Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und dabei Energie sparen

16.11.2006
Produktionsanlage für Flachbildschirme im Test - DBU unterstützt neue Entwicklung mit 350.000 Euro

Sie sind flach und modern und erobern weltweit Büros und Wohnzimmer: Plasmabildschirme sind auf dem Vormarsch und gehen derzeit millionenfach über den Ladentisch.

Während der Flachbildfernseher zwischenzeitlich bereits relativ energiesparsam läuft, rotieren die Stromzähler bei der Herstellung noch verhältnismäßig stark: rund 23 Kilowattstunden Energie werden pro Bildschirm benötigt.

Die Firma Industrie-Ofenbau ELINO aus Düren in Nordrhein-Westfalen testet deshalb jetzt ein neuartiges selbst entwickeltes Herstellungsverfahren in einer Produktionsanlage. Dabei werden bisher getrennte Arbeitsschritte zusammengefasst, um schon bei der Produktion bis zu 90 Prozent Energie zu sparen und die Produktionszeit und das Transportvolumen zu verringern. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt die Entwicklung und Probephase mit 350.000 Euro.

Ein Plasmabildschirm besteht aus zwei übereinander liegenden Glasscheiben, die zunächst an den Rändern miteinander verschweißt werden. Bevor ein spezielles Gas eingefüllt werden kann, wird bisher in einem zweiten Arbeitsschritt durch ein schmales Röhrchen die Luft aus dem Zwischenraum abgesaugt, so dass dort ein Unterdruck entsteht. "Bis dieses Vakuum aufgebaut ist und alle Luftmoleküle aus dem Bildschirm evakuiert sind, ist ein relativ großer Energieaufwand nötig. Je größer der Bildschirm ist, desto schwieriger und energie-aufwändiger ist diese bisher übliche Methode", so DBU-Experte Dr. Jörg Lefévre.

Die Firma ELINO hat sich dieses Problems angenommen und bereits mit einer Anschubfinanzierung der DBU in Höhe von 125.000 Euro in einem Vorgängerprojekt die neue Technologie entwickelt, die jetzt erstmals in der Produktionslinie eines koreanischen Unternehmens gestestet und von ELINO weiter entwickelt werden soll.

Die Methode ist neu: Der so genannte Inline-Vakuum-Klebeprozess verbindet zwei Arbeitsschritte dadurch, dass die beiden Glasplatten bereits in einem luftleeren Raum miteinander verschweißt werden - das vermeidet unnötiges Abkühlen und Aufheizen zwischen den Prozessen und soll bis zu 90 Prozent Energie sparen. Dafür entwickelt ELINO jetzt einen Spezialofen, in dem mehrere Bildschirme gleichzeitig und kontinuierlich bearbeitet werden können.

Außerdem soll die Menge der Ausschussgeräte verringert werden. Dadurch, dass die stoßempfindlichen Röhrchen zum Evakuieren der Flachbildschirme bei dem neuen Verfahren entfallen, könnten sie, zum Beispiel beim Verpacken, auch nicht mehr abbrechen, wodurch die Geräte bisher irreparabel beschädigt wurden. "Das war bisher vor allem für Hersteller ein großer Kostenfaktor. Anstelle von derzeit 35 sollen künftig nur noch rund fünf Prozent der Geräte während der Produktion als Ausschussware aussortiert werden müssen," so DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde .

"Ein weiterer Vorteil ist, dass die Bildschirme ohne die Pumpröhren einfacher und platzsparender eingepackt und transportiert werden können", sagt Brickwedde. "Das ist aus unserer Sicht ein ebenso bedeutender, umweltrelevanter Effekt wie die Zeitersparnis, die durch die Zusammenlegung der Arbeitsschritte möglich wird." Ganz konkret greife die Energieeinsparung am Herstellerort in Korea. Da aber Emissionen global wirkten, sei das Projekt bei Erfolg auch für Deutschland wichtig. Brickwedde weiter: "Flachbildschirme werden derzeit in Millionenstückzahlen hergestellt und verkauft. Das Weltmarktvolumen beträgt allein in diesem Jahr rund elf Millionen Geräte." Diese Dimensionen verdeutlichten den Bedarf einer energiesparsamen Produktion eindrucksvoll.

Franz-Georg Elpers | DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

Weitere Berichte zu: ELINO Flachbildschirm Plasmabildschirm Röhrchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Forscher entwickeln effizientere Systeme für Brennstoffzellen und Kraft-Wärme-Kopplung
19.04.2017 | EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie e. V.

nachricht Forscher entwickeln Elektrolyte für Redox-Flow-Batterien aus Lignin aus der Zellstoffherstellung
18.04.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen