Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Beitrag zur sicheren Stromversorgung Kaliforniens

14.09.2001


Siemens rüstet HGÜ-Gleichrichterstation mit direkt lichtgezündeten Thyristoren aus

Der Siemens-Bereich Power Transmission and Distribution (PTD) hat von der Bonneville Power Administration (BPA) in Portland, Oregon, USA, den Auftrag erhalten, 36 neuartige Thyristorventile für die bestehende Gleichrichterstation Celilo der Hochspannungsgleichstrom-Übertragungsstrecke (HGÜ) Pacific Intertie zu liefern. Der Auftrag - mit einem Wert von 20 Mio. Euro - repräsentiert eine Stromrichterleistung von insgesamt 1600 Megawatt. Die Thyristorventile arbeiten mit direkt lichtgezündeten Thyristoren, die die bisherige Gleichrichtertechnik auf Basis von Quecksilberdampfventilen ablösen. Der Einbau der neuen Thyristortechnik ermöglicht es dem amerikanischen Stromversorger BPA, seine inzwischen dreißig Jahre alte Gleichrichterstation wirtschaftlich und sicher weiterzubetreiben. Die HGÜ-Verbindung Pacific Intertie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung Kaliforniens.


Die Hochspannungsgleichstrom-Übertragungsstrecke Pacific Intertie führt vom Columbia River in Oregon über rund 1200 Kilometer nach Los Angeles. Sie wurde 1970 mit einer Übertragungsspannung von 400 Kilovolt und einer Leistung von 1440 Megawatt in Betrieb genommen. Die beiden Stromrichterstationen wurden ursprünglich mit Quecksilberdampfventilen ausgestattet. Spätere Erweiterungen erhöhten die Leistung der Übertragung auf 3100 Megawatt bei einer Nennspannung von 500 Kilovolt. Die kritischen Elemente der dreißig Jahre alten Stationen sind die Quecksilberdampfventile. Ihre ursprüngliche Lebenserwartung betrug zwanzig Jahre. Die Ventile sind sehr störungsanfällig und erfordern einen sehr hohen Wartungsaufwand - schon aus Umweltschutzgründen. Außerdem hat der Hersteller die Ersatzteilversorgung vor Jahren eingestellt.

Siemens stellte der Bonneville Power Administration bereits 1997 ein Thyristorventil mit der neu entwickelten Technik der direkt lichtgezündeten Thyristoren zur kommerziellen Erprobung über eine Dauer von zwei Jahren zur Verfügung. Das Thyristorventil bauten die Siemens-Techniker anstelle eines Quecksilberdampfventils ein. Aufgrund des ausgezeichneten Betriebsverhaltens des Halbleiterelements übernahm Bonneville Power das Ventil schon nach elf Monaten. Seitdem versieht es störungsfrei seinen Dienst.



Hintergrundinformation
Bei der von Siemens entwickelten Technik der direkten Lichtzündung werden die Thyristoren durch einen Lichtimpuls von 10 Mikrosekunden Dauer und einer Spitzenleistung von 40 Milliwatt eingeschaltet. Zusätzlich ist in das Bauelement ein Überspannungsschutz integriert. Damit schützt es sich durch Einschalten selbst, wenn die anliegende Spannung in Vorwärtsrichtung den zulässigen Grenzwert überschreitet. Der Lichtimpuls wird über Glasfaserleiter von der Ansteuerung auf Erdpotenzial direkt bis zum Gate des Thyristors gebracht.

Bei der konventionellen Technik der Hochspannungs-Thyristorventile dagegen werden elektrisch gezündete Thyristoren verwendet, die einen Impuls mit einer Spitzenleistung von einigen Watt benötigen. Dieser Impuls wird durch eine aufwendige Elektronik am Einbauplatz jedes Thyristors erzeugt. Die Elektronik, die mit Hilfsenergie versorgt werden muss, wird ihrerseits durch optische Signale von der Ansteuerung auf Erdpotenzial aktiviert. Der Wegfall dieser Elektronik bei der direkten Lichtzündung reduziert die Anzahl der elektrischen und elektronischen Komponenten im Thyristorventil um etwa 80 Prozent. Dadurch steigt die Zuverlässigkeit, und Probleme mit der elektromagnetischen Verträglichkeit gehören der Vergangenheit an. Auch die Frage der Langzeitverfügbarkeit von elektronischen Bauelementen als Ersatzteile über mindestens 30 Jahre stellt sich bei der neuen Thyristortechnik nicht mehr.


Der Siemens-Bereich Power Transmission and Distribution (PTD), Erlangen, ermöglicht als Produktlieferant, Systemintegrator und Dienstleister den Transport elektrischer Energie vom Kraftwerk zum Verbraucher. Klassische Produkte wie Schaltanlagen und Transformatoren machen bei Siemens PTD heute nur noch knapp die Hälfte des Umsatzes aus. Mehr als 30 Prozent erwirtschaftet der Bereich mit Produkten und Systemen, die von Elektronik, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Software bestimmt sind, und bereits 20 Prozent mit Dienstleistungen. Siemens PTD hat im Geschäftsjahr 2000 (30. September) mit rund 19.800 Mitarbeitern und weltweit 50 Fertigungsstandorten einen Umsatz von 3,3 Mrd. Euro und einen Gewinn vor Zinsen und Ertragssteuern (EBIT) von 149 Mio. Euro erzielt.

Dietrich Biester | NewsDesk
Weitere Informationen:
http://w4.siemens.de/de2/html/press/newsdesk_archive/2001/www.ptd.siemens.de

Weitere Berichte zu: Elektronik Intertie Thyristor Thyristorventil

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Fraunhofer-Forscher entwickeln Hochdrucksensoren für Extremtemperaturen
28.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM

nachricht Mit unkonfektionierten Kabeln durch die Schaltschrankwand
26.06.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive