ ein automatisiertes Fernerkundungsverfahren, das mittels sogenannter Laserscanning-Daten aus Flugzeugbefliegungen jedes einzelne Gehölz bis hin zum Jungbusch erfassen kann. Hierbei handelt es sich zunächst um einfache 3D-Punktdaten, die zur Erstellung eines exakten digitalen Höhenmodells dienen.

Ein Hochleistungscomputer, der die Daten für ein Bundesland berechnet, benötigt ungefähr vier bis acht Monate. Ein erster Testdurchlauf ermittelte für Baden-Württemberg 27 Millionen Einzelgehölze. „Ziel unseres Projektes ist allerdings nicht allein die Errichtung eines Gehölzkatasters sondern deren sinnvolle und nachhaltige energetische Nutzung", fasst Projektleiter Prof. Dr. Klaus Schmieder (Hohenheim) zusammen. In den letzten 30 Jahren wurden Hecken und Feldgehölze nur wenig als Brennholz genutzt.

Die heutigen Gehölze sind oft überaltert, brechen auseinander oder wachsen in landwirtschaftliche oder naturschutzfachlich wertvolle Flächen. Dieses sogenannte Landschaftspflegeholz" kann mit neuer effizienter Erntetechnik jedoch zunehmend wirtschaftlich genutzt werden. In neueren Studien wird diesem Sektor einer der größten noch erschließbaren Energiepotenziale zugewiesen.

Der genaue Umfang und der tatsächlich nutzbare Anteil soll im Rahmen des Verbundprojektes "Biomasse per Laserscan" flächenhaft berechnet werden. Das CO2-Einsparungspotenzial liegt bundesweit jährlich bei mehreren Millionen t CO2-Äquiv. Bislang lieferten Laserscanning-Befliegungen eine Dichte von 1 Punkt /m². Sogenannte Full-Waveform-Scanner erzielen jetzt eine 10-20fach höhere Auflösung, so dass ein einzelner Laubbaum aus einer Wolke von mehreren 1000 Punkten besteht. "In waldähnlichen Beständen sind wir heute in der Lage, selbst kleinere Sträucher als einzelne 3D-Objekte zu identifizieren - in Ansätzen ist bei manchen Baumarten sogar eine Artbestimmung möglich", erläutert Prof. Dr. Peter Krzystek von der Hochschule München. Seine Arbeitsgruppe testet neue Verfahren zur Einzelbaumbestimmung. Während Förster das Holzvolumen bisher vor Ort aufwändig vermessen mussten, ermöglicht der Einsatz von flugzeuggestützten Laserscannern kostengünstige Biomasseabschätzungen für ganze Regionen. Wie diese 3D-Modelle oder eine Gehölzdatenbank aussehen, kann auf der Internetseite des Forschungsvorhabens, das noch bis Ende 2012 läuft, erkundet werden (http://www.unihohenheim.de/biolaserscan/) und ist als Slideshow unter http://www.energetische-biomassenutzung.de/de/vorhaben/liste-aller-vorhaben/details/projects/55.html abrufbar.

Das Förderprogramm

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) hat im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative das Programm „Förderung von Forschung und Entwicklung zur klimaeffizienten Optimierung der energetischen Biomassenutzung“ aufgelegt.

Im Zuge dieses Programms wird das Verbundprojekt „Entwicklung von automatisierten Biomasse-Analyse- und Bewertungsinstrumenten auf Basis von Laserscan-Rohdaten am Bsp. von Süddeutschland und bundesweiten Fallstudien“ (FKZ: 03KB037) gefördert, an dem die Universität Hohenheim und die Hochschule München beteiligt sind.

Antje Sauerland | idw
Weitere Informationen:
http://www.dbfz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Geräteschutzschalter erfüllt NEC Class 2
19.05.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

nachricht Elektronikgehäuse für Anzeigeeinheiten
19.05.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten