Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brennbares Eis aus dem Meeresboden statt Erdöl, Erdgas und Kohle

13.03.2006


Forscher entdecken Indikator für Methaneis-Vorkommen



Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR)ist es gelungen, den Entstehungsprozess von Methanhydraten zu analysieren und einen Indikator für förderungswürdige Mengen der brennbaren Substanz zu finden. Der wirtschaftliche Abbau des "weißen Goldes" ist damit ein Stück näher gekommen. Methanhydrate, auch als Methaneis bekannt, lagern tief unter dem Meeresboden und bestehen aus Methan, das in gefrorenes Wasser eingelagert ist. Unter Wissenschaftlern wird die Kombination aus Wasser und Erdgas bereits seit längerem als Energiequelle der Zukunft gehandelt. Forscher schätzen, dass die Vorräte an Methanhydraten fast doppelt so viel Energie liefern können wie alle Erdöl-, Erdgas- und Kohlelagerstätten der Erde zusammen.



Bei Untersuchungen im Westatlantik haben die Kieler Meeresforscher entdeckt, dass man förderungswürdige Mengen der Methanhydrate anhand von Gasblasen orten kann. "Die Vorkommen von Methanhydraten verteilen sich auf weite Flächen. Der Abbau lohnt sich nur an den Stellen, an denen die Substanz in großen Mengen vorkommt, sonst verbraucht man mehr Energie als man letztendlich gewinnt", erklärt Klaus Wallmann, Professor am IFM-GEOMAR und Koordinator des Kieler Forschernetzwerks "Ozean der Zukunft", im Gespräch mit pressetext. Größere Mengen Methaneis entstehen dadurch, dass freiwerdende Gase aus dem Abbau organischer Substanzen aus einer Tiefe von ein bis drei Kilometern unter dem Meeresboden aufsteigen und in einer Tiefe von 100 bis 500 Metern zu Gashydraten gefrieren. Die Schichten in dieser Tiefe sind kälter als die Sedimente weiter unten.

Das brennende Potenzial der Methanhydrate sieht man der Substanz auf den ersten Blick nicht an. Einmal aus der Tiefe des Meeres hervorgeholt, sehen die Methanhydrate nicht viel anders aus als ein Schneebrocken. "Zündet man das Methaneis an, brennt das Erdgas und das Wasser schmilzt. In den Ofen sollte man das Methanhydrat deshalb lieber nicht werfen", so Wallmann schmunzelnd. "Ziel ist es, nur das Erdgas zu verwerten." Bevor das aus den Methanhydraten gewonnene Gas wirtschaftlich genutzt werden kann, müssen allerdings noch viele Fragen geklärt werden. "Wir wissen noch wenig darüber, wie viele Methanhydrat-Vorkommen es an welchen Stellen gibt und wie viel Methan vom System abgegeben wird", berichtet der Kieler Forscher. "Das System der Methanhydrate ist offen und sehr dynamisch. Das Methaneis zersetzt und bildet sich ständig neu."

Unklar ist auch noch, wie man den Abbau des "weißen Goldes" nachhaltig gestalten kann, ohne den Treibhauseffekt durch Freisetzen des klimaschädlichen Methans noch weiter zu verschärfen. Des weiteren liegen noch keine Untersuchungen darüber vor, wie sich der Abbau von Methaneis auf die Stabilität und die Lebenswelt des Meeresbodens auswirkt. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen einer zukünftigen Nutzung sind noch nicht geklärt. Zur Zeit untersuchen die Wissenschaftler des Forschernetzwerks "Ozean der Zukunft", ob es sinnvoll wäre, abgebautes Methaneis im Meeresboden durch Kohlendioxid zu ersetzen und ob sich ein CO2-neutraler Abbau der Substanz rentieren würde. Auch an der Technik für die Bergung von Methanhydraten wird weltweit geforscht. "In Japan wird eine Fördertechnik von Methaneis, bei der die Wasser-Erdgas-Mischung thermisch zersetzt wird, bereits getestet", berichtet Wallmann.

Verena Töpper | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de
http://www.ozean-der-zukunft.de

Weitere Berichte zu: Erdgas Erdöl Meeresboden Methan Methaneis Methanhydrat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Tierschutz auf hoher See
17.01.2017 | Helmut-Schmidt-Universität, Universität der Bundeswehr Hamburg

nachricht Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht
16.01.2017 | Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau