Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fraunhofer ISE empfiehlt regeneratives Energiekonzept für Baden-Württemberg

14.03.2011
Das Land Baden-Württemberg benötigt für die Zukunft einen Energiemix basierend auf Erneuerbaren Energien. Wie dieser aussehen kann, hat nun das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg erarbeitet.

»In einem Konzeptpapier für die Landesregierung haben wir einen Energieentwicklungspfad skizziert«, sagt Prof. Dr. Eicke R. Weber, Leiter des Fraunhofer ISE. »Dabei zeigt sich, dass ein starker Ausbau der Erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg technisch möglich und wirtschaftlich durchführbar ist«, so Weber.

Die zentrale Erkenntnis der Untersuchung ist, dass die vier Atomkraftwerke in Baden-Württemberg sukzessiv im Zeitrahmen der bisherigen Laufzeiten bis 2022 durch Erneuerbare Energien ersetzt werden können. Die positiven technologischen Entwicklungen und die hohe Geschwindigkeit bei der Neuinstallation von Erneuerbaren Energien haben die Zielvorgabe im mittlerweile veralteten »Energiekonzept 2020« der Landesregierung überholt. Dieses strebt noch einen Energiemix mit nur 20 Prozent erneuerbaren Energieträgern bis 2020 an. »Diese Rechnung bedarf dringend einer Korrektur.

Das ›Energiekonzept 2020‹ des Landes sollte unter Berücksichtigung der technologischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten viel ambitionierter angepasst werden«, so Weber. Denn Baden-Württemberg liegt damit deutlich hinter dem Ziel der Bundesregierung, die einen Anteil von 35 Prozent Erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung bis 2020 anstrebt. Auch wurde der in dem veralteten Konzept für 2020 angestrebte Wert von 2,7 Terrawattstunden (TWh) für Photovoltaik-Strom pro Jahr bereits jetzt in Baden-Württemberg erreicht – also rund zehn Jahre früher als noch vor kurzem geplant.

Die aktuelle Untersuchung berücksichtigt einen möglichst hohen Anteil an lokaler Stromerzeugung. Darüber hinaus soll die Energieversorgung sicher und finanzierbar bleiben – mit dem langfristigen Ziel einer kompletten Umstellung auf Erneuerbare Energien sowie einer intensiven Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) bis spätestens 2050.

Laut dem bisherigen Ausstiegsgesetz aus dem Jahr 2002 sollten die Atomkraftwerke in Baden-Württemberg wie folgt vom Netz genommen werden: Neckarwestheim 1 (2009/2010), Philippsburg 1 (2012), Philippsburg 2 (2017), Neckarwestheim 2 (2022). Neckarwestheim 1 hatte im Jahr 2010 aufgrund der geringen Reststrommenge nur noch wenig Strom produziert und eine komplette Abschaltung wäre technisch möglich gewesen. Trotzdem wurde es mit neuen Brennstäben ausgerüstet und ist jetzt wieder voll in Betrieb.

Der starke Zuwachs der Erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg macht es laut Fraunhofer ISE möglich, dass deren Anteil an der Stromerzeugung bereits 2015 den der Kernenergie übersteigt. Bis Mitte der 2020er Jahre können Atomenergie und Steinkohle kontinuierlich heruntergefahren und durch Erneuerbare Energien ersetzt werden. Den größten Anteil daran wird die Photovoltaik haben, da sie die höchsten Potenziale in Baden-Württemberg aufweist. Windenergie soll hauptsächlich durch Investitionen in Offshore-Windparks beigesteuert werden.

»Unser Konzeptpapier legt dar, dass ein zügiger Ausstieg aus Kernenergie und Steinkohle technisch möglich und die Energiesicherheit durch Erneuerbare Energien, Speicherung sowie Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) trotzdem gewährleistet ist«, so Weber. Der Leiter des Fraunhofer ISE fordert aber auch, dazu notwendige Analysen und Forschung weiter zu stärken. »Zunächst sollte es eine präzise Potenzialanalyse für den Ausbau Erneuerbarer Energien in Baden-Württemberg geben«, sagt Weber. Nur so könne ein detaillierter Entwicklungspfad für die Erneuerbaren Energien ausgearbeitet werden. Zudem bedarf es noch weiterer Forschungsanstrengungen in Bezug auf effizientere erneuerbare Technologien, Systemintegration und Speicherung, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie weiter zu stärken.

Informationsmaterial:

Fraunhofer ISE, Presse und Public Relations
Telefon +49 761 4588-5150
Fax +49 761 4588-9342
info@ise.fraunhofer.de
Ansprechpartner für weitere Informationen:
Projektleiter:
Prof. Dr. Bruno Burger, Fraunhofer ISE
Telefon +49 761 4588-5237
Fax +49 761 4588-9000
bruno.burger@ise.fraunhofer.de

Karin Schneider | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ise.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Hochauflösende IR Kamera mit Mikroskopoptik
23.10.2017 | Optris GmbH

nachricht »ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Add-ons: Was Computerprogramme und Proteine gemeinsam haben

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sparsamer abheben dank Leichtbau-Luftdüsen

23.10.2017 | Materialwissenschaften