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Energieprojekte für das Nach-Erdölzeitalter

24.09.2010
Zum bundesdeutschen Tag der Energie am Sonnabend stellt die TU Bergakademie Freiberg am Standort Reiche Zeche Zukunftsprojekte für das Nach-Erdölzeitalter vor.

Seit Anfang 2010 forschen hier im Netzwerk Deutsches EnergieRohstoff-Zentrum Wissenschaftler an Technologieentwicklungen zur stofflichen Nutzung von Kohle und Biomasse durch neuartige Vergasungs- und Stoffwandlungstechnologien. Der erste greifbare Erfolg - das Syngas-to-Fuel (STF)-Benzin, ein Treibstoff aus Synthesegas – wird an diesem Sonnabend der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Präsentation des ersten Synthesebenzins aus der neuen Syngas-to-Fuel-Versuchsanlage auf der Reichen Zeche ist sicher der Höhepunkt des Tages. Das STF-Benzin, so heißt der neue hochoktanige Kraftstoff, entsteht aus Synthesegas. Dieses wiederum kann aus fossilen (beispielsweise auch Erdölbegleitgasen) oder nachwachsenden Rohstoffen oder beiden gemeinsam gewonnen werden. Die Freiberger Versuchsanlage wurde im Rahmen eines Verbundforschungsvorhabens der Chemieanlagenbau Chemnitz GmbH (CAC) und der TU Bergakademie aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung [EFRE] und des Freistaats Sachsen gefördert und von der CAC kofinanziert. Im Forschungsvorhaben wird hierzu eine weitere technische Versuchsanlage auf der Reichen Zeche genutzt: Die HP-POX-Anlage erzeugt mittels Hochdruckvergasung aus gasförmigen oder flüssigen Kohlenwasserstoffen ein Synthesegas, das ein optimaler Ausgangsstoff für das STF-Benzin ist.

Es gilt als sicher, dass Erdöl und Erdgas in den nächsten 50 Jahren ihren weltweit dominierenden Anteil an der Primärenergieversorgung verlieren werden. Bis zur Substitution durch regenerative Energieträger sind deshalb schon heute innovative Verfahren für die Zukunft gefragt. Eine dieser Brückentechnologien stellt nach Überzeugung von Prof. Bernd Meyer, Rektor der TU Bergakademie Freiberg, die Kohlechemie in Verbindung mit den Regenerativen und vor allem Biomassen dar. „Wir sehen eine echte Alternative in der kombinierten, sauberen Kohlenutzung, wobei der Schlüssel in der Vernetzung von stofflicher und energetischer Verwertung liegt. Hieraus leiten sich wichtige Ansätze zur Lösung der weltweiten Energie- und Rohstoffprobleme ab.“ Die jahrzehntelangen Erfahrungen und die Kompetenz der Freiberger Ressourcenuniversität bei fossilen Energieträgern, insbesondere Kohle sowie nachwachsenden Energieträgern, spiegelt sich in der Energierohstoff-Initiative wider. Sie gehört zu den Gewinnern des Wettbewerbs „Spitzenforschung und Innovation in den neuen Ländern“ des Bundesforschungsministeriums und erhält dazu bis 2014 Fördermittel in Höhe von 9,5 Millionen Euro.

Mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (SMWK) sowie gemeinsam mit 18 Partnern aus Universitäten, Großforschungseinrichtungen, führenden Stromversorgern (Vattenfall Europe Mining & Generation, RWE Power, MIBRAG), Anlagenbauern (z. B. Chemieanlagenbau Chemnitz, EDL Anlagenbau, VER Dresden) und Unternehmen aus der Kohle- und Biomasseindustrie (z. B. ROMONTA und CHOREN Industries) bündelt das Deutsche EnergieRohstoff-Zentrum Freiberg seit rund einem Jahr seine nationalen Kompetenzen. Das Netzwerk arbeitet an Forschungsschwerpunkten entlang der gesamten Kette der stofflichen Nutzung kohlenstoffhaltiger Energieträger. Dazu gehören zum Beispiel innovative Vergasungsverfahren, die dafür erforderlichen metallischen und keramischen Hochtemperaturwerkstoffe und die Strukturaufklärung der zukünftigen Energierohstoffe. Darüber hinaus erfolgen eine gezielte Nachwuchsförderung und das Management des Netzwerks. Ziel der Forschung ist die Entwicklung neuer Technologien für die stoffliche Nutzung von Kohle und Biomasse.

Am 25. September gibt es die Möglichkeit, die Bereiche kennen zu lernen und mit den Partnern der Projekte ins Gespräch zu kommen. Von 13 bis 15 Uhr haben interessierte Besucher die Chance, die Anlagen und Versuchshallen auf dem Komplex Reiche Zeche zu besichtigen.

Christel-Maria Höppner | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-freiberg.de/

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