Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mollig warm dank Hanf und Mais

02.03.2007
Dreht man die Heizung auf, soll die Wärme im Haus bleiben und nicht durch die Wände entwischen. Forscher haben einen Dämmstoff entwickelt, der zu hundert Prozent aus Naturprodukten besteht. Er ist umweltfreundlich, leicht und erfüllt die Brandschutz-Anforderungen.

Immer mehr Hausbesitzer dämmen Dächer und Wände, um Heizkosten zu sparen und die Kohlendioxidemissionen zu verringern. Doch bei der Auswahl der Materialien hört die Umweltfreundlichkeit meist auf. Erste Wahl sind Stein- und Glaswolle sowie geschäumte Kunststoffe wie Styropor oder Polyurethan. Nur etwa fünf Prozent der Dämmstoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Schilf, Flachs, Hanf, Stroh oder Wolle gewonnen. Dabei haben Matten aus Naturmaterialen entscheidende Vorteile: Ihre Herstellung verbraucht relativ wenig Energie, sie sind gesundheitlich unbedenklich, und sie lassen sich – wenn sie nicht mehr gebraucht werden – kompostieren oder klimaneutral verbrennen.

Das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal hat nun gemeinsam mit vier Partnern neue Biomaterialien entwickelt. Eins davon basiert auf dem in Deutschland heimischen Hanf. Herkömmliche Hanf-Dämmstoffe enthalten Stützfasern aus Polyester, um die Pflanzenfasern zusammenzuhalten. Jetzt übernimmt ein Biopolymer, das aus Mais gewonnen wird, diese Funktion. Der neue Dämmstoff besteht somit zu hundert Prozent aus Naturprodukten und ist komplett biologisch abbaubar. Seine bauphysikalischen Qualitäten können sich sehen lassen, wie Tests gezeigt haben. »Die Eigenschaften kommen nahe an die herkömmlicher Produkte heran«, sagt ICT-Projekt-koordinator Darius Primus. Der Natur-Dämmstoff ist leicht, hat eine geringe Wärmleitfähigkeit und erfüllt – dank einem Soda-Bad – die Anforderungen an den Brandschutz. Er nimmt leicht Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, so dass er Bauschäden vorbeugt. Einziger Nachteil: Das stützende Biopolymer, das rund zehn Prozent des Dämmstoffs ausmacht, kostet derzeit noch doppelt so viel wie Polyester.

Einen anderen Weg hat ICT-Mitarbeiter Dr. Axel Kauffmann eingeschlagen. Bei einem Projekt, das die Landesstiftung Baden-Württemberg unterstützt, hat er verschiedene Biopolymere hinsichtlich ihrer Schäumbarkeit und Einsatzmöglichkeiten für Dämmstoffplatten untersucht, um das gebräuchliche Styropor durch einen umweltfreundlichen Naturstoff zu ersetzen. Die Arbeiten haben gezeigt, dass auch dieser Weg gangbar ist. Das neue Bioprodukt hat ähnliche Eigenschaften wie Styropor und lässt sich mithin zur Wärmedämmung nutzen. Allerdings kostet es derzeit noch zwei bis drei Mal so viel. Kauffmann hofft aber, dass die Preise bei steigenden Produktionszahlen von Biopolymeren fallen werden.

Darius Primus | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ict.fhg.de

Weitere Berichte zu: Biopolymer Dämmstoff Styropor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Leuchtende Nanoarchitekturen aus Galliumarsenid
22.02.2018 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

nachricht Neuer Sensor zur Messung der Luftströmung in Kühllagern von Obst und Gemüse
22.02.2018 | Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics