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EU fördert Projekt zum Langzeitbetrieb von Kernkraftwerken

09.08.2010
In einem neuen, von der Europäischen Union mit rund 2,7 Mio. Euro geförderten Projekt wollen Wissenschaftler die Alterung von Reaktormaterialien bei verlängerten Laufzeiten von Kernkraftwerken untersuchen, wie sie gegenwärtig in der EU angestrebt werden. Ziel soll eine neue Richtlinie zur Überwachung der Alterungseffekte sein. Das Projekt wird vom Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) koordiniert.

Europäische Kernkraftwerke sind in der Regel für einen Betrieb von ca. 40 Jahren ausgelegt. Auch bei längeren Laufzeiten (60 bis 80 Jahre) dürfen Alterungseffekte in den Reaktormaterialien die Sicherheit der Kernkraftwerke nicht beeinflussen. Der Zustand der Werkstoffe wird daher regelmäßig überwacht.

Im Laufe des Betriebs verändern die Reaktormaterialien durch die hochenergetische Neutronenstrahlung, die bei der Kernspaltung im Reaktor entsteht, allmählich ihre mechanischen Eigenschaften und verlieren an Zähigkeit, d.h. sie werden spröde. Dieser Versprödungseffekt wird durch die auf atomarer Ebene stattfindende Wechselwirkung der Neutronen mit dem Metallgitter der Reaktorwerkstoffe hervorgerufen und spiegelt sich z. B. im Bruchverhalten von Materialproben wider.

Bei längeren Laufzeiten sind die Materialien insgesamt einer höheren Neutronendosis ausgesetzt. Welchen Einfluss hat dies auf die Materialien? Sind die Verfahren und Vorhersagemodelle, mit denen die Versprödung bisher überwacht wird, auch für den Langzeitbetrieb von Kernkraftwerken geeignet oder müssen sie angepasst werden? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Projektes LONGLIFE, an dem 16 Partner aus neun europäischen Ländern beteiligt sind.

Die Versprödung im Langzeitbetrieb soll anhand einer Vielzahl unterschiedlich bestrahlter Materialproben, die die Projektpartner bereitstellen, untersucht werden. Die mechanischen Eigenschaften bestrahlter Werkstoffe können nur in „heißen Zellen“, wie sie am FZD vorhanden sind, getestet werden. Besonders interessiert sind die Forscher dabei an dem Einfluss, den die Intensität der Bestrahlung (der sogenannte Neutronenfluss) in einer bestimmten Zeit auf die Materialien hat. So zeigen Materialien, die über viele Jahre mit einem niedrigen Neutronenfluss bestrahlt wurden, andere Veränderungen auf atomarer Ebene als Werkstoffe, die über einen kürzeren Zeitraum einem hohen Neutronenfluss ausgesetzt waren. Dieser Effekt wird mit den Methoden, die bisher zur Überwachung der Alterung der Materialien eingesetzt werden, nicht erfasst, ist aber wichtig für den Langzeitbetrieb von Kernkraftwerken. Er soll in der geplanten neuen Richtlinie zur Überwachung der Alterungseffekte berücksichtigt werden.

Weitere Informationen:
Dr. Eberhard Altstadt / Projektkoordinator
Institut für Sicherheitsforschung am FZD
Tel.: +49 351 260 - 2276
Email: e.altstadt@fzd.de
Pressekontakt:
Dr. Christine Bohnet
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Bautzner Landstr. 400, 01328 Dresden
Tel.: + 49 351 260 - 2450 oder +49 160 969 288 56
presse@fzd.de | www.fzd.de
Das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) hat das Ziel, strategisch und langfristig ausgerichtete Spitzenforschung in politisch und gesellschaftlich relevanten Forschungsthemen wie Energie, Struktur der Materie und Schlüsseltechnologien zu leisten. Folgende Fragestellungen stehen dabei im Mittelpunkt:
- Wie verhält sich Materie unter dem Einfluss hoher Felder und in kleinsten Dimensionen?
- Wie können Tumorerkrankungen frühzeitig erkannt und wirksam behandelt werden?
- Wie schützt man Mensch und Umwelt vor technischen Risiken?
Diese Fragestellungen werden in strategischen Kooperationen mit Forschungs- und Industriepartnern bearbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Betrieb von sechs einmaligen Großgeräten, die auch externen Nutzern zur Verfügung stehen.

Das FZD wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft von Bund und Land gefördert, verfügt über ein Budget von mehr als 70 Mio. Euro (2009) und beschäftigt rund 800 Personen. Anfang 2011 wird das FZD in die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren wechseln.

Dr. Christine Bohnet | idw
Weitere Informationen:
http://www.fzd.de

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