Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Havarie eines Kreuzfahrtschiffes: TU Hamburg-Harburg entwickelt ausfallsicheres Netzwerk

01.03.2012
Eine Notbrücke an Bord soll künftig dafür sorgen, dass Passagierschiffe auch bei völliger Zerstörung der Kommandobrücke manövrierfähig bleiben und sicher zurück in den nächstgelegenen Hafen navigiert werden können.

Das fordert die International Maritime Organization. Wissenschaftler der Technischen Universität Hamburg haben jetzt den Auftrag erhalten, ein elektronische Daten-Netzwerk für Schiffe zu entwickeln. Die Notbrücke ist dabei eine von vielen Stationen.

„Es geht um den Aufbau eines ausfallsicheren Netzwerkes an Bord von Passagierschiffen,“sagt Professor Jan Luiken ter Haseborg. Der international gefragte Experte für die drahtlose Kommunikation auf Schiffen forscht auf diesem Sektor seit mehr als zehn Jahren, speziell auch auf dem Gebiet der ausfallsicheren Netzwerke. Das Hamburger Forscherteam vom Institut für Messtechnik und Elektromagnetische Verträglichkeit der TU hat den Auftrag erhalten, eine drahtlose Kommunikationslösung zwischen Schiffen und Schiffen sowie Landstationen zu entwickeln. An diesem Forschungsprojekt, das heute offiziell startet, sind außer Ingenieuren der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) auch Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena beteiligt.

2,3 Millionen Euro stehen für das Maritime Netzwerk (MarNet), so der der Titel des Forschungsvorhabens, bereit. Mit 1,4 Millionen Euro fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie das MarNet, die übrige Summe bringen Partner aus der Wirtschaft auf: die Meyer-Werft-Papenburg sowie die Unternehmen SAM Electronics Hamburg und Raytheon Kiel. „Damit leisten Wissenschaft und Wirtschaft einen sehr aktuellen Beitrag zur Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen“, sagt Professor ter Haseborg.

„Das Ziel ist die Installierung eines neuen schiffsweiten Ring-Netzwerkes von der Brücke zu den wichtigsten Stationen mit nautischem Bezug“, sagt Diplomingenieur Helge Fielitz, MarNet-Projektleiter an der TUHH. In diesem Netzwerk sollen an beliebig vielen Stellen die unterschiedlichen Informationen – zum Beispiel Überwachungs-und Kamerasignale sowie Steuer -und Sensorsignale – eingespeist werden können, verbunden mit der Möglichkeit von Schiff zu Land sowie von Schiff zu Schiff kommunizieren zu können. Selbstorganisierende, drahtlose Sensoren sollen Informationen in das Schiffsnetzwerk einspeisen, die auch auf der Notbrücke abgerufen werden können.

Mit der geplanten Notbrücke soll es möglich werden, navigatorische Funktionen, die ursprünglich auf der Brücke angesiedelt und auf die Brücke begrenzt waren, in andere Bereiche des Schiffes zu verlagern. Damit diese im Notfall aktiviert und von außerhalb der Brücke kontrolliert sowie und bedient werden können. Auf der Notbrücke werden im Wesentlichen drei Monitore installiert sein, die erstens das Radarbild, zweitens die elektronische Seekarte zeigen und drittens das so genannte Conning Display mit allen Angaben, die für das Steuern eines Schiffes nötig sind: zum Beispiel Daten aus dem Maschinenraum, zum Kurs, zur Wassertiefe, Geschwindigkeit, GPS.

Wie wichtig die Krisenkommunikation bei einem Schiffsunglück ist, zeigte auf dramatische Weise die Havarie der „Costa Concordia“ im Januar. Im Projekt MarNet sind deshalb auch Psychologen der Universität Jena beteiligt, die das menschliche Verhalten der für die Steuerung eines Schiffes verantwortlichen Bordmitglieder untersuchen. Ihre Erkenntnisse werden zum Beispiel in die Art und Weise der Anordnung der Konsolen, in denen die Monitore integriert sind, einfließen.

Bereits vom Germanischen Lloyd zertifiziert wurde im vergangenen Dezember ein von den Hamburger Wissenschaftlern entwickeltes Übertragungssystem, das Daten innerhalb der Brücke sowie von den Außendecks eines Schiffes auf die Brücke drahtlos überträgt. Wie alle bisher vom Team um Professor Jan Luiken ter Haseborg entwickelten Anlagen wurde auch diese zuvor auf Kreuzfahrtschiffen in der Meyer-Werft während der Probefahrten unter extremen Bedingungen umfassend getestet.

Für Rückfragen der Medien:
TU Hamburg-Harburg
Institut für Messtechnik und Elektromagnetische Verträglichkeit
Prof. Dr.-Ing. Jan Luiken ter Haseborg
Tel.: 040/ 42878-3013
E-Mail: terhaseborg@tuhh.de
TU Hamburg-Harburg
Pressestelle
Jutta Katharina Werner
Tel.: 040/ 42878-4321
E-Mail: j.werner@tuhh.de

Jutta Katharina Werner | idw
Weitere Informationen:
http://www.tuhh.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Hochauflösende IR Kamera mit Mikroskopoptik
23.10.2017 | Optris GmbH

nachricht »ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie