Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Energie für Ghana

20.02.2006


Die Fachhochschule Gelsenkirchen arbeitet an einem unabhängigen Energie- und Wasserversorgungssystem für das Dorf Busunu in Nord-Ghana: Die Sonne und eine Wolfsmilchnuss machen das Dorf unabhängig von überörtlichen Versorgungsnetzen und bringen Bildung und bescheidenen Wohlstand nach Busunu. Der Kontakt entstand über die St.-Johannes-Kirchengemeinde im Selmer Ortsteil Cappenberg, gesponsert wird das Projekt von den Rotariern in Lünen.



Gelsenkirchen. Manchmal braucht es mehr als einen Professor, um ein zugleich wissenschaftliches und humanitäres Projekt zum Erfolg zu führen. An der Fachhochschule Gelsenkirchen arbeiten bereits acht Professoren ehrenamtlich daran mit, dem Dorf Busunu in Nord-Ghana eine netzunabhängige Versorgung mit Strom und Wasser zu ermöglichen. Gleichzeitig fördert das Projekt die Landwirtschaft und die Bildung der Bevölkerung. Dass es Busunu zugute kommt, ist ein wenig Zufall, denn der Kontakt ergab sich über die Sankt-Johannes-Kirchengemeinde im Selmer Ortsteil Cappenberg des Projektleiters Prof. Dr. Alfons Rinschede. Und so kommt Busunu in den Genuss eines nach und nach dorfumspannenden ökologischen, regenerativen, von Lieferanten unabhängigen Energie- und Wassersystems. Aber vielleicht werden ja noch viele folgen.

... mehr zu:
»Busunu »Ortsteil »Samen


Doch der Reihe nach: Am Anfang stand der Bau einer Missionsstation, die Rinschede mit Hilfe des "Ghana-Arbeitskreises St. Johannes Cappenberg" in Busunu organisierte. Zur Versorgung des Ortspriesters gleich mit einem Garten für den Eigenbedarf an frischen Lebensmitteln. Ein Garten braucht Wasser und deshalb kam ein Brunnen dazu. Um unabhängig von der Trockenzeit in der Savanne Nordghanas zu sein, musste es ein tiefer Brunnen sein. Da braucht es Strom für die Pumpe. Der Strom kommt mit Solarzellen aus der Sonne. "Technisch zu teuer für das ganze Dorf", so die Expertenmeinung von Rinschede. Er griff eine Idee auf, die die französischen Kolonialherren schon mal hatten: Sie führten die eigentlich in Südamerika beheimatete Jatropha-Nuss ein, eine Pflanze aus der Familie der Wolfsmilchgewächse. Deren Samen sind giftig, aber sehr stark ölhaltig. Die Franzosen betrieben mit dem Öl Straßenlaternen. Rinschede will damit einen Spezial-Motor antreiben, der den Strom aus der Sonne mit Strom aus einem Generator ergänzen soll. Vorteil des Motors ist, dass er direkt mit dem gefilterten Öl betrieben werden kann, ohne dass eine industrielle Raffination erfolgen muss. Denn das hieße wieder Abhängigkeit. Und noch eine dritte Energiequelle kann die Jatropha erschließen. Der Presskuchen der Samen wird fermentiert, wobei Biogas entsteht, das in Busunu demnächst als Kochgas Verwendung finden wird und damit teures Brennholz ersetzt.

Von Jahr zu Jahr wächst mit der Unterstützung durch die Rotarier Lünen das Versorgungssystem. Zu der Missionsstation kam eine Kirche, das Haus des Bürgermeisters erhielt Strom, ein Kindergarten und die Schule werden ans innerdörfliche Stromnetz angeschlossen, für das die Deutschen mit tatkräftiger Hilfe der Dorfmitglieder Erdkabel verlegten, die ihnen von Betrieben aus dem Emscher-Lippe-Raum geschenkt worden waren. Im März 2006 wird die Krankenstation ans Netz gehen sowie die ersten Wohnhäuser.
Um neben der Sonne als Energielieferant für fotovoltaisch erzeugten Strom genügend Antriebsöl für die etwa 1000 Dorfbewohner zu erzeugen, braucht es rund zehn Hektar Anbaufläche für die Jatropha-Büsche, so die Kalkulation von Rinschede. Er will, dass die Dorfbewohner die Jatropha als Hecken anpflanzen und dazwischen den traditionellen Anbau von stärkehaltigen Pflanzen wie Yams, Mais oder Maniok durch vitaminreiches Gemüse ergänzen. Den Feldern kommt außerdem der fermentierte, entgaste Presskuchen noch als Dünger zugute.

Ein solches System brauchte zur Entwicklung und Verwirklichung viele Köpfe, für die Rinschede seine Professorenkollegen einspannte: Einer kümmerte sich um die Fotovoltaik, ein anderer um die Generatortechnik, wieder andere um die Motortechnik, die Brecher für die Nüsse, die Fermentation und Gasgewinnung und -verteilung, das Wasserleitungsnetz, die Ölfiltration. Dabei kam es dem Team zugute, dass die meisten beteiligten Professoren bereits im Energie-Institut der Fachhochschule Gelsenkirchen zusammen arbeiten und es gewöhnt sind, miteinander und in geschlossenen Systemen zu denken. In diesem Fall zum Vorteil der Busuner. Studierende komplettieren das Team mit Teilprojekten in ihren Praxisphasen und Abschlussarbeiten.

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:
Prof. Dr. Alfons Rinschede, Institut "Demand Logistics" der Fachhochschule Gelsenkirchen, Telefon (0209) 9596-180, Telefax (0209) 9596-164, E-Mail alfons.rinschede@fh-gelsenkirchen.de

Dr. Barbara Laaser | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-gelsenkirchen.de/

Weitere Berichte zu: Busunu Ortsteil Samen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Innovatives Messmodul zur Bestimmung der Inaktivierungsleistung von UV-Hygienisierungsanlagen
22.01.2018 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht TU Wien entwickelt neue Halbleiter-Bearbeitungstechnik
22.01.2018 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics