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»Grünes« Energie-Management für Europas Häfen

10.02.2012
Jacobs University leitet EU-Projekt Green EFFORTS

Im Januar 2012 startete das Projekt Green EFFORTS mit dem Ziel, ein strategisches Planungsinstrument zu entwickeln, mit dem Terminalbetreiber und Hafenverwaltungen den CO2-Fußabdruck von See- und Binnenhäfen nachhaltig reduzieren können.


Bislang meist nur eine zufällige Kombination: Container-Terminals und regenerative Energiegewinnung. Das EU-Projekt Green EFFORTS soll nun dazu beitragen, dass Energieversorgung und -management in Europas Häfen nachhaltig umwelt- und klimaschonender wird. (Foto: Eurogate Containerterminal Bremerhaven). Foto: Jacobs University / Sabine Nollmann

Hierzu wird über 2,5 Jahre an verschiedenen Container- und RoRo-Terminals erforscht, wie Energie eingespart und zurückgewonnen werden kann, wie verstärkt regenerative Energien genutzt werden können und wie das Hafen- und Terminalpersonal aktiv am Klima- und Umweltschutz mitwirken kann. Acht Partner beteiligen sich an dem hauptsächlich aus EU-Mitteln finanzierten Projekt mit einem Gesamtvolumen von 3,2 Mio. Euro. Koordinator ist Jacobs-Professor Jens Froese.

Mit rund 30 % trägt der globale Warentransport erheblich zu dem weltweiten durch Menschen verursachten CO2-Ausstoß bei. Hier setzt das Forschungs- und Entwicklungsprojekt Green EFFORTS (kurz für Green and Effective Operations at Terminals and in Ports) an: Bis Juni 2014 untersucht ein Konsortium mit zwei wissenschaftlichen und sechs Industriepartnern vorwiegend aus der maritimen Branche, wie über eine breite Maßnahmenpalette des strategischen Energiemanagements der Hafenbetrieb energieeffizienter und damit klimafreundlicher gemacht werden kann.

Um erfolgreich neue Umweltkonzepte entwerfen und als ganzheitliches Terminal-Energiekonzept implementieren zu können, ist es wichtig, jeden einzelnen Prozess im Hafen und auf den Terminals genau zu kennen und zu analysieren, wie sich technische, organisatorische und verhaltensbeeinflussende Maßnahmen auf die einzelnen Prozessketten auswirken. Zentrales Managementwerkzeug hierfür soll die „Port and Terminal Knowledge Landscape“ werden, die im Rahmen von Green EFFORTS entwickelt wird. Diese „Wissenslandkarte“ für Häfen und Terminals ist ein hochdifferenzierter virtueller 3D-Informationsraum, mit dem alle Prozesse in einem Hafen – vom Ladungsumschlag bis zur Versorgung von Kühlcontainern – simuliert werden können. Das Simulationsverfahren erlaubt eine zuverlässige Wirkungsquantifizierung für geplante Maßnahmen und ermöglicht außerdem einen direkten Kosten-Nutzen-Vergleich, so dass potenzielle negative Effekte für die Terminalproduktivität schon im Vorfeld verhindert werden können.

Weitere Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte von Green EFFORTS sind

- die gezielte technische Weiterentwicklungen von Umschlag- und Flurfördergeräten sowie im allgemeinen Betriebsbereich zur Verbesserung der Energieeffizienz

- die Erschließung neuer „grüner“ Energiequellen im unmittelbaren Terminal-/Hafenkontext, z. B. durch die Integration von Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen oder auch durch Energie-Rückgewinnung, beispielsweise durch den Einsatz von Wirbelstrombremsen beim Abbremsen von Kranlasten

- die Prozessoptimierung aller Abläufe, z. B. um Leerlaufbetrieb zu vermeiden

- Schulungskonzepte für Operateure im energiesparenden Umgang mit Maschinen und Fahrzeugen

- Bewirtschaftungskonzepte, die gezielt auf den Einkauf „sauberer“ Energien basieren

„Die Möglichkeiten zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks von Terminals und Häfen sind vielfältig; dieses Potenzial wird heute jedoch noch viel zu wenig genutzt“, so Jens Froese, Green EFFORTS-Koordinator und Professor of Maritime Logistics an der Jacobs University in Bremen. „Umso wichtiger ist es, individuell für jeden Hafen und jeden Terminal eine qualifizierte Planungs- und Entscheidungsgrundlage für infrastrukturelle und operative Maßnahmen in Häfen schaffen, indem man objektiv die Wirksamkeit und die Wirtschaftlichkeit der unterschiedlichen Maßnahmen überprüft. Richtschnur für uns ist dabei die ISO-Norm 14064 zur Berechnung des ‚Corporate Carbon Footprint‘, also eine international standardisierte Unternehmensklimabilanz, die alle – direkte und indirekte – Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette berücksichtigt.“

Dem Konsortium unter der Führung der Jacobs University gehören das Container-Terminal PSA Sines/Portugal, das RoRo-Terminal Trelleborg/Schweden, die Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe, Siemens, IHS Global Insight/Frankreich, das Hamburg Port Training Institute und das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen an. Darüber hinaus wurde aufgrund des großen Interesses der Hafenindustrie ein Green EFFORTS-Dialogforum der „Associated Ports and Terminals“ eingerichtet, dem zurzeit sechs europäische Häfen und Terminals sowie die Häfen Los Angeles und Singapur angehören. Natürlich sind auch die Bremischen Häfen „mit im Boot“ und die Zahl der Interessenten wächst stetig.

Das finanzielle Projektvolumen von Green EFFORTS beträgt 3,2 Mio. Euro. Die Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission beteiligt sich innerhalb des 7. Rahmenprogramms für Forschung und Entwicklung mit 2,2 Mio. Euro.

Fragen zu dem Projekt Green EFFORTS beantwortet:
Jens Froese | Kieserling-Stiftung Distinguished Professor of Maritime Logistics
Tel.: 0421 200 3137 | E-Mail: j.froese@jacobs-university.de

Dr. Kristin Beck | idw
Weitere Informationen:
http://www.jacobs-university.de

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