Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsinitiative „Kraftwerke des 21. Jahrhunderts“

13.10.2006
Um dem steigenden Strombedarf in den nächsten 20 Jahren gerecht zu werden, geht die EU-Kommission davon aus, in Europa neue Kraftwerkskapazitäten von bis zu 400 GW zu installieren.
Gründe für den anstehenden Energiestrukturwandel sind die fortgeschrittenen Kraftwerkslaufzeiten, die Entwicklung auf den Öl- und Gasmärkten, bezogen auf Deutschland aber auch der geplante Ausstieg aus der Kernenergie.

Insbesondere für die Kraftwerksbetreiber gilt es jetzt strategische Entscheidungen für eine zukunftssichere Energieversorgung zu treffen. Diese bedeuten ein hohes Risiko aufgrund des benötigten Kapitalaufwands.

Aus diesem Grund haben die Länder Baden-Württemberg und Bayern 2004 die mit vierjähriger Laufzeit geplante Initiative „Kraftwerke des 21. Jahrhunderts“ (KW21) mit Forschungseinrichtungen und Industriepartnern ins Leben gerufen. Die Initiative umfasst 36 Einzelprojekte von der wirtschaften Analyse, über Beiträge zum Simulations- und Prozessmonitoring bis hin zu Technologie- und Werkstoffentscheidungen. Eine erste Bilanz wurde am 20. Juli 2006 gezogen.

Fünf Projektinnovationen unter Förderung der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW)

Als Innovator in Energiefragen und Betreiber beispielsweise eines der modernsten Steinkohlekraftwerke Deutschlands in Altbach bei Stuttgart fördert die EnBW fünf der 36 Einzelprojekte. Hierzu gehören:

  • Kriterien für Kraftwerksentscheidungen
  • Optimierung des Betriebs konventioneller Kraftwerke durch simulationsgestütztes Prozessmonitoring
  • Simulationsgestützte Optimierung der Beanspruchung und der Lebensdauer von Kesselbauteilen
  • Zünd- und Löschverhalten von Erdgasen in Gasturbinenbrennkammern
  • Aufbau und Entwicklung eines laserbasierten Online-Messsystems zur Kontrolle der Erdgaszusammensetzung für den Kraftwerksbetrieb.

Kriterien für Kraftwerksentscheidungen

Zu welchem Zeitpunkt soll in welche Kraftwerkstechnologie investiert werden? Vor dem Hintergrund dieser alles entscheidenen Frage zielt das von der EnBW geförderte Projekt auf Untersuchungen zur Risikoanalyse ab. Neben Preis- und Mengenrisiken werden u.a. auch politische Unsicherheiten in die Betrachtung aufgenommen.

Die gesamtwirtschaftliche und die einzelwirtschaftliche Analyse erlauben gesicherte Prognosen für den Kraftwerksbestand in Deutschland und für den Kraftwerkspark jedes Energieunternehmens.

Mit Hilfe des Projekts wird für Kraftwerksbetreiber ein repräsentatives Kraftwerksportfolio zusammengestellt. Ergebnis sind konkrete Investitionsempfehlungen mit überschaubarem Risiko.

Optimierung des Betriebs konventioneller Kraftwerke durch simulationsgestütztes Prozessmonitoring

Durch das geplante Simulatorsystem werden die Feuerungs- und Dampferzeugungsprozesse in industriellen Kraftwerken kontrolliert.

Über die Auswertung und den Vergleich der Daten über einen längeren Zeitraum können entscheidende Optimierungen, z.B. bei der Konzentration von Schadstoffen, vorgenommen werden. Damit trägt das System dazu bei, Betreiberrisiken durch z.B. Produktermüdung zu senken und das Wissensmanagement vor Ort auszubauen.

Bis Ende 2006 wird ein erster Prototyp getestet, der stufenweise bis Ende 2008 erweitert wird.

Simulationsgestützte Optimierung der Beanspruchung und Lebensdauer von Kesselbauteilen

Kesselbauteile wie Membranwände und Überhitzerrohre sind einer hohen Beanspruchung aus Druck, Temperatur und Korrosion/Erosion ausgesetzt.

Das EnBW-geförderte Projekt wird dazu beitragen, dass die Materialerschöpfung bereits so früh bestimmt und mit Gegenmaßnahmen versehen werden kann, dass Unfallrisiken und Ausfallzeiten auf ein Minimum reduziert werden.

Betreiber erhalten hiermit ein völlig neuartiges Werkzeug zur Effizienzsteigerung und Betriebsoptimierung von thermischen Kraftwerken.

Ein erster Feldversuch auf Basis vielversprechender Vorabtests wird bereits Ende 2006 gestartet.

Zünd- und Löschverhalten von Erdgasen in Gasturbinenbrennkammern

Für moderne Gasturbinen sind drei Faktoren im Kraftwerksbetrieb entscheidend:

  • eine geringe Schadstoffemission
  • eine hohe Effizienz und
  • eine hohe Zuverlässigkeit.

Bedingt durch die Verknappung der Vorräte an fossilen Energieträgern wird zukünftig eine hohe Brennstoffflexibilität hinzukommen.

Zur Erreichung insbesondere einer geringen Schadstoffemission erfolgt in einem sogenannten Vormischbrenner die Vermischung von Luft und Brennstoff. Hierbei kommt es zu komplexen chemischen Reaktionen. Ihr kontrollierter Ablauf ist entscheidend für den Betrieb der gesamten Anlage.

Mit Hilfe der am Institut für Verbrennungstechnik in Stuttgart betriebenen Brennkammer werden zukünftig Zündungen nicht nur analysiert, sondern auch gesteuert. Das Projekt trägt damit gezielt zur Flammenstabilisierung und zum kontrollierten Brennerbetrieb bei.

Aufbau und Entwicklung eines laserbasierten Online-Messsystems zur Kontrolle der Erdgaszusammensetzung für den Kraftwerksbetrieb

Je nach Ort und Zeit ergeben sich Schwankungen bei der Erdgaszusammensetzung und damit beim Heizwert.

Das innovative Online-Messsystem auf Laserbasis, das die EnBW als Industriepartner unterstützt, ermöglicht, dass die Werte individuell im laufenden Betrieb ermittelt werden können. Bei Messzeiten von wenigen Sekunden wird eine Messgenauigkeit im ppm-Bereich erzielt. Außerdem zeichnet sich das neue System gegenüber herkömmlichen Gaschromatographen durch eine einfache Bedienbarkeit, Unempfindlichkeit gegen Umwelteinflüsse, ein geringes Gewicht und leichte Erweiterbarkeit aus.

Aus den online gewonnenen Messdaten können Experten Ableitungen treffen, die zu einer Vermeidung von Bauteilschäden, von überhöhten Flammentemperaturen und von Brennkammerschwingungen beitragen.

Dorota Zacirka | EnBW
Weitere Informationen:
http://www.enbw.com

Weitere Berichte zu: EnBW Erdgaszusammensetzung Kraftwerk Online-Messsystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Elektrische Felder steuern Nano-Maschinen 100.000-mal schneller als herkömmliche Methoden
19.01.2018 | Technische Universität München

nachricht Perowskit-Solarzellen: mesoporöse Zwischenschicht mildert Einfluss von Defekten
18.01.2018 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie