Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einzigartige Modellfabrik ermittelt industrielle Energiesparpotenziale

05.08.2010
Strategien für eine energieeffizientere Industrieproduktion sind das Ziel des landesweiten Projekts HIER! (Hessen – Innovationen für Energie- und Ressourceneffizienz), das federführend von der Universität Kassel und der Limón GmbH betreut wird.

Die jüngste Hitzewelle hat nicht nur in ICE-Zügen Probleme verursacht. Auch in vielen Unternehmen war die Kältetechnik aufgrund der tropischen Temperaturen überlastet. Der Energieverbrauch für die erforderliche Kühlung stieg vielfach in Schwindel erregende Höhen und lässt nun viele Unternehmer über Einsparmöglichkeiten nachdenken.

Strategien für eine energieeffizientere Industrieproduktion sind das Ziel des landesweiten Projekts HIER! (Hessen – Innovationen für Energie- und Ressourceneffizienz), das federführend von der Universität Kassel und der Limón GmbH betreut wird. Kernstück des Projekts an der Uni Kassel ist eine bundesweit einzigartige Modellfabrik, die am Donnerstag vor Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verbänden erstmals präsentiert wurde.

„Industrielle Energie– und Klimaeffizienz ist ein europäischer Wachstumsmarkt, in dem Hessen eine führende Rolle einnehmen will“, sagte Hessens Umwelt- und Energieministerin Silke Lautenschläger anlässlich der Eröffnung der Modellfabrik. Das Land Hessen unterstützt das auf drei Jahre angelegte Projekt HIER! mit insgesamt 1,2 Millionen Euro. In der Modellfabrik lässt sich durch Simulationsverfahren zeigen und berechnen, mit welchen Maßnahmen Energie effizienter eingesetzt werden kann, welche Lösung die wirtschaftlichste ist und wie hoch die eingesparten Kosten am Ende sind. Zur Optimierung von Kühlprozessen etwa können beliebige Produktions- und Klimabedingungen simuliert, Wechselwirkungen gezeigt und verschiedene Lösungsalternativen durchgespielt werden. Entwickelt wurde die Anlage vom Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse (UPP) der Universität Kassel gemeinsam mit den Energieeffizienz-Experten von Limón – einer Ausgründung des Fachgebiets UPP.

Ein enormes Einsparpotenzial sehen die Kasseler Experten beispielsweise bei Druckluft, denn diese wird in der industriellen Produktion häufig eingesetzt, obwohl der Energieverlust extrem hoch ist. Rund 7 Prozent des Strombedarfs werden in Deutschland dafür benötigt – das entspricht dem kompletten jährlichen Stromverbrauch der Deutschen Bahn. Mit Blick auf den wenig effizienten Einsatz von Druckluft werden in der Modellfabrik druckluftlose Alternativen demonstriert und exakt dargelegt, wie viel Energie benötigt wird, um zum Beispiel Bauteile mit oder ohne Druckluft zu bewegen. Dass diese Alternative auch in der Praxis funktioniert, wird bei VW in Baunatal gezeigt: Dort soll im Rahmen von HIER! eine Produktionsstraße gebaut werden, an der mit Hilfe von Elektromotoren statt mit Druckluft gearbeitet wird.

Eine große Menge an Energie geht zudem Tag für Tag verloren, weil die in Produktionsprozessen entstehende Abwärme nicht oder nur ungenügend genutzt wird. Auch hier gibt es enorme, bisher nicht genutzte Einsparpotenziale. So kann die Wärme in vielen Fällen für andere Produktionsprozesse abgezogen und genutzt werden. Auch das kann in der Modellfabrik simuliert und demonstriert werden. In etlichen Produktionsbereichen ist es überdies möglich, die abstrahlende Hitze und damit einen großen Energieverlust durch eine spezielle, von Limón in Zusammenarbeit mit UPP entwickelte Lackierung von Maschinen und Anlagen deutlich zu verringern. „Mit diesem besonderen Lack können Wärmeverluste – je nach Oberflächentemperatur – um etwa 30 Prozent reduziert werden und damit natürlich auch die Energiekosten“, sagte Dr.-Ing. Mark Junge, Geschäftsführer von Limón.

Trotz aller Bekundungen und hehren Ziele ist der Energieverbrauch auch in Deutschland nach wie vor enorm hoch und die Einsparpotenziale sind gewaltig: „Die formulierten Einsparziele werden bisher bei weitem nicht erreicht – auch, weil die vorhandenen Möglichkeiten effizienter Energienutzung leider noch zu wenig bekannt sind“, sagte Prof. Dr. Jens Hesselbach, Leiter des UPP-Fachgebiets an der Universität Kassel: „Zentrales Ziel des HIER-Projektes ist deshalb unter anderem eine zügige Verbreitung des vorhandenen Know-hows in produzierenden Unternehmen durch Information, Aus- und Weiterbildung.“ Darüber hinaus wollen die Experten konkrete Hilfen anbieten, wenn Firmen ihre Energieeffizienz steigern wollen. Für die Umsetzung sind der universitäre Fachbereich UPP und Limón zuständig. Unterstützt werden sie von industriellen Partnern wie VW, Imtech und Viessmann.

Die Kasseler Modellfabrik wird in naher Zukunft noch erweitert: Nach und nach sollen weitere Anlagen zur Erforschung und Demonstration von effizientem Energieeinsatz in Unternehmen gebaut werden. Weitere Informationen: www.upp-kassel.de und www.limon-gmbh.de

Info
Agnes Stanislawski
Universität Kassel
Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse
tel (0561) 804 7231
e-mail stanislawski@upp-kassel.de

Christine Mandel | idw
Weitere Informationen:
http://www.upp-kassel.de
http://www.limon-gmbh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Forscher entwickeln effizientere Systeme für Brennstoffzellen und Kraft-Wärme-Kopplung
19.04.2017 | EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie e. V.

nachricht Forscher entwickeln Elektrolyte für Redox-Flow-Batterien aus Lignin aus der Zellstoffherstellung
18.04.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen

25.04.2017 | HANNOVER MESSE

RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Kräftiger Anstieg setzt sich fort

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen

Pharmacoscopy: Mikroskopie der nächsten Generation

25.04.2017 | Medizintechnik