Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Wackelsensor" schafft Arbeitsplätze

11.10.2006
Mit Energie sparenden Mikro-Vibrationsschaltern und einem neuen Ausgründungsmodell werden Wissenschaftler des Forschungszentrums Karlsruhe zu Vermarktern ihrer Arbeit

Batterien in Alltagsgegenständen wie Fahrradrücklichtern, PC-Mäusen oder Hörgeräten halten um ein Vielfaches länger, wenn sie mit einem winzigen Vibrationssensor ausgerüstet sind. Ein solcher "Mikro-Vibrationsschalter" ist am Forschungszentrum Karlsruhe entwickelt worden. Um das große wirtschaftliche Potenzial der Schalter auszuschöpfen, haben die beteiligten Wissenschaftler nun eine Firma gegründet. Die Sensolute GmbH mit Sitz in Karlsruhe wird die Produktion und den Vertrieb der Mikroschalter übernehmen.

Gefördert wurde die Ausgründung durch das Forschungszentrum Karlsruhe und die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V.

Von der ersten Idee bis zur Gründung der Sensolute GmbH sind fünf Jahre vergangen. Seit 2001 arbeiten Prof. Dr. Hartmut Gemmeke, Leiter des Instituts für Prozessdatenverarbeitung und Elektronik am Forschungszentrum Karlsruhe, und sein Mitarbeiter Thomas Blank mit ihrem Team an einem Mikro-Vibrationsschalter, der mit einem preiswerten Standard-Verfahren in großen Mengen produziert werden kann. Nach dem Aufbau einer Prototypenserie begannen sie 2005 mit den Planungen für eine Kommerzialisierung der Schalter. Das neuartige Ausgründungsmodell - die beteiligten Wissenschaftler sind an der Firma beteiligt, bleiben aber weiterhin an ihrem Institut tätig - bewertet Hartmut Gemmeke sehr positiv: "Mit Hilfe der Technologietransfer-Abteilung des Forschungszentrums, der finanziellen Unterstützung der Helmholtz-Gemeinschaft und unserem regionalen Partner, der engage AG, haben wir einen gangbaren Weg für die Ausgründung unserer Technologie gefunden. Nun können wir uns weiterhin der Forschung und Entwicklung am Forschungszentrum widmen und zugleich die Kunden für Mikrosensoren zufriedenstellen."

... mehr zu:
»Elektronik »Sensolute

"Die Gründung von Sensolute ist ein tolles Beispiel dafür, wie Forschungsergebnisse in ein marktfähiges Produkt überführt werden können", sagt Jens-Thomas Kobberstad, kaufmännischer Geschäftsführer der Sensolute GmbH. "Wir und unser Gesellschafter, das Forschungszentrum Karlsruhe, zeigen, dass neue Wege des Technologietransfers auch in Deutschland möglich sind und nicht nur in den USA."

Auf die große Nachfrage nach den Mikroschaltern verweist Dr. Jens Fahrenberg, Leiter der Stabsabteilung Marketing, Patente und Lizenzen des Forschungszentrums, der die Gründungsphase begleitet und betreut hat: "Es liegen bereits Anfragen für mehrere Millionen Stück vor". "Dieser Weg der Ausgründung", so Jens Fahrenberg, "kann als Vorbild für eine erheblich vereinfachte Ausgründung aus Instituten der Helmholtz-Gemeinschaft dienen."

Die Ausgründung der Karlsruher Forscher wurde gefördert durch den "Fonds zur Erleichterung von Existenzgründungen aus Forschungseinrichtungen" (EEF-II) des Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft. Aus EEF-II-Mitteln konnte u. a. ein Marketing-Fachmann eingestellt werden, der wesentlich zum Erfolg der Unternehmensgründung beigetragen hat. Auch das Forschungszentrum Karlsruhe selbst ist - zu 20 Prozent - an der Ausgründung beteiligt.

In dem am Institut für Prozessdatenverarbeitung und Elektronik des Forschungszentrums Karlsruhe entwickelten Mikro-Vibrationsschalter steckt eine winzige metallische Kugel, die bei Erschütterungen zwischen den Kontakten hin- und herrollt und den Stromkreis schließt. Bei Stillstand wird die Batterie dagegen geschont. "Manche meinen, dass es sich hierbei um nichts anderes als einen gezielten Wackelkontakt handelt, aber Ingenieure hören so etwas nicht gerne. Im Wesentlichen handelt es sich um einen Mikrosensor, der gezielt auf Veränderungen des Bewegungszustandes reagiert", erläutert Prof. Hartmut Gemmeke das kleine Energiesparwunder. Der Mikroschalter ist eine technologisch ausgereifte und kostengünstig herzustellende Alternative zu vergleichbaren Schaltern auf Quecksilberbasis, die seit Juli 2006 aus Umweltschutzgründen europaweit verboten sind. Einen ersten großen Markt für den "Wackelsensor" sieht Hartmut Gemmeke in batteriebetriebenen Fahrradleuchten. Weitere mögliche Anwendungen sind mobile Navigationsgeräte, schnurlose PC-Mäuse, Headsets und Spielwaren, aber auch Hörhilfen und Haushaltsgeräte wie automatisch abschaltende Bügeleisen.

Das Forschungszentrum Karlsruhe ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,1 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Dr. Joachim Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.fzk.de
http://www.sensolute.com

Weitere Berichte zu: Elektronik Sensolute

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Digitale Messtaster von WayCon – höchst präzise und vielseitig einsetzbar
14.11.2017 | WayCon Positionsmesstechnik GmbH

nachricht FAU-Forscher entwickeln neues Materialsystem für effiziente und langlebige Solarzellen
10.11.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie