Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Duschverbrauchsanzeige zum Energiesparen: Wenn die Eisscholle schmilzt

07.08.2014

Bamberger Wirtschaftsinformatiker entwickelt Duschverbrauchsanzeige zum Energiesparen

„Können die Verbraucherinnen und Verbraucher dauerhaft zum Energiesparen motiviert werden und wenn ja, wie kann das praktisch funktionieren?“ Das hat sich Prof. Dr. Thorsten Staake, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Energieeffiziente Systeme an der Universität Bamberg gefragt. Und eine Duschverbrauchsanzeige entwickelt, die Bürgerinnen und Bürger im Alltag beim Energiesparen unterstützt.


Das Foto zeigt die Duschverbrauchsanzeige amphiro a1. Quelle: Amphiro AG

Thorsten Staake entwickelte gemeinsam mit einer Forschergruppe das Gerät amphiro a1. Diese intelligente Duschverbrauchsanzeige misst während des Duschens, wie viel Energie in Form von Warmwasser verbraucht wird.

Dabei wird natürlich der Warmwasserverbrauch selbst gemessen, aber vorrangig geht es um die für die Warmwasseraufbereitung aufgewendete Wärmeenergie. Das Gerät wird beim Schlauch der Handbrause angebracht, die Nutzer können es selbst ohne weitere Werkzeuge einbauen.

Es funktioniert wie ein kleines Kraftwerk und gewinnt seine Energie aus dem Wasserfluss mittels einer speziellen Turbine. Während des Duschens zeigt amphiro a1 den Verbrauch seit Duschbeginn in Litern an, nach dem Duschen abwechselnd den Energieverbrauch in (Kilo-)Wattstunden und die Wassermenge in Liter. Das Display ist mit einer Animation gestaltet: Ein Eisbär steht auf einer Eisscholle, die mit steigendem Energieverbrauch schmilzt.

In einer zweimonatigen Studie testeten rund 700 Haushalte in Zürich das Gerät. Kann es die Motivation und das Bewusstsein der Bürger zum Energiesparen verbessern? Insgesamt wurden 636 Geräte ausgelesen und die Daten von über 46000 Duschvorgängen analysiert.

Die Berechnungen des Forscherteams ergaben, dass bei einem 4-minütigen Duschvorgang durchschnittlich 46 Liter Wasser verbraucht werden, also etwas mehr als 11 Liter in der Minute. Der Warmwasserverbrauch macht laut Staake mit durchschnittlich 2000 Kilowattstunden im Jahr den zweitgrößten Posten im Energieverbrauch von Haushalten aus, nur übertroffen von der Raumheizung, danach folgt mit „nur“ 650 Wattstunden der Kühlschrank. Des Weiteren betrage die Wassertemperatur beim Duschen durchschnittlich 36 Grad, und vor allem 20- bis 29-Jährige verbrauchten recht viel, so Staake.

Die Daten analysierten Staake und sein Team dann anonymisiert. Die Mehrheit der Befragten, 54 Prozent, wollte das Produkt nach Studienende weiter verwenden. Dank der intelligenten Anzeige von amphiro a1 verkürzte sich die Duschdauer um 20 Prozent bei einem Ein-Personen-Haushalt und um 24 Prozent bei einem Mehrpersonen-Haushalt. „Durchschnittlich könnte man mit amphiro a1 pro Haushalt 8500 Liter Trinkwasser pro Jahr einsparen! Umrechnet wären das rund 79 Euro“, erklärt Staake den Nutzen des Geräts aufgrund der Ergebnisse. Das Gerät wurde bereits markttauglich gemacht, so dass es mittlerweile bei Amazon erhältlich ist.

Thorsten Staake ist seit April 2013 Professor an der Universität Bamberg. Sein Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Energieeffiziente Systeme wird aus Mitteln der TechnologieAllianzOberfranken (TAO) finanziert.

Die TechnologieAllianzOberfranken (TAO)
In der TechnologieAllianzOberfranken (TAO) arbeiten die vier oberfränkischen Hochschulen, die Universitäten Bamberg und Bayreuth sowie die Hochschulen für angewandte Wissenschaften Coburg und Hof zusammen. Ihr Ziel ist es, Oberfranken als Wissenschaftsstandort weiter auszubauen. Die Schwerpunkte der Kooperation liegen in den Bereichen Energie, Mobilität und Gesundheit. Hier sichert TAO den Transfer von aktuellen Forschungsergebnissen in die regionale Wirtschaft, unterstützt die Unternehmen bei der Lösung technologischer Herausforderungen, berät im Hinblick auf die Forschungsförderung und entwickelt spezifische Angebote zur Weiterbildung. Im Bereich des Studiums stehen die Entwicklung hochschulübergreifender Lehr- und Studienangebote sowie kooperative Promotionen im Vordergrund. TAO wird vom Freistaat Bayern gefördert.

Kontakt für Rückfragen:
Prof. Dr. Thorsten Staake
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Energieeffiziente Systeme

+49 (0) 951 / 863 2076
+49 (0) 951 / 863 2077 (Sekretariat)
thorsten.staake(at)uni-bamberg.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-bamberg.de/kommunikation/news/artikel/duschverbrauchsanzeige
http://www.uni-bamberg.de/unsere-netzwerke/tao

Tanja Eisenach | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Forscher entwickeln effizientere Systeme für Brennstoffzellen und Kraft-Wärme-Kopplung
19.04.2017 | EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie e. V.

nachricht Forscher entwickeln Elektrolyte für Redox-Flow-Batterien aus Lignin aus der Zellstoffherstellung
18.04.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie