Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

COMPASS-1 ready for launch

27.08.2007
Der Pico-Satellit des Fachbereichs Luft- und Raumfahrttechnik der Fachhochschule Aachen wird in Kanada fit für den Start ins All gemacht

Drei Jahre ist es her, dass sich Studierende der Luft- und Raumfahrttechnik in einem Projekt zusammenfanden, um mit viel Engagement und Einsatz nun den ersten Satelliten der FH Aachen ins All zu schicken. Seine Mission: Bilder von der Erdoberfläche über eine Amateurfunkfrequenz an die Bodenstation senden, vorrangig an die mit Unterstützung der Amateurfunker in Aachen auf dem Dach des FH-Gebäudes Hohenstaufenallee errichtete Anlage.

Was das Projekt so interessant für Jugend und Öffentlichkeit macht: man kann mit dabei sein! Am Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik und mit Unterstützung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sollen diese Daten dann ausgewertet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden (DLR_School_Lab).

Die Arbeit begann im Herbst 2004. Angeregt durch eine Vorlesung von Professor Klaus Wittmann vom DLR zum Thema "Systemtechnik in der Raumfahrt" machten sich die Studierenden an die herausfordernde Aufgabe, entsprechend der "Rahmenbedingungen" einer an der University of Stanford, USA entworfenen Pico-Satellitenstruktur selbst einen solchen 10x10x10 cm³ kleinen Kubus voll Technik für den Weltraum zu bauen. Mehrere Generationen von Studierenden beteiligten sich seitdem, betreut von den Professoren Wilfried Ley und Hans-Joachim Blome sowie Dipl.-Ing. Engelbert Plescher, am Pico-Satelliten COMPASS-1, übernahmen einzelne Entwicklungsbereiche am Satelliten und vereinten die Ergebnisse letztendlich im nun fertig gestellten COMPASS-1. All dies unter eigenverantwortlicher, studentischer Projektleitung, "gemanaged" von Artur Scholz (mittlerweile auch Dipl.-Ing.). Wie gut ihre Arbeit war, zeigte sich nun bei den abschließenden Tests, die alle erfolgreich durchlaufen wurden. Damit ist das "kleine" technische Kunstwerk fertig für die Reise, mit dem Ziel, im September/Oktober in den Weltraum zu starten.

... mehr zu:
»COMPASS-1 »Satellit »Weltraum »X-POD

Die nun absolvierte erste Etappe der Reise führte den Pico-Satelliten an die University of Toronto, Kanada, wo der Satellit im Space Flight Laboratory in den Ausstoßmechanismus, X-POD genannt, integriert wurde. Wie weitere fünf CubeSats, die an der 4. Nano-Satellite-Launch-Kampagne der Kanadier beteiligt sind, erhielt er damit die Möglichkeit, ferngesteuert von der Raketenoberstufe im Weltraum abgetrennt zu werden und eine eigenständige Flugbahn (Orbit) einzunehmen.

Die lange Flugreise nach Kanada hat der Satellit gut überstanden: Sicher verstaut und mit allen notwendigen Zollpapieren und technischen Dokumenten versehen, ging es im Handgepäck von Steve Fröhlich, einem der Studierenden des COMPASS-Teams, und Dipl.-Ing. Engelbert Plescher mit dem Flugzeug nach Toronto. Um einen sicheren Transfer des wertvollen Satelliten-Würfels zu garantieren, war ein Transport im Fluggastraum, d.h. in einer druckbeaufschlagten Kabine unter normaler Temperatur, notwendig. Trotz einer sorgfältigen Vorbereitung der notwendigen Zollpapiere, um den Satelliten nach Kanada und dann weiter nach Indien zur Rakete befördern zu können, eine spannende und diskussionsbeladene Aktion. Denn Zoll- und Sicherheitsbeamte sind eher misstrauisch, wenn ein solches Gerät aus Metall, Elektronik und Kabeln mit in die Fluggastkabine genommen wird. Und welcher Zöllner weiß schon so genau, mit welchen Richtlinien, Verordnungen und nationalen wie internationalen Gesetzen ein Satellitentransport im Handgepäck konform und abzuwickeln ist.

Aber trotz oder gerade wegen dieser ungewöhnlichen Fracht fand der Satellit große Aufmerksamkeit und im Endeffekt auch wohlwollende Unterstützung bei allen Stellen. Wohlbehalten und mit allen Stempeln auf den Papieren erreichte der Satellit den Cleanroom des Space Flight Laboratory. Dort musste er bei einem abschließenden "Acceptance Test" zusammen mit dem X-POD noch einmal zeigen, wie gut und zuverlässig die Arbeit der Studierenden war, ob die Vorgaben im internationalen Vergleich eingehalten wurden und der Pico für den Start freigegeben werden kann.

Zwei Tage lang wurde der kleine Kubus auf Herz und Nieren geprüft: Rütteln und schütteln in alle Richtungen simulierte die Kräfte, die während des Starts auf den Satelliten einwirken. Zwischendurch hieß es immer wieder testen, ob noch alle Systeme ordnungsgemäß arbeiten, ob sich die Antennen wie geplant entfalten und ob sich der Satellit dann noch vom X-POD ausstoßen lässt. Das erfreuliche Ergebnis: Alles in Ordnung, es funktioniert zuverlässig.

Nach dem nochmaligen präzisen und sorgfältigen Zusammenbau und einem letzten Check wurde der Pico in den X-POD verstaut und der Ausstoßmechanismus gespannt. Als letzte Maßnahme wurde eine Sicherung eingebaut, damit nichts vorzeitig losgeht, und dann kam COMPASS-1 im Cleanroom in den Aufbewahrungskasten, wo schon andere Satelliten in gleichem Zustand auf den Start warten. Ein paar werden in den nächsten Wochen noch hinzukommen. Ende August werden dann alle CubeSats von Toronto aus nach Indien an das Sriharikota Space Center transportiert, wo sie 14 Tage vor dem Start auf der Trägerrakete, einem Polar-Satellite-Launch-Vehicle /PSLV, montiert werden.

Dann heißt es: "READY FOR LAUNCH!"

Der Start ist für den Zeitraum Ende September bis Ende Oktober vorgesehen. Dann wird es noch einmal spannend, wenn sich die Rakete von der Erde abhebt, in den Weltraum strebt, um dort auf der endgültige Umlaufbahn die CubeSats auszusetzen, und die Studierenden von der Bodenstation in Aachen aus den Kontakt aufnehmen. Doch Engelbert Pleschers Prognose für einen erfolgreichen Start ins All sind positiv: "Mit diesen letzten Tests in Aachen und Toronto haben wir alles getan, um den ersten von Studierenden entwickelten Satelliten der FH Aachen auf den Weg zu bringen. Alle Beteiligten können mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden sein und wir sehen erwartungsvoll auf den Start und den ersten Kontakt zu unserem Pico."

Dr. Roger Uhle | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-aachen.de
http://www.raumfahrt.fh-aachen.de

Weitere Berichte zu: COMPASS-1 Satellit Weltraum X-POD

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht »ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Intelligentes Lademanagement entwickelt – Forschungsprojekt ePlanB abgeschlossen
18.10.2017 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise