Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das erste Passivhaus in Frankreich

26.10.2009
Das erste zertifizierte Passivhaus [1] in der Ile-de-France, das am 24. September 2009 in Bessancourt (Val d'Oise) eingeweiht wurde, verbraucht zehnmal weniger Energie als seine Nachbarhäuser.

Nach Angaben der Planer, die Architekten Milena Karanesheva und Mischa Witzmann, Gründer der Pariser Agentur Karawitz, ist dieses Haus das leistungsfähigste Wohnobjekt in ganz Frankreich.

Das Passivhaus ist ein im Jahr 1998 von Forschern in Darmstadt definiertes Konzept. Das Prinzip dieser gut gedämmten Gebäude mit sehr niedrigem Energieverbrauch beruht darauf, dass die beste Energie die ist, die nicht verbraucht wird. Ein Passivhaus verbraucht 90% weniger Energie als ein durchschnittliches Gebäude und 75% weniger als eine Wohnung mit aktuellen Wärmestandards. "Unser Haus ist fast autonom.

Unser gesamter Stromverbrauch beläuft sich jährlich auf 60 kWh pro m², und sogar nur auf die Hälfte, wenn man davon die Erzeugung unserer Solarmodule abzieht", erklärt M. Witzmann. Passivhäuser bilden in Frankreich jedoch noch eher eine Ausnahme. In den letzten Jahren wurden etwa 20.000 Passivgebäude in Europa gebaut, davon ungefähr Hundert in Frankreich. "150 Gebäude werden derzeit in Frankreich gebaut oder sind geplant, und knapp Hundert wurden bereits gebaut und sind schon bewohnt. Nur sechs davon wurden jedoch offiziell als Passivhäuser anerkannt, und dann auch nur Einfamilienhäuser", so Etienne Vekemans, Leiter des Verbandes "Passivhaus Frankreich".

Nach Informationen des europäischen Netzwerkes Pass-Net wurden in der gleichen Zeit in Deutschland 12.000 und in Österreich 5.000 Passivhäuser gebaut, d.h., dass bei diesem Tempo Deutschland und Österreich bis 2012 jeweils über 38.000 bzw. 27.000 Passivhäuser verfügen werden. In Frankreich ist das wichtigste Hindernis finanzieller Natur, schätzt Herr Witzmann. Die Baukosten dieser nach Maß entworfenen Häuser sind noch zu unwirtschaftlich. Sie belaufen sich durchschnittlich auf 1.888 bis 2.000 Euro pro m², d.h. auf 360.000 Euro, inklusive aller Steuern, für ein Karawitz-Haus von 160 m². "Die Mehrkosten werden auf 20 - 25% für ein Einfamilienhaus und auf etwa 10 % für eine Wohneinheit geschätzt", erklärt Herr Vekemans. "Dank der Energieeinsparungen rentiert sich diese Investition innerhalb von 15 bis 20 Jahren für ein Einfamilienhaus und innerhalb von 10 Jahren für ein Wohngebäude." Des Weiteren "erhält das Passivhaus-Konzept seit Anfang 2009 keine Unterstützung mehr. Frankreich hat sein während der Grenelle de l'environnement (Abkommen für Umweltschutz) bekundetes Interesse für das Passivhaussystem zugunsten der Unterstützung des Konzepts "Niedrigenergiehaus", das weit weniger strenge Normen vorsieht, aufgegeben.

"Das Passivlabel ist in Frankreich nicht in den technischen Dokumenten, die die Bauvorschriften definieren, vorgesehen", stellt Herr Vekemans fest. "Diese Vorschriften wurden von einem Bausektor festgelegt, der Gebäude als billige, energieschluckende Wegwerfobjekte favorisiert." "Das Passivhaus erfordert strenge Vorschriften und eine hohe Qualität in der Gestaltung und im Bau", so Vekemans. "Es gibt noch zu wenig geschulte Fachleute, die Branche entwickelt sich gerade, und viele neue Materialen standen bislang nicht zur Verfügung." Derzeit "beziehen wir die Holzspanplatten, Dachträger und Solarzellen aus Deutschland, den Dämmstoff aus Zellstoffwatte aus der Schweiz und die Lüftungssysteme aus Dänemark", bestätigt Herr Witzmann.

[1] Passivhaus Energiestandards: jährlicher Heizenergiebedarf ? 15 kWh/(m²a), Heizlast ? 10 W/m², Luftdichtigkeit n50 ? 0,60/h, Primärenergiebedarf ? 120 kWh/(m²a) (inkl. aller elektrischen Verbraucher). Sechs wichtige Prinzipen: verstärkte Wärmedämmung, wärmebrückenfreie Konstruktion, herausragende Luftdichtigkeit, Be-und Entlüftungsanlage (mit Wärmewiedergewinnung), optimales, aber passives Auffangen der Solarenergie und der Bodenkalorien und Einschränkung des Energieverbrauchs von Haushaltsgeräten.

Quelle: Le Monde - http://www.lemonde.fr/planete/article/2009/09/28/la-maison-passive-peu-energivore-peine-a-s-imposer-en-france_1246107_3244.html

- 15.09.2009

Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr

Sie können "Wissenschaft-Frankreich" ganz einfach abonnieren, indem Sie eine Email an folgende Adresse senden :

sciencetech@botschaft-frankreich.de

Reproduktions- und Verbreitungsrechte
http://www.wissenschaft-frankreich.de/publikationen/wissenschaft_frankreich/index.htm

Marie de Chalup | idw
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/publikationen/wissenschaft_frankreich/index.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Elektromobilität: Forschungen des Fraunhofer LBF ebnen den Weg in die Alltagstauglichkeit
27.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

nachricht Wärme in Strom: Thermoelektrische Generatoren aus Nanoschichten
16.03.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie