Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Informative Stromrechnung für Haushaltskunden - Ein Modellversuch in Heidelberg

12.07.2006
Das ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg führt gemeinsam mit den Stadtwerken Heidelberg einen Modellversuch zu "informativen Stromrechnungen" durch. Ein Teil der Haushaltsstromkunden erhält dazu eine ergänzte Stromrechnung mit Vergleichswerten und Handlungsvorschlägen zum effizienten Umgang mit Strom.

Einmal im Jahr bringt der Postbote den Stromkunden der Energieversorgungsunternehmen eine Rechnung ins Haus. Erfahrungen zeigen, dass diese Abrechnungen für viele Haushalte wenig verständlich sind. In einer Umfrage zur Kundenzufriedenheit im Privatkundensektor 2005 belegten die Stromversorger von allen untersuchten Branchen den vorletzten Platz, wobei die Kunden neben dem Preis-Leistungsverhältnis vor allem mit der Verständlichkeit und der Aufmachung der Rechnungen unzufrieden waren [1].

Die rein zahlenmäßige Darstellung von verbrauchten Kilowattstunden scheint für die privaten Stromnutzer nicht ausreichend zu sein. Untersuchungen belegen, dass die meisten Verbraucher in Deutschland ihren Stromverbrauch nicht kennen [2]. Was genau eine Kilowattstunde Stromverbrauch bedeutet und wie lange man damit einen Kühlschrank betreiben oder Fernseh schauen kann, können zudem die wenigsten nachvollziehen. Wichtig ist den Kunden vor allem der zu zahlende Kostenbetrag ganz unten auf der Rechnung. Und solange keine Nachzahlungen anstehen und der monatliche Abschlag ansteigt, wird die Rechnung meist abgeheftet, ohne weiter darüber nachzudenken.

In Zeiten steigender Strompreise und der neuen EU-Energiedienstleistungsrichtlinie sind deshalb Veränderungen notwendig. Die im Mai 2006 verabschiedete EU-Richtlinie zu Energieeffizienz und Energiedienstleistungen [3] fordert verständliche Abrechnungssysteme, die den Endverbrauchern eine Steuerung des eigenen Stromverbrauchs ermöglichen. Vorgeschlagen wurde deshalb, die Rechnungen um hilfreiche Informationen zu ergänzen, wie zum Beispiel eine grafische Darstellung der Verbrauchsentwicklung und eine Vergleichsmöglichkeit mit normierten Durchschnittswerten gleicher Haushaltsgrößen. Außerdem sollen die Rechnungen Informationen zu Energiesparmöglichkeiten enthalten und auf Beratungsangebote hinweisen. Mit der EU-Richlinie wurde zudem die Frage aufgeworfen, wie häufig Abrechnungen angeboten werden müssen, damit die Kunden in der Lage sind, ihren eigenen Energieverbrauch zu steuern. Reichen jährliche Abrechnungen dazu aus, oder müssen diese, analog zu Telefonabrechnungen, nicht eher monatlich versand werden? Diese Fragen müssen vor der Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht geklärt werden.

Einen ersten Schritt in diese Richtung haben die Stadtwerke Heidelberg mit Unterstützung des ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg getan. In einem Modellversuch im Juli 2006 erhalten mehr als 6000 Haushalte eine ergänzte "informative Stromrechnung". Ziel des Modellversuches ist es, ein für die Versorger möglichst einfach in die Rechnungserstellung zu integrierendes und kostengünstiges Instrument zu entwickeln, welches den Stromkunden trotzdem nicht nur allgemeine Informationen zum Stromsparen bietet, sondern auch individuelle Rückmeldungen zum eigenen Stromverbrauch gibt.

Die zweiseitige Beilage zur Stromrechnung enthält deshalb als erstes eine Tabelle mit Vergleichswerten von Stromverbräuchen gleicher Haushaltsgröße. Es werden Vergleichwerte mit und ohne elektrische Warmwasserbereitung angegeben. Zusätzlich erhalten die Kunden mit einer Abbildung Hilfestellungen, wo sie den eigenen Verbrauchswert in ihrer Rechnung finden.

Es wird von der These ausgegangen, dass vor allem Stromkunden, deren Verbrauch "hoch" oder "sehr hoch" ist, motiviert werden, sich um Effizienzpotenziale Gedanken zu machen. Um Ihnen den Einstieg in das Thema so einfach wie möglich zu machen, werden im zweiten Teil der Beilage Handlungsoptionen in Form von einfachen und an die Jahreszeit angepasste Stromspartipps gegeben, z.B. zur Vermeidung eines ineffizienten Einsatzes von Raumklimageräten oder zum sommerlichen Trocknen der Wäsche ohne elektrisch betriebenen Trockner. Die Tipps enthalten auch Angaben, welche Kosten bei Ihrer Umsetzung vermieden werden können.

Der dritte Teil der Beilage verweist auf Beratungsangebote der Stadtwerke Heidelberg und der regionalen Energieagentur KliBA. Die Stadtwerke haben damit die Möglichkeit, Ihr Dienstleistungsangebot zum Verleih von Strommessgeräten sowie der Testmöglichkeit von Power-Safern und einem Sortiment von Energiesparlampen an Ihre Kunden zu kommunizieren. Auch die Energieagentur KliBA profitiert von dieser neuen Form der Öffentlichkeitsarbeit, die eine große Zahl von Energieverbrauchern gerade zu dem Zeitpunkt erreicht, in dem sie sich mit dem Thema Energie beschäftigen.

Das Modellprojekt wird vom ifeu-Institut wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Im Herbst 2006 werden die Stadtwerke-Kunden befragt, ob diese informativen Stromrechnungen für sie hilfreich und verständlich waren. Erste Forschungsergebnisse werden Ende 2006 erwartet. Das Vorhaben ist Teil eines Forschungsprojektes zur Stromsparberatung privater Haushalte, welches über das Programm BW-Plus Baden-Württemberg gefördert wird.

Quellen:

[1] ZfK - Zeitschrift für Kommunale Wirtschaft: "Kundenzufriedenheit - Stromversorger auf dem vorletzten Platz", Nr. 11/2005, S. 9.

[2] Öko-Institut, Fraunhofer-Institut ISI: Klimaschutz durch Minderung von Treibhausgasemissionen im Bereich Haushalte und Kleinverbrauch durch klimagerechtes Verhalten. Freiburg, Darmstadt, Berlin 1999/2000/2001, Band 1: Private Haushalte

[3] EU-RICHTLINIE 2006/32/EG vom 5. April 2006 über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen

Weitere Informationen und Kontakt:

Elke Dünnhoff
ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
Wilckensstraße 3, 69120 Heidelberg
Tel.: 06221/4767-81
elke.duennhoff@ifeu.de

Elke Dünnhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifeu.de
http://www.ifeu.org/index.php?bereich=ene&seite=bwberatung

Weitere Berichte zu: Stromkunde Stromrechnung Stromverbrauch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Wie Protonen durch eine Brennstoffzelle wandern
22.06.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht Omicron Diodenlaser mit höherer Ausgangsleistung und erweiterter Garantie
20.06.2017 | Omicron - Laserage Laserprodukte GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften