Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fliegende Wind-Turbine soll einen Megwatt liefern

13.10.2011
Experte erwartet Technologiesprung in diesem Jahrzehnt

Das Unternehmen Makani Power hat eine fliegende Wind-Turbine namens "Wing 7" entwickelt. Diese arbeitet autonom in einer Höhe von rund 400 Metern und liefert per Kabel Strom an eine Bodenstation. Michael Strobel vom Fraunhofer IWES sieht Schwächen im Konzept und erwartet in diesem Jahrzehnt einen Entwicklungssprung im Bereich der fliegenden Windkraft-Anlagen.


Wing 7: Prototyp liefert 20 Kilowatt (Foto: makani.com)

Erfolgreicher Testlauf

Wing 7 ähnelt optisch diversen Solarflieger-Prototypen, dient aber der Stromerzeugung durch Windkraft. Die rotorgetriebene Konstruktion erstreckt sich auf eine Flügelspannweite von acht Metern und beherrscht sowohl Horizontal- als auch Vertikalflug. Das fliegende Kraftwerk hängt an einem Kabel und steigt 400 Meter in die Luft, wo es schließlich bei einer Windgeschwindigkeit von 35 km/h bis zu 20 Kilowatt an Leistung liefert. Die Anlage besteht zu großen Teilen aus Karbon und wiegt deshalb nur etwa 58 Kilogramm.

Erste Tests mit einem Prototypen sind bereits gelungen, nun strebt Makani buchstäblich höhere Ziele an. Unter dem Titel "M1" arbeitet die kalifornische Firma an einer größeren Version. Diese soll auf einer Höhe von 550 Metern operieren und eine Leistung von einem Megawatt erbringen. Das Konzept könnte die Möglichkeit eröffnen, auch abgelegene Gegenden in Entwicklungs- und Schwellenländern mit Strom zu versorgen. Bis 2015 will Makani ein marktreifes Produkt fertiggestellt haben,

Problematischer Ansatz

Strobel steht dem Makani-Konzept im pressetext-Gespräch skeptisch gegenüber. "Es gibt hier zwei technische Lösungen: Den Generator in den Flugkörper zu verbauen, so wie es Makani macht, und den Generator am Boden zu betreiben", schildert er. "Ein Kabel, dass einen Megawatt über einen halben Kilometer transportieren soll, ist dick, schwer und gibt Luftwiderstand", so seine Erklärung. "Zudem kommt ein Absturz, der vor allem in der Testphase immer wieder vorkommen kann, so wesentlich teurer." Dieses Risiko würde es auch erschweren, Landflächen für die Installation einer solchen Anlage zu finden.

Einsetzbar wäre das Konzept weltweit, so der Experte, da in der angestrebten Höhe immer ausreichende Windgeschwindigkeit für einen effizienten Betrieb einer fliegenden Turbine herrschen. Auch die Vereisungsgefahr beurteilt er als gering, zumal es taugliche Anti-Icing-Systeme gibt. Eine Studie zum Thema ist beim Fraunhofer IWES aktuell in Arbeit.

Technologiesprung in Aussicht

Dass sich die Idee fliegender Windkraftanlagen bislang nicht etablieren konnte, obwohl es schon seit Ende des 19. Jahrhunderts erste Konzepte gibt, hat laut Strobel mehrere Ursachen. "Man hat erst in den 70-er Jahren verstanden, wie man fliegen muss, um Strom zu gewinnen", erzählt der Fachmann. "Es fehlten auch die Systeme zur automatischen Regelung solcher Systeme, in deren Entwicklung erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten viel Geld investiert wurde. Zudem waren die nötigen Materialien lange nicht verfügbar. Industrielles Karbon gibt es erst seit etwa 30 Jahren." Zudem gewannen erneuerbare Energieformen erst gegen Ende des Jahrtausends an Bedeutung.

Die fliegende Windkraft ist laut Strobel heute auf dem Stand, auf dem sich die stationäre Stromerzeugung in diesem Bereich vor einem Vierteljahrhundert befunden hat, meint Strobel. "Man hat nun aber eine kritische Masse an Leuten erreicht, die sich damit beschäftigen", sagt der Forscher. Er geht davon aus, dass sich die Technik im Laufe dieses Jahrzehnts soweit entwickeln wird, um danach zu wissen, ob sie für die Zukunft eine tragfähige Alternative darstellt.

Georg Pichler | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.makanipower.com
http://www.iwes.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Care-O-bot® 4 macht sich selbstständig
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik