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Grüne Kohle aus biogenen Reststoffen - Start des Hallenser Demovorhabens

30.07.2012
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH (DBFZ) in Leipzig unterstützt und begleitet die erste Anlage zur Herstellung von hochwertigen Brennstoffen aus Bioabfällen durch Hydrothermale Carbonisierung (HTC) im Demonstrationsmaßstab.
Diese wird von der Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Halle GmbH, auf dem Gelände der Deponie Halle-Lochau errichtet. Zum 19.07. 2012 wurden die Lieferverträge mit dem Fränkischen HTC-Anlagenentwickler Artec Biotechnologie GmbH unterzeichnet.

Die hydrothermale Carbonisierung macht Biomassen für die energetische Nutzung verfügbar, die für herkömmliche Technologien nicht geeignet sind. Mit der Demonstrationsanlage sollen in Zukunft jedes Jahr 2500 t dieser Stoffströme in einen Biobrennstoff umgewandelt werden, der als klimafreundliche Alternative zu Braunkohle geeignet ist.
Unterstützung erhalten die Industriepartner dabei vom Deutschen Biomasseforschungszentrum, das umfangreiche wissenschaftliche und technische Erfahrungen einbringt. Fernziel ist, einen gleichwertigen Ersatz für Holzpellets bereit zu stellen.

Zum Hintergrund
Für die energetische Nutzung von Biomassen existieren zwei Klassen von etablierten Verfahren: Bio-chemische Umwandlungen, wie die Biogasproduktion, und die thermo-chemischen Verfahren Verbrennung, Vergasung und Pyrolyse. Zwischen beiden Varianten klafft allerdings eine Lücke: Für bestimmte Biomassen die wasserreich aber von Mikroben nur schwer abbaubar sind stoßen alle genannten Verfahren an ihre Grenzen. Das hat zur Folge, dass in großen Mengen vorhandene Biomassen, wie Bioabfall (braune Tonne) und der nicht holzige Anteil des Grünschnittes, bis heute nur unter Einschränkungen zur Energiegewinnung genutzt werden können.

Dabei würde der Einsatz dieser Stoffe ein weiteres bedeutendes Potenzial zur Minderung klimaschädlicher Emissionen mit sich bringen. Es können somit erhebliche Mengen fossiler Energieträger ersetzt werden und die Kompostwerke werden von Stoffströmen entlastet, deren Energiegehalt auf diesem Wege genutzt werden kann. Eine Möglichkeit diese Lücke zu schließen, bietet die Hydrothermale Carbonisierung. Dieses in den letzten Jahren wiederentdeckte Verfahren wandelt organisches Material in heißem Wasser bei um die 220°C und 25 bar im Verlauf mehrerer Stunden in einen kohleartigen, veredelten Biobrennstoff um.

Die Partner, die Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Halle GmbH, und das Deutsche Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH, haben ein Konzept entwickelt, diese Umwandlungstechnik in bestehende Verwertungswege zu integrieren und dafür geeignete Technik ausgewählt. Das Projektteam um Dr. Marco Klemm im Bereich Bioraffinerien des DBFZ hat dazu unter Nutzung ihrer wissenschaftlichen und experimentellen Möglichkeiten grundlegende Untersuchungen zur Bewertung der Einsatzstoffe und zur Prozessanpassung durchgeführt.

Die Arbeitsgruppe wird die Anlage weiter begleiten und Optimierungen durchführen. Die Breite der Arbeitsgebiete des DBFZ ermöglicht es, im Haus die Möglichkeiten des Einsatzes des Brennstoffes zu testen. Fernziele sind dabei die Schaffung eines gleichwertigen Ersatzes für Biomassepellets und sowie die Nutzung der Biokohle auf der Basis thermochemischer Vergasung.
Die Anlage der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft GmbH wird mit einem jährlichen Durchsatz von 2 500 t die erste ihrer Größenordnung für kommunale biogene Reststoffe sein. Mit ihr kann ein wesentlicher Anteil der biogenen Abfälle der 230 000-Einwohnerstadt zukünftig energetisch genutzt werden.

Zum 19.07.2012 wurde mit dem fränkischen Unternehmen Artec Biotechnologie GmbH ein Liefervertrag geschlossen. Geplanter Produktionsstart ist im März 2013.

Partner:
DBFZ, Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH

Antje Sauerland | idw
Weitere Informationen:
http://www.dbfz.de/

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