Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsinstitut sucht Unternehmen, die Energiekosten sparen wollen

27.02.2014

Kleine und mittelständische Unternehmen, die Energiekosten sparen wollen, können sich jetzt an einem neuen Forschungsprojekt beteiligen. Das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) will gemeinsam mit der Industrie Verfahren weiterentwickeln, die es ermöglichen, energieintensive Aufträge dann abzuarbeiten, wenn der Strompreis gerade niedrig ist. Weniger Energie wird dadurch zwar nicht verbraucht – dennoch leistet das Projekt auch einen Beitrag zur Energiewende.

Weht der Wind und scheint die Sonne, ist viel Ökostrom im Netz, nachts und bei Flaute sieht es anders aus. Je mehr Energie aus erneuerbaren Quellen stammt, desto stärker schwankt das Angebot und damit der Strompreis an der Börse – Fachleute sprechen von zunehmender Volatilität. Ausgeglichen werden diese Schwankungen derzeit mit Erdgas und Kohle, doch das schadet dem Klima. Soll die Energiewende gelingen und unser Strom irgendwann nur noch aus erneuerbaren Quellen stammen, dann müssen sich auch die Verbraucher anpassen: Sie müssen den Strom dann nutzen, wenn viel davon zur Verfügung steht.


Stürmische Aussichten: Je mehr Ökostrom ins Netz eingespeist wird, desto stärker kann das Angebot und damit der Preis schwanken. Unternehmen können diese Schwankungen nutzen, um Kosten zu sparen.

Foto: Eclipse.sx - Creative Commons

Die Energieversorger bieten daher zunehmend flexible Stromtarife an: Schwankende Preise sollen die Kunden dazu bringen, den Strom dann zu verbrauchen, wenn er gerade reichlich vorhanden und somit günstig ist – und Strom zu sparen, sobald er knapp und teuer wird. Mithilfe dieser Tarife soll eine gleichmäßige Auslastung des Stromnetzes sichergestellt werden. Unternehmen können die schwankenden Preise nutzen, um ihre Energiekosten zu senken. Das ist auch dringend nötig, denn gerade produzierende Betriebe leiden unter den steigenden Strompreisen, die sich laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft seit dem Jahr 2000 fast verdreifacht haben. Bis im Jahr 2023 das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet wird, sollen die Strompreise noch einmal um fast 50 Prozent steigen. In einigen Branchen geben deutsche Unternehmen schon heute mehr Geld für Energie aus als für Personal.

Das IPH will besonders kleinen und mittleren Unternehmen dabei helfen, ihre Energiekosten zu reduzieren – ganz ohne teure Investitionen in neue Maschinen oder Produktionstechniken. Denn viele Unternehmen können allein dadurch sparen, dass sie ihre Aufträge clever verteilen und energieintensive Arbeiten dann erledigen, wenn der Strom gerade günstig ist.

Bei kleinen Unternehmen handelt es sich häufig um sogenannte Auftragsfertiger, die ihre Ware auf Bestellung herstellen, statt auf Lager zu produzieren. Wann welcher Auftrag auf welcher Maschine erledigt wird, bestimmt die sogenannte Fertigungssteuerung. Auf die Energiekosten achten Unternehmen bei der Verteilung ihrer Aufträge bisher allerdings kaum. Berücksichtigt werden lediglich logistische Zielgrößen, nämlich kurze Durchlaufzeiten, eine hohe Termintreue, eine hohe Auslastung und niedrige Bestände. Das bedeutet, dass Aufträge einerseits schnell erledigt und pünktlich fertiggestellt werden müssen, sonst ist der Kunde unzufrieden. Andererseits müssen Maschinen und Mitarbeiter wenig Leerlauf haben und es dürfen sich nicht zu viele halbfertige Produkte in Zwischenlagern ansammeln, sonst bindet das Unternehmen Kapital, welches für andere Investitionen verwendet werden könnte.

In dem Forschungsprojekt sollen erstmals sowohl Energiekosten als auch logistische Zielgrößen bei der Fertigungssteuerung berücksichtigt werden. Das IPH will bestehende Verfahren der Fertigungssteuerung weiterentwickeln, sodass sich Aufträge so verteilen lassen, dass möglichst wenig Geld für Energie ausgegeben werden muss – ohne dass Termintreue oder Auslastung leiden, Leerläufe entstehen oder sich Bestände ansammeln. Im Projekt soll ein Software-Demonstrator entwickelt werden, mit dem Unternehmen ganz einfach berechnen können, bei welcher Auftragsverteilung welche Energiekosten entstehen, um sich dann für die günstigste Variante entscheiden zu können.

Profitieren werden von den Forschungsergebnissen zuerst jene Unternehmen, die sich an dem Projekt beteiligen. Kleine und mittelständische Unternehmen haben noch die Chance, Mitglied im projektbegleitenden Ausschuss zu werden. Gesucht werden Firmen aus ganz Deutschland, die mithilfe ihrer schwankenden Energieverbräuche die Energiekosteneffizienz erhöhen wollen. Im projektbegleitenden Ausschuss sollen sie Erfahrungen aus der Praxis einbringen und die Wissenschaftler beraten. Zudem können sie sich branchenübergreifend und unentgeltlich mit anderen Unternehmen zum Thema der energiekosteneffizienten Fertigungssteuerung austauschen.

Interessierte Unternehmen melden sich bei Stefan Willeke vom Institut für Integrierte Produktion Hannover unter Telefon 0511 / 279 76 442 oder per E-Mail an willeke@iph-hannover.de. Das Kick-Off-Treffen des projektbegleitenden Ausschusses findet am Freitag, 7. März, in Hannover statt. Neue Mitglieder können kurzfristig daran teilnehmen oder zu einem späteren Zeitpunkt in das Projekt einsteigen.

Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und läuft bis Ende 2015.

Weitere Informationen:

http://www.enkofer.de

Susann Reichert |

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Energieeffiziente Reinigung von Industrieabgasen
27.02.2017 | Technische Hochschule Mittelhessen

nachricht Energieproduzierende Fenster stehen kurz bevor
23.02.2017 | University of Minnesota / Università degli Studi di Milano-Bicocca

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik