Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

China setzt auf Wasserkraft

23.04.2009
20 neue Staudämme am Jangtsekiang geplant

Die Volksrepublik China beabsichtigt den Bau von 20 weiteren Wasserkraftwerken am Oberlauf des Jangtsekiang.

Nach Informationen des Ministeriums für Wasserressourcen soll der Ausbau bis 2020 realisiert werden. Die Staudämme sollen vorwiegend am Oberlauf und an Seitenflüssen des viertlängsten Stroms der Welt errichtet werden. Das Land beabsichtigt, mit Infrastrukturprojekten wie dem 3-Schluchten-Damm seine Energieversorgung zu diversifizieren. Noch immer wird rund 70 Prozent des chinesischen Energiebedarfs über den Betrieb von Kohlekraftwerken gedeckt.

Hu Siyi, Vizeminister für Wasserressourcen, kündigte Chinas Pläne auf einer Tagung in Schanghai an. Umweltschützer und Wissenschafter sind ob der gigantischen Dimension des Projekts skeptisch. "Aufgrund des steigenden Energiebedarfs in China, wird man um neue Einrichtungen zur Energiegewinnung nicht herumkommen. Wasserkraft stellt im Vergleich mit den realistisch zur Verfügung stehenden Alternativen das bei weitem geringste Übel dar", meint Hans Peter Nachtnebel, Leiter des Instituts für Wasserwirtschaft an der Universität für Bodenkultur Wien, im Gespräch mit pressetext.

Natürlich sei bei Projekten dieser Größenordnung mit sozialen Auswirkungen und mit Umweltschäden zu rechnen. "In den durch den Speicherbau eingestauten Talbereichen sind Umsiedelungen erforderlich, was bisher mit gravierenden Nachteilen für die ansässige Bevölkerung verbunden war. In den Stauhaltungen ist mit massiven Verlandungen zu rechnen und flussabwärts mit Störungen des Sedimentregimes. Die Veränderungen im Abfluss- und Sedimentregime können beträchtliche Schädigungen des Ökosystems Fluss zur Folge haben", so Nachtnebel.

Einem Bericht der chinesischen Akademie der Wissenschaften zufolge beeinträchtigt der 3-Schluchten-Damm die Wasserqualität und somit die Ökosysteme der Feuchtgebiete im Einzugsgebiet sowie die darin lebenden Fischbestände. Die Klimaerwärmung ließe zudem eine stark verringerte Wasserführung als wahrscheinlich erscheinen. Aufzeichnungen weisen seit dem Jahr 2006 rückläufige Regenmengen aus. Eine seriöse Beurteilung der zahlreichen Pros und Contras könne jedoch nur in Form einer umfassenden Studie erfolgen, so Nachtnebel weiter.

China nützt gegenwärtig 36 Prozent des Wasserkraftpotenzials am Jangtsekiang. Die Nutzungsquote soll bis 2030 auf 60 Prozent erhöht werden, meinte Cai Qihua, Direktor des Jangtse Water Resources Committee, gestern, Dienstag, in China Daily. China verfügt mit einem Gesamtpotenzial von 540 Millionen Kilowatt über das weltweit größte Wasserkraftleistungspotenzial. Jangtsekiang, Huangho und Amur sind Ströme von über 4.000 Kilometern Länge. Dazu durchfließen 5.000 weitere Flüsse das Land, deren Einzugsgebiet sich über mehr als 100 km2 ausdehnt. Wie die offizielle chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, hat allein der 3-Schluchten-Staudamm seit 2003 genug Elektrizität erzeugt, um letztes Jahr 8,8 Prozent von Chinas Energiebedarf zu stillen.

An der Tatsache, dass Kohle der Hauptenergielieferant Chinas ist, wird sich kurzfristig nichts ändern, heißt es in einer Studie von Ji Chengjun und Nan Yue von der technischen Universität Liaoning. Das drittgrößte Land der Welt ist zudem relativ arm an Erdöl und Erdgas. Die Erdgasförderung begann erst vor knapp einem Jahrzehnt. Die chinesische Zentralregierung plant daher, auch die Nuklearkapazitäten des Landes wesentlich zu erweitern (pressetext berichtete: http://pressetext.at/news/090421004/).

Nikolaus Summer | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.wau.boku.ac.at
http://www.xinhuanet.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Wie Protonen durch eine Brennstoffzelle wandern
22.06.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht Omicron Diodenlaser mit höherer Ausgangsleistung und erweiterter Garantie
20.06.2017 | Omicron - Laserage Laserprodukte GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie