Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biogas für Europa

15.08.2006
ttz Bremerhaven bündelt europäische Aktivitäten in der Biogaserzeugung

Im Juni 2006 fiel in Aarhus/Dänemark der Startschuss für das Projekt "Agrobiogas". In dem vom Umweltinstitut des ttz Bremerhaven initiierten EU-Projekt wird eine Informationsplattform ("Online-Helpdesk") zum Thema Biogaserzeugung für Landwirte entwickelt. Dieses europäische Biogas Helpdesk soll professionelle Hilfe bei der Planung und dem späteren Betrieb der Biogasanlage bieten. Ziel ist neben der Unterstützung der Landwirte die effiziente und ökonomische Arbeitsweise der Anlage. Koordiniert wird das Vorhaben vom Danish Agricultural Advisory Service mit Unterstützung vom ttz Bremerhaven. Insgesamt 24 Partner aus verschieden europäischen Ländern werden sich während der nächsten drei Jahre mit der Biogaserzeugung aus Reststoffen und so genannten Energiepflanzen befassen. Die EU-Kommission bezuschusst die Forschungsarbeiten mit rund 2,1 Millionen Euro.

Stark steigende Energiepreise und die fortschreitende Verknappung fossiler Energieträger erfordern Alternativen zur Energieerzeugung. Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe ist nicht nur umweltfreundlich, sondern eröffnet dem Landwirt neue Marktchancen. Denn dieser spielt bei der Energieerzeugung eine zentrale Rolle. Im Rahmen der Biogasproduktion geht es längst nicht mehr nur noch darum, eine Biogasanlage zur Entsorgung von Reststoffen aus der Viehhaltung zu betreiben. Wirtschaftlich weitaus effizienter ist der zusätzliche Anbau von Energiepflanzen, wie Triticale*, Raps oder Mais, wofür der Landwirt brachliegende Flächen nutzen kann.

Werden diese Rohstoffe gemeinsam mit tierischen Reststoffen (Gülle, Mist) vergoren (Kofermentation), wird eine deutlich höhere Biogasausbeute erzielt als bei der ausschließlichen Verwendung von Reststoffen. Das Biogas kann in Form von Wärme oder Strom genutzt werden. Die Wärme kann zum Beispiel direkt vor Ort für die Tierzucht eingesetzt werden, der Strom wird entweder selbst genutzt oder ins öffentliche Netz eingespeist. Alternativ besteht die Möglichkeit, Biogas zum Antrieb von Fahrzeugen zu nutzen, wie es bereits in Schweden praktiziert wird. Für den Landwirt bedeutet der Betrieb einer Biogasanlage einen lukrativen Nebenerwerb.

"Wichtig ist, dass der Landwirt bei Planung und Inbetriebnahme der Anlage professionelle Hilfe bekommt, bei der die Bedingungen des landwirtschaftlichen Betriebes vor Ort berücksichtigt werden", erklärt Dr. Gerhard Schories, Technischer Leiter des Umweltinstitutes am ttz Bremerhaven. Um dieses Problem zu lösen, hatte er gemeinsam mit seinem Team die Idee, das europäische Know-how im Bereich Biogas zu bündeln und den Landwirten in Form einer Datenbank online zur Verfügung zu stellen. Die teilnehmenden sieben nationalen landwirtschaftlichen Verbände und ein europaweit aktiver Fachverband haben sich die Bereitstellung dieses Dienstleistungspaketes für ihre überwiegend kleinen und mittelständischen Mitglieder zur Aufgabe gesetzt. Das Umweltinstitut des ttz wirkt an maßgeblicher Stelle an der Entwicklung der Informationsplattform mit und wird zudem die teilnehmenden Verbände sowie die teilnehmenden KMUs in der richtigen Anwendung schulen.

"Die Grundlagen für die Etablierung des Helpdesk werden im Projekt Agrobiogas gemeinsam mit allen Partnern erarbeitet. Die Informationsplattform wird neben einer Datenbank, die bei der richtigen Auswahl von Substraten für die Kofermentation hilft, ein Simulationsprogramm enthalten. Dort können die für jeden Anlagetyp optimalen Betriebszustände vorausberechnet werden", erläutert Dr. Matthew Wade, Projektleiter von Agrobiogas am ttz Bremerhaven, das Kernstück des Forschungsvorhabens. Zusätzlich soll eine in das Helpdesk integrierte Entscheidungshilfe für Investitionen ("Investment Decision Tool") interessierten Landwirten bei der Auswahl der für ihren Anwendungsfall am besten geeigneten Technologie und bei der Planung der optimalen Anlagegröße behilflich sein.

Neben anderen Methoden zur Erzeugung von regenerativen Energien, ist die Biogaserzeugung ein großer Hoffnungsträger. In Deutschland befinden sich bereits 2000 Biogasanlagen in Betrieb. "Derzeit gibt es zwar noch keine Biogasanlage im Land Bremen, aber allein in Niedersachsen sind 400 Anlagen in Planung. Insgesamt können wir von einer europaweiten Notwendigkeit dieses Instruments sprechen", erklärt Werner Mlodzianowski, Geschäftsführer des ttz Bremerhaven.

Agrobiogas leistet einen wichtigen Beitrag, um die von der EU im "Weißbuch für Europa" fixierte Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien am Energiebedarf auf 12 Prozent zu erfüllen - und das europaweit. Darüber hinaus trägt Agrobiogas dazu bei, in Europa die im "Kyoto-Protokoll" festgeschriebene Reduktion des CO2-Ausstoßes aus der Verbrennung fossiler Energieträger zu erreichen und somit zum globalen Klimaschutz beizutragen.

*Eine Kreuzung aus Weizen und Roggen mit besonders hohem Ertrag

Das Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement.

Kontakt:
Anke Janssen,
ttz Bremerhaven, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 0471 / 4832-121/-124,
Email: ajanssen@ttz-bremerhaven.de

Anke Janssen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Wärme in Strom: Thermoelektrische Generatoren aus Nanoschichten
16.03.2017 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Flüssiger Treibstoff für künftige Computer
15.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise