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Energiesparen am Computer-Arbeitsplatz

08.03.2007
Stromsparen beim Computer mag manchem als Peanuts erscheinen, doch in Firmen mit mehreren hundert Mitarbeitern läppern sich die verbrauchten Kilowattstunden schnell zu einer horrenden Stromrechnung - und umgerechnet auch zu einem erheblichen CO2-Ausstoß. In welchem Maße man durch den Einsatz von "Thin Clients" Energie und Kosten sparen kann, haben Fraunhofer-Forscher in zwei Studien untersucht.

"Dünne Kunden" sparen bis zu 50 Prozent Strom. Was sich zunächst nach einem neuen Schlankheitswahn anhört, entpuppt sich als abgespeckter Computer: Thin Clients sind Rechner, die auf Ein- und Ausgabe beschränkt sind - sprich auf die Funktionen von Maus, Tastatur und Bildschirm. Die Daten, auf die der Benutzer vom Thin Client aus zugreift, liegen auf einem zentralen Server, ebenso ein Großteil des Betriebssystems. Der Vorteil: Wird auf dem Server ein neues Programm installiert oder ein Update geladen, läuft die neue Software automatisch auf allen Thin Clients, die auf diesen Server zugreifen. Das System ist daher wartungsarm.

Wie Forscher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen nun herausgefunden haben, bieten Thin Clients noch weitere Vorteile. Im Auftrag der Herstellerfirma IGEL Technology GmbH untersuchten sie die Herstellungs-, Nutzungs- und Entsorgungsphase von üblichen PCs und ihren schlanken Brüdern. "Die Stromersparnis gegenüber herkömmlichen PCs beträgt im Betrieb bis zu 50 Prozent", fasst Dr.-Ing. Hartmut Pflaum das Ergebnis zusammen. "Während PCs durchschnittlich 85 Watt verbrauchen, kommen die Thin Clients inklusive Server mit 40 bis 50 Watt aus. Das ist im Zuge der Klimaerwärmung und der CO2-Minderung ein entscheidender Punkt." Denn die Produktion einer Kilowattstunde Strom mit dem deutschen Energiemix pustet 0,63 Kilogramm CO2 in die Luft, stellen die Forscher in der Studie dar.

Auch beim Transport sind Thin Clients die klaren Sieger: Die untersuchten Geräte der Firma IGEL wiegen nur etwa ein Drittel so viel wie ein PC und beanspruchen nur 11 bis 20 Prozent des Platzes. Da beide Gerätetypen hauptsächlich in Asien produziert werden, sollten sie sich möglichst platzsparend in Containern verstauen lassen - um möglichst günstig über den Ozean zu reisen. Rechnet man zusätzlich den Platzbedarf des Servers mit ein, wiegt ein "Igel" nur 35 bis 40 Prozent eines PCs und kommt nur auf 18 bis 30 Prozent der Größe - selbst wenn sich lediglich 20 Nutzer einen Server teilen. "In einem Übersee-Container können somit mindestens dreimal so viele Thin Clients transportiert werden wie PCs", sagt Pflaum.

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Bereits in einer früheren Studie untersuchten die Forscher die generelle Wirtschaftlichkeit der dünnen Geräte. Was kosten die Geräte und was ihr Betrieb? Dazu haben die Wissenschaftler das Szenario eines typischen Instituts modelliert, das sich auf mittelständische Unternehmen mit 150 bis 300 Mitarbeitern übertragen lässt. "Nutzt ein Betrieb Thin Clients, spart er 44 bis 48 Prozent, verglichen mit der Nutzung von PCs mit einem Softwareverteilungssystem", sagt IT-Manager Christian Knermann. "Gegenüber einem vollständig manuell verwalteten Arbeitsplatz sogar 61 bis 70 Prozent." Ab etwa 40 bis 50 Arbeitsplätzen, so Knermann, wirkt sich der Einsatz von Thin Clients mittelfristig positiv auf die Gesamtkostenentwicklung aus.

Eine Nachfolgestudie soll nun auch einen Produzenten in China sowie einen Entsorger der "Igel" mit einbeziehen. "So kommen wir auch an Daten, die für uns bei den meist asiatischen Unternehmen nicht zugänglich waren", hofft der IT-Experte Knermann. "Etwa die Mengen an Abfall bei der Produktion, den Energieverbrauch bei der Produktion und die damit einhergehenden Emissionen."

"Wer Strom sparen und CO2-Emissionen reduzieren will", so lautet die Empfehlung der Fraunhofer-Experten, "sollte bei der Computerarbeit auf 'dünne Kunden' setzen."

Dr. Janine Drexler | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://it.umsicht.fraunhofer.de/PCvsTC/
http://it.umsicht.fraunhofer.de/TCecology/

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