Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erneuerbare Energien können Strombedarf decken

30.03.2011
FH-Projekt „ERNEUERBAR KOMM!“ legt Ergebnisse vor

Das Forschungsprojekt „ERNEUERBAR KOMM!“ der Fachhochschule Frankfurt am Main (FH FFM) zu erneuerbaren Energien ist abgeschlossen. Es weist nach, dass die Stromerzeugung zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt werden kann, wenn Ballungsräume und ländliche Regionen zusammenarbeiten.

ERNEUERBAR KOMM! zeigt den Gemeinden des Ballungsraumes Frankfurt/Rhein-Main auf, welches Potenzial an erneuerbaren Energien in ihnen steckt. Die Ergebnisse belegen, dass ein Großteil der Gemeinden im Ballungsraum den Strombedarf ihrer privaten Haushalte durch erneuerbare Energien decken könnte.

Der Strom würde dabei jeweils auf der Fläche ihrer Gemeinde erzeugt werden. Auf Basis der Ergebnisse wurde ein Leitfaden für Kommunen und Landkreise erstellt sowie ein Online-Rechner entwickelt.

Über ein Jahr lang beschäftigte sich das Geoinformations-Team um FH-Professorin Dr. Martina Klärle mit folgenden Fragen: Wie viel Strom kann mit Hilfe von Sonne, Wind, Biomasse und Wasser auf kommunaler Ebene erzeugt werden? Durch welche Form der erneuerbaren Energien kann der Strombedarf einer Gemeinde am ehesten gedeckt werden? Wie viel Fläche wird hierfür benötigt?

„Vor dem Hintergrund der Katastrophe in Japan und der dadurch ausgelösten Diskussion hierzulande kommt dem Thema der Potenzialanalyse für den Einsatz erneuerbarer Energien eine noch höhere Bedeutung zu“, sagt die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann. Sie fügt hinzu: „In einer globalisierten Welt ist der enge Schulterschluss von Wissenschaft und Wirtschaft für eine nachhaltige Erfolgsstrategie unverzichtbar.“ Kühne-Hörmann ist Schirmherrin des von ihrem Ministerium finanziell unterstützten, wettbewerblich ausgestalteten Programms „Forschung für die Praxis“, aus dem das Projekt gefördert wurde.

Der Online-Rechner wurde zunächst für alle 75 Mitgliedsgemeinden des Planungsverbandes Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main umgesetzt. Das Instrument erlaubt es Bürgermeister(inne)n, Gemeinderäten und Bürger(inne)n, das Energiepotenzial ihrer Gemeinde selbst zu berechnen und sich ihren individuellen Energie-Mix zusammenzustellen. Zur Ermittlung des Energiepotenzials wurde eine Berechnungsmethode entwickelt, die sich auf geographische Informationssysteme (GIS) stützt. Der Nutzer des Online-Rechners kann über ein Mischpult selbst bestimmen, welchen Anteil der theoretisch geeigneten Fläche für die Stromerzeugung aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse er tatsächlich nutzen will.

Die Auswertung ergab: Vorausgesetzt dass alle geeigneten Dächer einer Gemeinde für die Stromerzeugung mobilisiert werden könnten, wären 11 der 75 berechneten Gemeinden in der Lage, ihren privaten Strombedarf alleine durch die Nutzung dieser Dachflächen zu decken. Im Durchschnitt eignen sich rund 20 Prozent der Dachflächen einer Gemeinde.

Würde man 10 Prozent der für Solarenergie geeigneten Freiflächen mit Solaranlagen bestücken, könnten 32 der 75 Gemeinden ihren Strombedarf alleine aus dem Ertrag dieser Freiflächen decken. Der Spitzenreiter bei der Solarenergie ist die Stadt Münzenberg. Sie könnte achtmal so viel Strom aus Solaranlagen auf Dächern und Freiflächen erzeugen wie ihre privaten Haushalte verbrauchen.

Ähnlich sieht es bei der Windkraft aus: 28 Gemeinden haben ein großes Potenzial für Windkraft. Würde man dieses komplett nutzen, könnten diese Gemeinden zwischen 107 und 1.850 Prozent des Strombedarfs ihrer privaten Haushalte alleine durch Windkraft decken. Bei der Windenergie führt Grävenwiesbach. 59 Windräder könnten das Zwanzigfache des privaten Strombedarfs der Gemeinde liefern.

Die Gemeinde Weilrod könnte ihren privaten Strombedarf alleine durch die Nutzung von Biomasse und Waldrestholz decken. Die dünn besiedelte Gemeinde im Nordwesten des Ballungsraums steht auch beim Gesamtergebnis an der Spitze: Sie könnte auf ihrer Fläche 27-mal so viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen wie ihre privaten Haushalte verbrauchen.

Das Projekt wäre auch auf alle anderen Gemeinden in Deutschland übertragbar. Finanziert wurde das Projekt ERNEUERBAR KOMM! aus der vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst mit fast 1,3 Millionen Euro geförderten Forschungsinitiative „Forschung für die Praxis“. Mit diesem Programm stärkt das Land Hessen die anwendungsorientierte Forschung an den hessischen Fachhochschulen.

Weitere Informationen zur Initiative „Forschung für die Praxis“ unter http://www.forschung-fuer-die-praxis.de; Wissenswertes zum Projekt ERNEUERBAR KOMM! unter http://www.ErneuerbarKomm.de.

Sarah Blaß | idw
Weitere Informationen:
http://www.ErneuerbarKomm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Sonne ernten auf zwei Etagen – Agrophotovoltaik steigert die Landnutzungseffizienz um über 60 %
22.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht DFKI-Roboter erkunden autonom Lavahöhlen auf Teneriffa
21.11.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften