Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Experten: Solarstromspeicher in Privathaushalten können Stromnetz entlasten

19.12.2013
Führende Experten diskutieren Potenziale von Solarstromspeichern // Speicher in Privathaushalten können attraktives Geschäftsmodell werden

Das Angebot an Batteriespeichern für Photovoltaikanlagen wächst dynamisch und wird seit diesem Jahr von der Bundesregierung gefördert. Welchen Nutzen diese Speicher für die Betreiber von Solaranlagen und für das ganze Energiesystem haben, diskutierten führende Solar- und Speicherexperten am 2. Dezember 2013 in Frankfurt am Main.

Ihr Fazit: Dezentrale Solarstromspeicher in privaten Haushalten könnten auf absehbare Zeit eines der wenigen funktionierenden Geschäftsmodelle für stationäre Batteriespeicher sein. Zu dem Expertenworkshop hatte das Forschungsprojekt „PV-Nutzen“ der RWTH Aachen und des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) eingeladen, das vom Bundesumweltministerium gefördert wird.

Sinkende Preise für Solarstromspeicher

„Mit diesem Projekt untersuchen wir erstmals ganzheitlich, welchen Nutzen das Speichern von Solarstrom haben kann – betriebswirtschaftlich für den Anlagenbetreiber, aber auch für die Netze, die Volkswirtschaft, die Umwelt und das ganze Energiesystem“, so Prof. Bernd Hirschl vom IÖW. „Da die Preise für Batteriesysteme sinken, wird es für kommerzielle Speicher immer schwieriger, auf Basis kurzfristiger Verträge Systemdienstleistungen für die Stromnetze anzubieten. Dezentrale Speicher in privaten Haushalten haben dagegen durch den Ertrag, der sich aus der Eigennutzung von Photovoltaikstrom ergibt, ein stabiles Erlösmodell bei zugleich deutlich geringeren Kapitalkosten. Sie dürften sich schon bald auch ohne Förderung lohnen“, ergänzt Prof. Dirk Uwe Sauer, Speicherexperte am Institut für Stromrichtertechnik und elektrische Antriebe (ISEA) und Leiter des Forschungsprojektes.

Speicher mit „intelligenten Betriebsstrategien“ so betreiben, dass sie dem Netz nutzen

Im Idealfall tragen dezentrale Solarstromspeicher nicht nur dazu bei, dass möglichst viel des selbst erzeugten Stroms zu Hause verbraucht werden kann und damit auch weniger Strom über das EEG vergütet werden muss. „Zusätzlich können die Speicher auch die Stromnetze entlasten und dadurch den künftig erforderlichen Netzausbau begrenzen“ kommentiert Dr. Ralf Puffer vom Institut für Hochspannungstechnik (IFHT). Wie das gelingen kann, diskutierten die Experten anhand der möglichen Netzrückwirkungen von Photovoltaikanlagen und Speichern sowie deren Auswirkungen auf die Netzausbaukosten. Zentraler Schlüssel sind dabei sogenannte „netzdienliche Betriebsstrategien“, die jedoch mit dem Interesse der Anlagenbetreiber, ihren Eigenverbrauch zu maximieren, kollidieren können.

Prof. Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer ISE und Gründungspräsident des Bundesverbands Energiespeicher, führte mit einem Plädoyer pro Solarenergie in dieses Thema der „Prosumer-Interessen“ ein. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Solarstromspeicher betrieben werden können, die sich unterschiedlich auf die Netze und den erzielbaren Eigenverbrauch auswirken. Ein vielversprechender und einfach zu realisierender Ansatz ist etwa die Verwendung von Ertrags- und Verbrauchsprognosen in Kombination mit einer intelligenten Nachjustierung der Betriebsstrategie, sobald die tatsächlichen Ertrags- und Verbrauchswerte von den Prognosen zu stark abweichen. Dadurch können Einspeisepeaks, die das Netz belasten, vermieden und trotzdem hohe Eigenverbrauchswerte erreicht werden. „Welche Anreize allerdings notwendig sind, damit Anlagenbetreiber ihre Speicher auch so betreiben, dass sie dem Energiesystem und dem Netz dienen, ist jedoch noch unklar und wird derzeit von uns untersucht“, so Sauer.

Verteilungseffekte des Eigenverbrauchs von Solarstrom nicht dramatisieren

Gesellschaftliche Aspekte des Einsatzes von Solarstromspeichern diskutierten die Experten nach einem Vortrag von Prof. Uwe Leprich, Leiter des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES). Der Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Strom bevorzugt Anlagenbetreiber, da ihr selbst hergestellter Strom nicht mit den sonst üblichen Strompreisbestandteilen wie Netzentgelten oder EEG-Umlage belastet wird. In Bezug auf Solarstrom wird diese Debatte nach Ansicht der Experten jedoch häufig unangemessen dramatisiert, da bisher vor allem die Industrie mit ihren meist fossil befeuerten Kraftwerken von diesem Privileg profitiert und außerdem der Eigenverbrauch von Solarstrom den Anstieg der EEG-Umlage dämpft. „Es ist wichtig, die laufende Debatte zu versachlichen und alle möglichen Effekte genau unter die Lupe zu nehmen.“, schließt Hirschl. „Die heutige Diskussion hat unsere Arbeit in vielerlei Hinsicht bestätigt und einige Anregungen können wir in das Projekt einfließen lassen“, lautet das positive Fazit von Sauer. Das Projekt läuft bis zum Jahr 2015. Der Projektfortschritt wird auf der Seite http://www.pv-nutzen.rwth-aachen.de dokumentiert.

Kontakt zur Projektleitung:
Janina Struth
Janina.Struth@isea.rwth-aachen.de
Pressekontakt:
Richard Harnisch
Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) GmbH, gemeinnützig
Tel. +49–30–884594-16
richard.harnisch@ioew.de

Richard Harnisch | idw
Weitere Informationen:
http://www.ioew.de
http://www.pv-nutzen.rwth-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Gedruckte »in-situ« Perowskitsolarzellen – ressourcenschonend und lokal produzierbar
17.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht Ein elektronischer Rettungshund
17.05.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics