Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Effiziente Energieerzeugung aus Häckselfeinmaterial

29.06.2009
Testbetrieb des Biomasseheizkraftwerkes in Böblingen erfolgreich abgeschlossen

Das neue Biomasseheizkraftwerk des Zweckverbands Restmüllheizkraftwerk Böblingen, Baden-Württemberg, nutzt jetzt im Regelbetrieb Häckselfeinmaterial zur umweltfreundlichen Energieerzeugung. Der im Februar begonnene Testbetrieb wurde Anfang Mai mit der Leistungsfahrt erfolgreich abgeschlossen.


Das Biomasseheizkraftwerk des Zweckverbands Restmüllheizkraftwerk Böblingen

Für das Heizkraftwerk lieferte die Siemens-Division Industry Solutions eine Reject-Power-Anlage. Sie ermöglicht auch die Nutzung von Brennstoffen mit hohem Wassergehalt wie beispielsweise Siebreste aus der Hackschnitzelaufbereitung. Das neue Biomasseheizkraftwerk liefert elektrische Energie für rund 5.200 Personen. Gleichzeitig kann die entstehende Wärme in das Fernwärmenetz eingespeist werden. Gegenüber dem Einsatz fossiler Energieträger zur Strom- und Wärmeerzeugung wird der CO2- Ausstoß um 10.200 Tonnen pro Jahr reduziert.

Das neue Biomasseheizkraftwerk des Zweckverbands Restmüllheizkraftwerk Böblingen ergänzt die bestehenden Anlagen zur thermischen Verwertung von Reststoffen. Hier können mithilfe der Reject-Power-Anlage zur Energieerzeugung jährlich rund 20.000 Tonnen Häckselfeinmaterial eingesetzt werden, deren Verbrennung in konventionellen Anlagen nicht realisierbar gewesen wäre. Das Häckselfeinmaterial besteht aus Siebresten von Naturholz wie Grünabfälle, Waldrestholz und Landschaftspflegeholz, die bei der Aufbereitung zu Hackschnitzeln anfallen.

„Mit dieser Anlage betreten wir Neuland”, erklärte Wolf Eisenmann, Geschäftsführer des Zweckverbandes. „Erstmals in Deutschland wird bei uns Strom und Fernwärme aus Häckselfeinmaterial erzeugt.” Man habe auf das Reject-Power-Konzept von Siemens gesetzt, so Eisenmann weiter, da bei einem österreichischen Papierhersteller mit dieser speziellen Verbrennungstechnik bereits vielversprechende Erfahrungen gemacht worden seien.

Für das Biomasseheizkraftwerk lieferte Siemens die Reject-Power-Anlage, bestehend aus der Brennkammer, dem Abhitzedampfkessel, einer Rauchgasreinigungsanlage und dem Kamin sowie der elektrotechnischen Ausrüstung. Herzstück der Anlage ist ein Schleuderrad: Es wirft die feinen Holzsiebreste mit hohem Tempo in die Brennkammer, sorgt für eine bessere Verteilung des heterogenen Brennmaterials und gewährleistet so einen vollständigen Ausbrand. Bei bis zu 950 Grad Celsius wandelt die Brennkammer die Siebreste in nutzbare Energie um. Mithilfe des Schleuderradverfahrens können auch Brennstoffe mit hohem Wassergehalt verwendet werden.

Insgesamt ist die Reject-Power-Anlage für die thermische Verwertung von rund 20.000 Tonnen Siebresten ausgelegt. Dabei erzeugt sie pro Stunde 6,4 Tonnen Dampf mit einem Druck von 40 bar und einer Temperatur von 390 Grad Celsius. Mittels einer Dampfturbine wird der Dampf zur Erzeugung elektrischer Energie und für die Bereitstellung von Fernwärme genutzt. Ein Stromgenerator mit einer Leistung von 700 Kilowatt beliefert das öffentliche Stromnetz der Kommune und versorgt so etwa 5.200 Personen mit elektrischer Energie. Die Wärme wird über einen Fernwärmetauscher in das Fernwärmenetz eingespeist. Durch die Kraft-Wärme-Kopplung wird insgesamt ein Brennstoffnutzungsgrad von rund 80 Prozent erreicht.

Der Siemens-Sektor Industry (Erlangen) ist der weltweit führende Anbieter von Produktions-, Transport-, Gebäude- und Lichttechnik. Mit durchgängigen Automatisierungstechnologien und umfassenden Branchenlösungen steigert Siemens die Produktivität, Effizienz und Flexibilität seiner Kunden aus Industrie und Infrastruktur. Der Sektor besteht aus den sechs Divisionen Building Technologies, Drive Technologies, Industry Automation, Industry Solutions, Mobility und Osram. Mit weltweit rund 222 000 Mitarbeitern erzielte Siemens Industry im Geschäftjahr 2008 (30. September) ein Ergebnis von 3,86 Mrd. EUR bei einem Umsatz von 38 Mrd. EUR.

Die Siemens-Division Industry Solutions (Erlangen) gehört mit den Geschäftsaktivitäten Siemens VAI Metals Technologies (Linz, Österreich), Siemens Water Technologies (Warrendale, Pennsylvania, USA) und Industrial Technologies (Erlangen) zu den weltweit führenden Lösungsanbietern und Dienstleistern für Anlagen der Industrie und Infrastruktur. Mit eigenen Produkten, Systemen und Verfahrenstechnologien entwickelt und baut Industry Solutions für Endkunden Anlagen, nimmt diese in Betrieb und betreut sie über deren gesamten Lebenszyklus. Mit weltweit rund 31.000 Mitarbeitern erreichte Siemens Industry Solutions im Geschäftsjahr 2008 einen Auftragseingang von 8,415 Milliarden Euro.

Rainer Schulze | Siemens Energy
Weitere Informationen:
http://www.siemens.at/reject-power
http://www.siemens.com/industry
http://www.siemens.de/industry-solutions

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Gedruckte »in-situ« Perowskitsolarzellen – ressourcenschonend und lokal produzierbar
17.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht Ein elektronischer Rettungshund
17.05.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics