Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brennendes Eis liefert Erdgas und speichert CO2

30.03.2009
Erster Feldtest zum Methanabbau aus Gashydrat im Permafrostboden

Gashydrat, ein in Wasserkristallen gebundenes Erdgas, könnte in Zukunft zu einer wichtigen fossilen Energiequelle werden, die zudem eine Lösung für die Lagerung von Treibhausgasen bietet. Das betonen Wissenschaftler beim aktuellen Treffen der American Chemical Society.

Sie präsentieren einen aktuellen Feldtest in Alaska, der die Gewinnung von Methan aus Gashydraten bei gleichzeitiger Einlagerung von CO2 überprüft. Laut Sprechern des United States Geological Survey könne die Gewinnung von Methan aus Hydraten eine Überbrückung zu erneuerbaren Energien darstellen.

Gashydrate sind brennbare Verbindungen aus Wasser und Gas, die mit freiem Auge wie Eis aussehen. Die Hydrat-Wassermoleküle sind jedoch in Käfigen angeordnet, deren Inneres Methanmoleküle speichert. "Gashydrat kommt sowohl im Permafrostboden als auch in viel größeren Mengen in den Ozeantiefen vor", so Klaus Wallmann vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR. In Tiefen ab 1.000 Meter beträgt die Wassertemperatur unabhängig vom Breitengrad nur zwischen null und vier Grad. Bakterien aus Sedimenten wandeln hier organische Substanzen in Methan um, das beim Aufsteigen durch Druck und Temperatur eisförmig wird.

Während es früher nur schlecht gelungen war, das Methan aus dem Gashydrat durch Erhitzung herauszulösen, scheint der Einsatz von CO2 mehr Erfolg zu versprechen. Dabei wird das Treibhausgas in das Gashydrat gepumpt und nimmt den Platz des Methans ein, das aufgefangen und als Erdgas eingesetzt werden kann. Japanischen Berechnungen zufolge, die sich auf die Methode der Wärmezugabe beziehen, lohne sich die Gashydrat-Methangewinnung ab einem Ölpreis von 54 US-Dollar pro Barrel. "Nachdem die Prognosen darauf deuten, dass sich der Ölpreis langfristig jenseits der 100-Dollar-Marke ansiedeln wird, ist das eine lohnende Form der Energiegewinnung", erklärt Wallmann. Auch wenn die Vorkommen in den Meeren unerschöpflich seien, ist die Erschließung am Land derzeit noch technisch einfacher. Wallmann rechnet damit, dass hier in etwa fünf Jahren der Abbau in kleinerem Maßstab starten kann, während es in Hochseeregionen noch zumindest ein Jahrzehnt dauere.

Ihre spezielle molekulare Käfigstruktur erlaubt es den Gashydraten, eingepumptes Kohlendioxid zu speichern, was sie für die CO2-Lagerung interessant macht. "Der Tiefseeboden ist der sicherste Platz für die Speicherung von CO2", so Wallmann. Damit könnten Risiken umgangen werden, die bei der Einlagerung im Land oder im küstennahen Meeresboden entstehen, wozu Wallmann etwa die superkritische Phase des CO2 oder die Gefahr des undichten Deckels zählt. CO2-Einlagerung in Hydraten sei allerdings bislang sehr kostspielig. "Wird die Einlagerung jedoch mit der Methangewinnung kombiniert, kann sie wirtschaftlich sehr attraktiv sein", so Wallmann, der derzeit in einem Projekt http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=sugar Möglichkeiten dieser Einlagerung und Erdgasgewinnung untersucht.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.acs.org
http://www.usgs.gov
http://www.ifm-geomar.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Gut sortiert: Schüttgutanlagen werden klüger
30.03.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften
29.03.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE