Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Digitale Fabrik - Leises Löschen

11.01.2016

Eine neu entwickelte, kleinere und leisere Düse für Gaslöschanlagen von Siemens, speziell für Rechenzentren, schont nachweislich Festplatten vor Schäden durch starken Lärm. Experimente der globalen Siemens-Forschung Corporate Technology (CT) bestätigen das: Bereits ab 110 Dezibel können Festplatten durch den hohen Schallpegel und die dadurch ausgelösten Vibrationen beschädigt werden.

Verkabelungen und Server erhöhen das Brandrisiko in Rechenzentren und sind für etwa sechs Prozent der Infrastrukturausfälle verantwortlich. Viele potenzielle Zündquellen, wie heiße Rechner oder zu viele Kabel, aber auch die hohe Luftzirkulation für die Kühlung, sorgen dafür, dass sich ein Feuer schnell entzünden und ausbreiten kann.


Rechenzentrum: Von Löschdüsen produzierter Lärm kann Festplatten irreparabel beschädigen.

Bild Thomas Trutschel/Photothek/Getty Images

Ein rasches Aufspüren und ein schnelles Löschen sind daher entscheidend. Wie in vielen Industrieanlagen oder Archiven wird auch in Rechenzentren dabei typischerweise nicht mit Wasser, sondern mit Gas gelöscht. Die Löschsysteme fluten den Raum innerhalb von Sekunden mit Gas.

Natürliche Gase wie Argon, Stickstoff oder Kohlendioxid verdrängen dabei den Sauerstoff. Alternativ wird dem Brandherd bei chemischen Löschgasen die Wärme (Energie) entzogen, um den Brand zu löschen.

Versuche von Siemens Corporate Technology haben ergeben, dass der Lärm aus Löschdüsen Festplatten irreparabel schädigt. Hierbei wird beim Löschen mit herkömmlichen Düsen wird eine Lautstärke von rund 130 Dezibel gemessen, das entspricht dem Lärm eines startenden Kampfjets.

In solchen Fällen haben Betreiber von Rechenzentren nach Löschvorgängen – meist vorübergehende – Ausfälle der Computerfestplatten beobachtet. Die Forschungen von Corporate Technology bestätigen: Bereits ab 110 Dezibel können Festplatten durch den hohen Schallpegel und die dadurch ausgelösten Vibrationen beschädigt werden.

Kleine Löschdüsen reduzieren Schallleistung

Siemens entwickelte auf Basis dieser Erkenntnisse zur Reduzierung des auftretenden Schallpegels schon vor Jahren eine neue Löschdüse. Die spezielle Düse namens Sinorix Silent Nozzle von Siemens Building Technologies ist so ausgelegt, dass der Geräuschpegel während des Löschvorgangs unter 100 Dezibel bleibt – dieser vergleichsweise niedrige Pegel ist für Festplatten ungefährlich.

Der Betreiber kann dabei mit der Löschdüse die Richtung des Gasausstoßes so wählen, dass die Festplatten von möglichst wenigen Schallwellen getroffen werden. Die Düse kann für die Naturgase Stickstoff und Argon eingesetzt werden und arbeitet dabei mit demselben Druck wie andere Düsen, etwa 60 bar, wenn die Löschgase Kohlendioxid, Stickstoff oder Argon austreten.

Die Siemens-Experten verkleinerten aber die Düsen und verteilten dafür mehrere in einer Reihe mit einem Abstand, der die Frequenz des entstehenden Tones erhöht. Dadurch reduziert sich die mechanische Leistung des auftretenden Schalls – die Löschdüse ist leiser und der Lärmpegel sinkt somit unter 100 Dezibel. Ein ähnliches Konzept für chemische Löschmittel wird derzeit entwickelt. Die Flutungszeiten sind dabei gleich wie bei herkömmlichen Düsen. Die neue, leise Löschdüse ist voll kompatibel zu Sinorix-Gaslöschanlagen und eignet sich zur Nachrüstung bestehender Systeme.

Experiment ergibt: Hohe Lautstärke verursacht Datenverlust

Die Studie bestätigte nun die Wirksamkeit dieser Düse unter realen Bedingungen. Siemens-Experten verglichen zunächst im hauseigenen Labor lautes und leises Löschen. Dabei verwendeten die Experten Audiodateien und beschallten 20 neuwertige Festplatten.

Anschließend wurden in einem Data Center Modul unter realen Bedingungen die Auswirkungen auf die IT-Speichersysteme überprüft. Das Ergebnis: Bei der hohen Lautstärke trat immer ein Datenverlust auf. Bei einer Lautstärke, die dem Lärm der Sinorix Silent Nozzle entspricht, stellten sie hingegen keinen Schaden fest.

Weitere Informationen:

http://www.siemens.com/innovation/de/home/pictures-of-the-future/industrie-und-a...

Dr. Norbert Aschenbrenner | Siemens AG

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht »ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Intelligentes Lademanagement entwickelt – Forschungsprojekt ePlanB abgeschlossen
18.10.2017 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise