Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit das Netz stabil bleibt

27.09.2012
Siemens bringt automatische Lastabwurftechnik für Stromversorgungsnetze in der Öl- und Gasindustrie auf den Markt

Für die Stromversorgung größerer Industrieanlagen hat Siemens Infrastructure & Cities eine automatische Lastabwurftechnik entwickelt, mit der sich Industrienetze in kritischen Situationen stabil halten lassen. Dazu hat Siemens die Funktion „automatischer Lastabwurf“ in das Stationsleitsystem Sicam und in Siprotec-Schutzgeräte integriert.


Für Stromversorgungsnetze in der Öl- und Gasindustrie bringt Siemens eine automatische Lastabwurftechnik auf den Markt, mit der sich Industrienetze in kritischen Situationen stabil halten lassen.

Die Lösung basiert auf einer verteilten Architektur und dem Kommunikationsstandard IEC 61850. Die ersten Systeme werden für den Einsatz in der Öl- und Gasindustrie auf den Markt kommen. Dort sind vielfach Industrienetze installiert, die komplexe Produktionsprozesse mit Strom versorgen, ohne mit dem öffentlichen Netz verbunden zu sein, so genannte Inselnetze. Falls zu wenig erzeugte Leistung zur Verfügung steht, schaltet der Lastabwurf Verbraucher niedriger Priorität automatisch ab, stellt das Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch wieder her und ermöglicht damit den unterbrechungsfreien Betrieb von Kernprozessen hoher Priorität.

In der Öl- und Gasindustrie werden Anlagen zur Förderung und Weiterverarbeitung von Erdöl und Erdgas häufig von Inselnetzen mit Strom versorgt, die nicht mit dem öffentlichen Netz verbunden sind. Statt von Inselnetzen können die Anlagen aber auch von inselfähigen Netzen versorgt werden, die zwar mit dem öffentlichen Netz gekoppelt sind, bei Bedarf aber abgetrennt werden können. Das gilt für Raffinerien und Flüssiggaserzeugungsanlagen ebenso wie für Öl- und Gasverladeanlagen oder Anlagen in der Petrochemie. Weil eine Unterbrechung der Produktionsprozesse der Öl- und Gasindustrie meist einen großen finanziellen Schaden verursachen würde, spielt die Netzstabilität bei diesen Anlagen eine große Rolle. Damit sich derartige Inselnetze oder inselfähige Industrienetze in der Spannung und der Frequenz stabil halten lassen, hat Siemens die automatische Lastabwurflösung entwickelt.

Bei kritischen Ereignissen im Netz wie Überlast oder Ausfall eines Generators erkennt die Schutz- und Leittechnik das Ungleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch und schaltet Verbraucher niedriger Priorität ab. Die dadurch freigewordene Energie stabilisiert das Netz und sorgt dafür, dass die Produktionsprozesse nicht unterbrochen werden. Dabei wird laufend eine Bilanz der Wirkleistung berechnet, damit die Last nur um das Notwendigste verringert wird. Sobald der automatische Lastabwurf die Netzstabilität wieder hergestellt hat und die volle Stromerzeugungsleistung im Netz zur Verfügung steht, können die abgeschalteten Verbraucher wieder zugeschaltet werden. GOOSE-Telegramme (Generic Object Oriented Substation Events), die in der Kommunikationsnorm IEC 61850 definiert sind, sorgen für eine umgehende Reaktion des automatischen Lastabwurfs. Die Telegramme werden mit hoher Priorität und sehr schnell über das Ethernet übertragen. Mit ihrer Hilfe lassen sich Reaktionszeiten des Lastabwurfs von weniger als 70 Millisekunden erreichen.

Der automatische Lastabwurf gliedert sich in drei Teilbereiche: den schellen Lastabwurf, den dynamischen, auf Leistung basierenden Lastabwurf, und den frequenzabhängigen Lastabwurf. Beim schnellen Lastabwurf (fast power-based loadshedding, FPLS) werden bei der Trennung von einem öffentlichen Netz oder beim Ausfall von Generatoren in kurzer Zeit Verbraucher (Lasten) mit niedriger Priorität abgeschaltet. Dabei werden die in der entstandenen Stromversorgungsinsel verbleibenden Lasten von lokalen Generatoren gespeist. Für eine Leistungsreserve in einem Inselnetz sorgt der dynamische, auf Leistung basierende Lastabwurf DPLS (dynamic power-based loadshedding). Die Leistungsreserve wird über das Stationsleitsystem vom Bedienpersonal vorgegeben.

Unabhängig von den beiden Lastabwurffunktionen FPLS und DPLS schaltet der frequenzabhängige Lastabwurf (frequency-based loadshedding, FBLS) bei der Unterschreitung des Frequenzlimits ab. Der frequenzabhängige Lastabwurf ist eine Reservefunktion, die auch bei Mehrfachfehlern im Netz reagiert und ein unerwünschtes Absinken der Frequenz verhindert. Über die Stationsbedienung Sicam 230 des Siemens-Stationsleitsystems ist außerdem ein manueller Lastabwurf möglich. Zusätzlich erstellt Sicam 230 die topologische Berechnung, mit deren Hilfe der Zerfall eines Netzes in mehrere Teilnetze erkannt wird, die der automatische Lastabwurf entsprechend berücksichtigen kann. Das Besondere an dieser Topologierechnung ist, dass sie grafisch projektiert wird und prozedural arbeitet, also ohne aufwändige projektspezifische Boolsche Logik.

Energieeffiziente und umweltgerechte Lösungen zum Aufbau intelligenter Stromversorgungsnetze (Smart Grids) sind Teil des Siemens-Umweltportfolios, mit dem das Unternehmen im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von rund 30 Mrd. EUR erzielte. Das macht Siemens zu einem der weltweit größten Anbieter von umweltfreundlicher Technologie. Kunden haben mit entsprechenden Produkten und Lösungen des Unternehmens im selben Zeitraum fast 320 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) eingespart, das ist so viel wie Berlin, Delhi, Hongkong, Istanbul, London, New York, Singapur und Tokio in Summe an CO2 jährlich ausstoßen.

Der Siemens-Sektor Infrastructure & Cities (München) mit rund 87.000 Mitarbeitern bietet nachhaltige Technologien für urbane Ballungsräume und deren Infrastrukturen. Dazu gehören integrierte Mobilitätslösungen, Gebäude- und Sicherheitstechnik, Stromverteilung, Smart-Grid-Applikationen sowie Nieder- und Mittelspannungsprodukte. Der Sektor setzt sich aus den Divisionen Rail Systems, Mobility and Logistics, Low and Medium Voltage, Smart Grid und Building Technologies zusammen. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.siemens.com/infrastructure-cities

Die Siemens-Division Smart Grid (Nürnberg) bietet Energieversorgern und Netzbetreibern, Industrieunternehmen, Infrastruktureinrichtungen sowie Städten Produkte und Lösungen für eine intelligente und flexible Netzinfrastruktur. Um den wachsenden Strombedarf abzudecken, müssen die Netze von heute und morgen immer mehr erneuerbare Energiequellen integrieren und einen bidirektionalen Energie- und Kommunikationsfluss ermöglichen. Intelligente Netze tragen dazu bei, Strom effizient und nach Bedarf zu erzeugen und zu nutzen. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.siemens.de/smartgrid


Siemens AG
Corporate Communications and Government Affairs
Wittelsbacherplatz 2, 80333 München
Deutschland
Informationsnummer: ICSG201209.024d

Media Relations: Dietrich Biester
Telefon: +49 911 433-8617
E-Mail: dietrich.biester@siemens.com
Siemens AG
Infrastructure & Cities Sector – Smart Grid Division
Humboldtstr. 59, 90459 Nürnberg

Dietrich Biester | Siemens Infrastructure
Weitere Informationen:
http://www.siemens.com/infrastructure-cities
http://www.siemens.de/smartgrid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Höhere Energieeffizienz durch Brennhilfsmittel aus Porenkeramik
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

nachricht Planungstool für die Energiewende: Open Source Plattform für Stromnetze
05.12.2016 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften