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EEG ist zentrales Klimaschutzinstrument und beschleunigt Innovationen

30.08.2007
ForschungsVerbund Sonnenenergie nimmt Stellung zum Erneuerbare-Energie-Gesetz

Der ForschungsVerbund Sonnenenergie (FVS) unterstützt den Fortbestand des EEG als effektives Klimaschutz- und Innovationsinstrument und macht Vorschläge zu seiner Weiterentwicklung. Das EEG entlastet die Strompreise, schafft Arbeitsplätze und stärkt die Energiewirtschaft.

Marktentwicklung und Innovationsbeschleunigung durch Forschung müssen auch weiterhin Hand in Hand gehen, um die Spitzenposition des Standorts Deutschland im Technologiewettbewerb aufrecht zu erhalten. Die vom Umweltministerium vorgeschlagenen neuen Rahmenbedingungen des EEG sollten daher durch eine stärkere Forschung und Entwicklung hinterlegt werden. Die geplante Aufstockung der Forschungsmittel, insbesondere durch das Bundesumweltministerium um sechs Prozent, ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Der ForschungsVerbund Sonnenenergie empfiehlt aber einen deutlicheren Anstieg der Forschungsausgaben für erneuerbare Energien um mindestens 20 Prozent pro Jahr.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat sich als eines der effektivsten Klimaschutzinstrumente bewährt. Allein die seit Einführung des EEG im Jahr 2000 neu in Betrieb genommenen Anlagen für erneuerbare Energien vermeiden den Ausstoß von über 37 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich. Ohne diesen Beitrag wären die Emissionen in Deutschland seither nicht gesunken, sondern angestiegen. Für die Aufrechterhaltung des CO2 Reduktionspfades in Deutschland kommt dem EEG zukünftig eine noch größere Bedeutung zu. Denn nach der Klimaagenda der Bundesregierung sollen allein im Strombereich bis zum Jahr 2020 durch den Einsatz erneuerbarer Energien rund 55 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden werden.

Das EEG belegt, dass Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung miteinander harmonieren können. Schon heute ist der Mix der regenerativen Stromerzeugung volkswirtschaftlich vorteilhaft. Dies gilt ohnehin bei Einberechnung der externen Umweltkosten, die bei erneuerbaren Energien unschlagbar niedrig liegen. Darüber hinaus dürfte aber auch die Entlastung der Strompreise durch die Einspeisung aus erneuerbaren Energien die aus dem Umlageverfahren des

EEG resultierenden Differenzkosten mehr als kompensieren: Denn aufgrund der vorrangigen EEG-Einspeisung werden die teuersten konventionellen Kraftwerke zur Nachfragedeckung nicht mehr benötigt und der Strompreis an der Börse sinkt. Dieser preissenkende Merit-Order-Effekt des EEG am deutschen Strommarkt belief sich im Jahr 2006 auf rund 5 Milliarden Euro. Die insgesamt gezahlten EEG-Umlagen betrugen dagegen nur 3,2 Milliarden Euro (BMU-Erfahrungsbericht vom 5.7.2007).

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien ist eine Wachstumsbranche mit über 200.000 Arbeitsplätzen entstanden. Mehr als die Hälfte davon sind auf das EEG zurückzuführen. Die Unternehmen sind international heute hoch wettbewerbsfähig und erwirtschaften ihren Umsatz zunehmend im Export. Mit der globalen Ausbaudynamik der erneuerbaren Energien steigt aber auch der Konkurrenzdruck auf die deutschen Anbieter. Im weltweiten Innovationswettbewerb wird Deutschland seine Spitzenposition als "first mover" nur aufrechterhalten können, wenn technisch und ökonomisch besonders leistungsfähige Technologien angeboten werden. Dazu müssen Marktentwicklung und Forschung weiterhin Hand in Hand gehen. Dem EEG kommt hierfür als Innovationsbeschleuniger eine zentrale Funktion zu. Denn durch verlässliche Rahmenbedingungen für Investoren und eine hervorragende Wissenschaftsinfrastruktur erfolgt ein zeitnaher Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis.

Dafür sollte die EEG-Vergütungsstruktur die erneuerbaren Energiequellen so fördern, dass alle Technologien der erneuerbaren Energien zu einem optimalen Energiemix beitragen können und ein Wachstum der Branche garantiert wird. Dies impliziert, dass Investitionen der Industrie in den erneuerbaren Energien-Sektor attraktiv bleiben.

Das EEG wurde in den Grundzügen einer tarifgebundenen Stromeinspeisung bereits von 44 Staaten übernommen. Es wirkt daher als Best Practice Beispiel und bietet für Deutschland sich stetig erweiternde Exportmärkte.

Vorschläge für die Weiterentwicklung des EEG

Der ForschungsVerbund Sonnenenergie, der mit etwa 1.500 Mitarbeitenden ungefähr 80 Prozent der Forschungskapazität zu erneuerbaren Energien in Deutschland repräsentiert, unterstützt den Fortbestand des EEGs als effektives Klimaschutz- und Innovationsinstrument. Die Regelungen müssen jedoch in einigen zentralen Bereichen optimiert werden:

o Die Vergütung für Biomasse muss stärker an einer hohen energetischen Gesamteffizienz ausgerichtet werden.

Unter Berücksichtigung alternativer Nutzungspfade von Biomasse ist im EEG neben der Stärkung der Kraft-Wärme-Kopplung der Technologiebonus für innovative Verfahren zu erhöhen, damit sich neue Verfahren durchsetzen für die Konversion holz- und halmartiger Biomasse, für die Aufbereitung biogener Gase und deren Einspeisung in Gasnetze sowie für die Bereitstellung gasförmiger Energieträger zur Verstetigung der Stromerzeugung aus fluktuierenden erneuerbaren Energien.

o Die Strombereitstellung aus erneuerbaren Energien und die Stromnachfrage sind besser zu synchronisieren.

Damit die künftig erforderlichen hohen Anteile der regenerativen Stromerzeugung optimal genutzt werden können, sind Angebot und Nachfrage besser aufeinander abzustimmen: durch eine bessere Vernetzung von Anlagen zu virtuellen Kraftwerken, die Verstetigung der Strombereitstellung mittels Speichersystemen und die intensivere Erschließung von Lastmanagementpotenzialen.

o Das Portfolio der Technologien der solaren Stromerzeugung muss erweitert werden.

Die Kosten der solaren Stromerzeugung müssen nach den Empfehlungen des Bundesumweltministeriums im Entwurf des EEG-Erfahrungsberichtes vom 5. Juli 2007 bereits innerhalb von sechs Jahren halbiert werden. Dieser Kostensenkungspfad ist hoch ambitioniert und auf Dauer nur mit einer rechtzeitigen Einführung neuer Technologien erreichbar. Hierfür sind rechtzeitig gezielte Anreize für Forschung und Entwicklung zu schaffen.

Durch diese Regelungen werden den Marktteilnehmern die richtigen Signale gegeben und Chancen für neue Technologieoptionen eröffnet, die für das Erreichen der Ausbauziele der erneuerbaren Energien bis und jenseits des Jahres 2020 erforderlich sind. Einer breiten und leistungsfähigen Forschungslandschaft kommt hierfür eine Schlüsselrolle zu.

Forschungsförderung

Die Forschungsinstitute des ForschungsVerbunds Sonnenenergie haben durch das EEG einen bedeutenden Entwicklungsschub erhalten. Insbesondere die Anforderungen aus der Wirtschaft haben die Entwicklung verschiedener

Energietechnologien gefördert. Gemeinsame Projekte haben zugenommen und zu einer Verkürzung von Innovationszyklen geführt. Dies hat zu einer Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland beigetragen und unsere Stellung im internationalen Wettbewerb verbessert. Der hohe Qualifikationsgrad von Personal in Deutschland ist für in- und ausländische Unternehmen ein wichtiger Standortfaktor.

Die durch das EEG induzierte anwendungsnahe Forschung muss gleichzeitig durch eine strategische, längerfristig ausgerichtete Forschung adäquat hinterlegt werden, damit neue Themenfelder aufgegriffen und sukzessive qualifiziert werden können. Hier ist derzeit ein starkes Auseinanderdriften von Marktdynamik und öffentlich geförderter Forschung zu beobachten. Während weltweit mit zweistelligen Zuwachsraten Milliardenbeträge in Anlagen investiert werden, steigen die Bundesmittel für die Forschung zu erneuerbaren Energien im 5. Energieforschungsprogramm 2005-2008 jährlich um weniger als fünf Millionen Euro (sechs Prozent). Hinzu kommt, dass die Ausgaben mit 139 Millionen Euro im Jahr 2007 nach wie vor weniger als ein Drittel der gesamten Energieforschungsausgaben des Bundes ausmachen. Gemessen an der großen Bedeutung, die den erneuerbaren Energien für einen wirksamen Klimaschutz, die langfristige Sicherung der Energieversorgung und die Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze zukommt, ist dies unzureichend.

Die dauerhafte Absicherung der Erfolge bei der Entwicklung erneuerbarer Energien muss im gemeinsamen Interesse von Energie-, Umwelt- und Industriepolitik liegen. Die geplante Aufstockung der Forschungsmittel, insbesondere durch das Bundesumweltministerium, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Erforderlich ist jedoch auch eine längerfristige Perspektive. Der ForschungsVerbund Sonnenenergie empfiehlt deshalb für die nächsten fünf Jahre einen deutlichen Anstieg der Forschungsausgaben des Bundes für erneuerbare Energien um mindestens 20 Prozent pro Jahr.

HINTERGRUND
Der ForschungsVerbund Sonnenenergie ist eine Kooperation außeruniversitärer Forschungsinstitute. Das Themenspektrum reicht von Solarenergie über Wasserstofftechnologie und Geothermie bis hin zur Windenergie. Mit etwa 1000 Mitarbeitenden repräsentiert der FVS ungefähr 80 % der Forschungskapazität für erneuerbare Energien in Deutschland.
FVS-Mitgliedsinstitute
- DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.
- FZJ Forschungszentrum Jülich GmbH
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik
- Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme
- GFZ GeoForschungsZentrum Potsdam
- HMI Hahn-Meitner-Institut Berlin GmbH
- ISFH Institut für Solarenergieforschung Hameln Emmerthal GmbH
- ISET Institut für Solare Energieversorgungstechnik e.V.
- ZAE Bayern Bayerisches Zentrum für Angewandte Energieforschung e.V.
- ZSW Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg
PRESSEKONTAKT
Petra Szczepanski
Öffentlichkeitsarbeit ForschungsVerbund Sonnenenergie
Kekuléstraße 5, 12489 Berlin
Tel. 030/ 8062-1337
Fax 030/ 8062-1333
E-mail: fvs@hmi.de

Petra Szczepanski | idw
Weitere Informationen:
http://www.FV-Sonnenenergie.de

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