Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gemeinschaftlich elektromobil

07.10.2011
Autos nicht kaufen, sondern teilen – Car-Sharing gibt es in vielen Großstädten.

In der elektromobilen Zukunft nutzen die Städter viele Fahrzeuge und die Infrastruktur gemeinschaftlich, so die Idee von Fraunhofer-Forschern. Im Übermorgen-Projekt »Gemeinschaftlich-e-Mobilität: Fahrzeuge, Daten und Infrastruktur«, kurz GeMo, arbeiten Forscher daran, diese Vision zu realisieren.

Weniger Schadstoffe, weniger Lärm, mehr Lebensqualität – gute Gründe, beim Thema Mobilität auf Elektrizität zu setzen. Geht es nach der EU, fahren wir schon im Jahr 2050 in allen großen europäischen Städten nur noch elektrisch. Ein schönes Ziel, aber Experten gehen noch weiter: Bürger können auf das eigene Auto verzichten und Elektrofahrzeuge gemeinschaftlich nutzen.

Ein Ziel des Projekts ist es, technologische Lösungen zu entwickeln, die gemeinschaftliche Elektromobilität erst möglich machen. Die wichtigste Voraussetzung ist ein gut ausgebautes Netz öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur. Bequemer und schneller als über ein Kabel geht das über ein induktives Ladesystem.

»Das Laden ohne Kabel ist die Schlüsseltechnologie für eine flächendeckende gemeinschaftliche Mobilität. Deshalb legen wir darauf einen Entwicklungsschwerpunkt«, erzählt Projektkoordinator Florian Rothfuss vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. Er und sein Team arbeiten an einem bidirektionalen induktiven Ladesystem, das Energie je nach Bedarf aufnehmen, aber auch wieder in das allgemeine Netz zurückspeisen kann. So dient jedes einzelne Auto als ein kleiner Stromspeicher, der das Netz bei hohen Schwankungen entlastet. Bisher stellten zu lange Ladezeiten und die geringe Reichweite das größte Problem für Elektroautos dar. Um die Fahrzeuge zügig zu laden und sie dem nächsten Nutzer mit einer möglichst großen Reichweite zur Verfügung zu stellen, soll das System auf 22 kW ausgelegt werden. Bei dieser Leistung dauert es nur rund eine Stunde, bis ein Fahrzeug wieder fahrbereit ist. Ein weiterer Vorteil des induktiven Ladesystems ist, dass es in die Straße integriert werden kann. So behindern keine Säulen und Kästen den Verkehr.

Vernetzt über die Wolke

Wenn alle Bürger einer Stadt gemeinschaftlich Elektroautos nutzen wollen, müssen sowohl Nutzer als auch Fahrzeuge miteinander kommunizieren. In der Mobilitätsdaten-Cloud, einer offenen, internetbasierten Plattform, sollen alle Daten gesammelt werden, die für das Verkehrssystem einer Stadt wichtig sind. »Die Cloud ist ein Schwerpunkt des Projekts und verbindet alle unserer Teilsysteme«, erklärt Rothfuss. »Sie bildet die zentrale Stelle, in der alle relevanten Daten zusammengetragen werden. Diese Informationen sind dann über definierte Schnittstellen verfügbar und dienen als Grundlage für verschiedene Mobilitätsdienste.« Über das Smartphone hat der Nutzer Zugriff auf verfügbare Fahrzeuge und Ladestationen, Mitfahrer-Datenbanken sowie Infos zum öffentlichen Nahverkehr. Über einen geschützten persönlichen Bereich wählt er dann ein Auto aus, bucht und bezahlt. Die Schnittstelle zwischen Cloud, Auto, Ladestationen und persönlichem mobilen Gerät ist eine neu entwickelte On-Board-Unit (OBU), die in jedes Fahrzeug eingebaut wird. Diese zentrale Kommunikationseinheit kennt den Ladezustand und die Position des Wagens und verwaltet zum Beispiel Zugänge und Codes.

Gemeinschaftliche E-Mobilität gibt es aber nicht nur für Autofahrer. Die Technologie lässt sich auch auf andere Fortbewegungsmittel übertragen – zum Beispiel auf Segways, die elektrischen Ein-Personen-Roller. Um die OBU und das eingebaute induktive Ladesystem auch im Einsatz zu testen, sollen im Projekt zwei Demonstratorfahrzeuge, – ein PKW und ein Segway – damit ausgestattet werden.

An dem Projekt GeMo beteiligt sind Forscher der Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik ESK in München sowie der Fraunhofer-Institute für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin, Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart, Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen, Solare Energiesysteme ISE in Freiburg und Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden.

GeMo ist eines von sieben »Übermorgen-Projekten«. In diesen »Übermorgen-Projekten« arbeiten Wissenschaftler an Lösungen für drängende Fragen der Zukunft: http://www.fraunhofer.de/fraunhofer-forschungsthemen/uebermorgen-projekte.

Florian Rothfuss | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/22/Gemeinschaftlich_elektromobil.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Energieproduzierende Fenster stehen kurz bevor
23.02.2017 | University of Minnesota / Università degli Studi di Milano-Bicocca

nachricht Hauchdünn wie ein Atom: Ein revolutionärer Halbleiter für die Elektronik
23.02.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie