Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kommunikation statt Kupfer

23.03.2006


Elektronik des Fraunhofer ISE managt neue Energien in bestehenden Netzen Energieversorger und Netzbetreiber können mit einem neuen Energiemanagement-System des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE bei gleich bleibender Kapazität ihrer Netze mehr dezentrale Einspeiser aufnehmen und so Kosten sparen. Die Kommunikationselektronik ist deutlich günstiger als neue Kupferleitungen für die Netzverstärkung. In Stutensee bei Karlsruhe wurde die Hardware in einem viermonatigen Feldversuch erfolgreich getestet. »Das Energiemanagement-System steuerte in der Siedlung »Am Steinweg« in Stutensee die dezentralen Erzeuger so, dass Leistungsspitzen auf der Mittelspannungsebene vermieden wurden. Dadurch sparte der Energieversorger deutlich bei den Strombezugskosten«, sagt Dr. Christof Wittwer, Gruppenleiter Betriebsführung und Systemregelung am Fraunhofer ISE. In diesem Beispiel hätte sich die Elektronik in 2 bis 3 Jahren amortisiert. Man kann sie universell anpassen und online über das Internet sicher fernwarten. Das System kann Erzeuger und Lasten mittels »Fahrplan« steuern und den Betrieb nach frei wählbaren Kriterien optimieren, zum Beispiel – wie in der Siedlung »Am Steinweg« – minimale Kosten. Es können aber auch gezielt Netzüberlastungen vermieden, die Spannungsqualität verbessert oder maximale CO2-Einsparung angestrebt werden.


Von September bis Dezember 2005 testete das Mannheimer Energieunternehmen MVV Energie das Energiemanagement- System in einem realen Niederspannungsnetz in der Siedlung »Am Steinweg« in Stutensee. Es versorgt 101 private Haushalte. Eingebunden sind eine 29 kW Photovoltaik-Anlage, ein 40 kW Blockheizkraftwerk und ein Batteriecontainer, der 1 Stunde lang 100 kW leisten kann. An jedem Generator sitzt eine Kommunikationseinheit, die mit dem zentralen Rechner vernetzt ist. »Das Management-System hat den Testlauf erfolgreich bestanden und die Spitzenlast wie vorgesehen um rund 35 % reduziert«, berichtet Britta Buchholz von der MVV Energie.

Das Pilotsystem wurde im Rahmen des Europäischen Forschungsprojekts DISPOWER entwickelt. Von 2002 bis 2005 beschäftigten sich 38 Partner aus 11 Ländern mit der Frage, wie die zunehmende dezentrale Energieerzeugung in das Stromnetz integriert werden kann. In Mecklenburg- Vorpommern gibt es in einigen Netzen bereits über 40 % erneuerbare Energien. Steigende Anlagenzahlen lassen andernorts ähnliche Entwicklungen erwarten.


Mit dem Energiemanagement-System können Netzbetreiber ohne aufwändige Baumaßnahmen Einspeiser auch bei »schwachem« Netz aufnehmen. Die Datenübertragung zwischen Kommunikationseinheiten und dem Zentralrechner kann über das Internetprotokoll TCP/IP auf viele Arten erfolgen: Netzwerk, GSM/GPRS, Wireless LAN, Modem oder sogar via Powerline über die Stromleitung. »Die Hardware- Konfiguration ist extrem flexibel. Wir können uns optimal auf die Gegebenheiten vor Ort einstellen und den Betrieb online verfolgen«, meint Christof Wittwer. Dezentrale Generatoren können sogar wie ein Großkraftwerk wirken: Viele kleine Erzeugungsanlagen werden dabei so vernetzt, dass sie ein großes Kraftwerk ersetzen.

Das Fraunhofer ISE testete mit Erfolg auch noch eine andere Variante der Netzregelung: »Waschen mit der Sonne«. Einige Haushalte erhielten per SMS eine Nachricht, wann überschüssiger Solarstrom verfügbar ist. Sie bekamen 0,50 € pro Kilowattstunde gutgeschrieben. »Die Bewohner fanden positiv, dass sie durch einfache Maßnahmen aktiv zum Klimaschutz beitragen konnten«, so Sebastian Gölz, Psychologe am Fraunhofer ISE.

Ob über Motivation oder aktive Regelung: Kommunikation kann Kupferleitungen ersetzen und birgt so große Chancen für die Netzbetreiber.

Ansprechpartner für weitere Informationen:
Projektleiter
Dr. Christof Wittwer, Fraunhofer ISE
Tel.: +49 (0) 7 61/45 88-51 15
Fax: +49 (0) 7 61/45 88-92 17
E-Mail: christof.wittwer@ise.fraunhofer.de

Rosemarie Becker | Fraunhofer-Institut ISE
Weitere Informationen:
http://www.ise.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Energieproduzierende Fenster stehen kurz bevor
23.02.2017 | University of Minnesota / Università degli Studi di Milano-Bicocca

nachricht Hauchdünn wie ein Atom: Ein revolutionärer Halbleiter für die Elektronik
23.02.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie