Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frischer Wind für Regenerative Energien

03.04.2007
1996 gründete die TU Darmstadt den bundesweit ersten Uni-Lehrstuhl für Regenerative Energien. Professor Thomas Hartkopf treibt heute die Forschung auf dem Feld der Windenergie voran. Ein Erfolg: Neue Generatoren machen Windkraftanlagen effizienter.

Bis zum Jahr 2020 wollen die Europäer den Ausstoß von Treibhausgasen um mindestens 20 Prozent reduzieren: Das ist ein Ergebnis des jüngsten EU-Gipfels. "Ohne Windenergie ist das allerdings nicht zu realisieren" betont Professor Thomas Hartkopf von der TU Darmstadt. Als Leiter des Fachgebiets Regenerative Energien im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik treibt er die Entwicklung der Windenergie maßgeblich mit vorangetrieben hat.

Die neueste Idee der Darmstädter Forscher sind Generatoren für Windkraftanlagen, die ohne Getriebe funktionieren. Mit ihnen lässt sich die Energieausbeute im Vergleich zu bisherigen Anlagen deutlich erhöhen, so dass die Europäer ihr ehrgeiziges Ziel noch schneller erreichen können. Und die Deutschen können ihren Wettbewerbsvorteil in Sachen Windenergie-Technologien weiter ausbauen.

Im Rahmen eines von der EU geförderten Projektes haben die Darmstädter ein Modell mit dem Namen "Permanenterregte Synchronmaschine" (PMSM) speziell für Windkraftanlagen weiterentwickelt. Dass der für diesen Anlagentyp neue Generator ohne Getriebe auskommt, "macht die Anlage leichter und effektiver, sondern auch robuster, denn das Getriebe ist das anfälligste Bauteil in einer Windturbine", erläutert Hartkopf. Und noch einen Vorteil hat das neue Modell: "Die Gefahr, dass auslaufendes Getriebeöl die Umwelt verschmutzt, ist kein Thema mehr." Das macht diese Generatoren insbesondere für sogenannte Offshore-Anlagen interessant, also Parks aus Windkraftanlagen, die vor der Küste ins Meer gebaut werden. Und gerade in den Offshore-Anlagen liegt die Zukunft der Windkraft in Deutschland. Der Bau von großen Parks mit hunderten Anlagen und Leistungen bis zu 1.000 Megawatt ist für die kommenden Jahre geplant. Dadurch soll "der Anteil der Windenergie in Deutschland von heute sechs auf 15 bis 20 Prozent in zehn Jahren erhöht werden", konstatiert Hartkopf.

Die neuen Generatoren werden bereits produziert, doch noch sind sie wegen hoher Materialkosten vergleichsweise teuer. "Das wird sich langfristig jedoch ändern", ist sich der Darmstädter Elektrotechniker sicher, denn "die Kosten für die Materialien werden sinken, die Anforderungen an die Windkraftanlagen dagegen werden steigen. Wer heute eine neue Anlage baut oder eine ältere Anlage modernisiert, sollte dafür die derzeit bestmöglichen Generatoren verwenden", rät Hartkopf.

Dass er damit Recht hat, zeigt auch die vor einem Jahr von dem Energieversorger E.on verschärfte Netzanschlussregel. Dieser "Grid Code" sieht vor, dass deutsche Windkraftanlagen bei Kurzschlüssen und anderen Netzfehlern nicht mehr abgeschaltet werden dürfen. Damit fungieren sie praktisch selbst wie konventionelle Kraftwerke, die die Spannung im gesamten Kraftwerksnetz jederzeit aufrechterhalten müssen. "Die PMSM sind im Gegensatz zu den bislang üblichen Maschinen hierfür bestens geeignet und daher für Deutschland der Anlagentyp der Zukunft", glaubt Hartkopf.

Und nicht nur für Deutschland, denn gut 70 Prozent aller hierzulande hergestellten Windkraftanlagen werden ins Ausland exportiert, vor allem nach China, Indien, Spanien und in die USA. Somit können die getriebelosen Generatoren die technologische Vorreiterrolle Deutschlands auf der ganzen Welt stärken. gek

Ansprechpartner: Prof. Thomas Hartkopf, Tel. 06151/16-2567
E-Mail: thomas.hartkopf@re.tu-darmstadt.de
Die Technische Universität Darmstadt hat den Elektroingenieur "erfunden": Sie berief im Jahr 1882 den Physiker Erasmus Kittler auf den weltweit ersten Lehrstuhl für Elektrotechnik und bot erstmals ein Elektroingenieur-Studium an. Seither hat der Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik viele Persönlichkeiten hervorgebracht, die wegen ihrer Pionierleistungen und Erfindungen international berühmt wurden. Fortschritte und Durchbrüche etwa in der Nachrichtentechnik, Automatisierungstechnik, Mechatronik und Medizintechnik, bei alternativen Antriebsmotoren für die Energietechnik oder integrierten Schaltungen für das Nanozeitalter nahmen ihren Ausgang in Darmstadt.

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.etit.de

Weitere Berichte zu: Generator Regenerativ Windenergie Windkraftanlage

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Wärme in Strom: Thermoelektrische Generatoren aus Nanoschichten
16.03.2017 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Flüssiger Treibstoff für künftige Computer
15.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise