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Mix von heimischer Steinkohle und Importkohle dauerhaft notwendig

24.03.2005


Die Primärenergieversorgung Deutschlands ist heute zu über 60 % von Importen abhängig. Dabei ist Kernenergie schon als heimische Energie gerechnet, obwohl Uran eingeführt werden muss. Ein großer Teil der Importe kommt zudem aus politischen Risikozonen. Bei Mineralöl und Erdgas ist diese Abhängigkeit vom Weltmarkt noch höher, was mangels ausreichender eigener Vorkommen unvermeidbar ist. Anders ist das bei der Steinkohle: Hier haben wir große heimische Vorkommen: Zwei Drittel der Energierohstoffreserven in Deutschland sind Steinkohlenlagerstätten.

Auf diese größte heimische Energie- und Rohstoffreserve darf Deutschland nicht verzichten. Der Zugang zur Lagerstätte kann nur durch einen lebenden Steinkohlenbergbau erhalten werden. Wer dagegen meint, auf eigene Energiereserven verzichten zu können, weil die Kohle weltweit über große Lagerstätten verfügt und langfristige Lieferabsicherungen möglich seien, verkennt wichtige Sachverhalte des Weltkohlenmarktes.

Außer in den Versorgungsrisiken liegt das wirtschaftliche Risiko einer völligen Importabhängigkeit von Steinkohle nicht nur im Export von Arbeitsplätzen im Bergbau oder Stromausfällen. Auch die industriellen Kohleverbraucher wie die Stahlindustrie und die nachfolgende Wertschöpfungskette würden den Standort wechseln, wenn die Kohleversorgung unsicher ist.

Für Industriestaaten ist hohe Importabhängigkeit beim Schlüsselfaktor Energie niemals unproblematisch. In den USA wird die Sicherheit der Energieversorgung auf eine Stufe mit der nationalen Sicherheit gestellt. Die EU-Kommission hat in ihrem Grünbuch über die Energieversorgungssicherheit schon im Jahr 2000 die steigende Abhängigkeit der EU von Energieimporten aus dritten Ländern als "Schwachstelle" der Energieversorgung und "Achillesferse" der europäischen Wirtschaft eingestuft.

Sie identifizierte im Grünbuch gleich vier Arten von Versorgungsrisiken: "Physische Risiken" (mengenmäßige Engpässe und Lieferunterbrechungen), "wirtschaftliche Risiken" (Preisschwankungen und Kostenbelastungen), "ökologische Risiken" (Transportunfälle und Umweltschäden) sowie "gesellschaftliche Risiken" (soziale Spannungen und Konflikte).

Als Gegenmaßnahme hatte die EU-Kommission seinerzeit u.a. den Erhalt eines Mindestproduktionssockels an heimischer Steinkohle vorgeschlagen, um den Zugang zu den Reserven zu sichern. Diesem Vorschlag ist der Rat 2002 in der seither geltenden EU-Verordnung über die Steinkohlebeihilfen ausdrücklich gefolgt. Die Steinkohlepolitik der deutschen Bundesregierung ebenfalls. Die Steinkohlenförderung soll von derzeit 26 Mio t/Jahr bis 2012 auf 16 Mio t zurückgeführt werden.

Damit wäre ein Sockelbergbau erreicht, der - wie schon 1990 von der Kohle-Kommission unter Leitung von Prof. Mikat empfohlen - den Bergbau dazu instand setzt, "gegen die Risiken des Weltmarktes als Option zu dienen" und die eigenen Lagerstätten zur Risikovorsorge "gegen strukturelle Änderungen am Weltmarkt" zu nutzen.

Welche Risiken gibt es bei der Importkohle?

  • Nur ein relativer kleiner Anteil der Weltkohlenproduktion, derzeit rd. 15%, wird international gehandelt, d.h. nur eine Restgröße der Weltkohlenförderung steht für den Bedarf anderer Länder zu Verfügung.

  • Die Kohlenachfrage wächst weltweit rasch. Vor allem China und Indien haben einen immensen "Kohlenhunger", aber auch die USA wollen wieder verstärkt Kohle einsetzen. Die Nachfragekonkurrenz am Kohleweltmarkt verschärft sich. Der enorme Nachfragesog Chinas hat schon im letzten Jahr zu einem kräftigen Anstieg der internationalen Kokskohlen- und vor allem Kokspreise geführt. Teilweise gab es sogar Lieferengpässe. Auch bei Kraftwerkskohlen sind dramatische Entwicklungen in Zukunft nicht auszuschließen.

  • Zugleich nimmt die Angebotskonzentration am Kohleweltmarkt deutlich zu. Immer weniger Unternehmen treten als Anbieter auf, darunter kein einziges deutsches mehr. Mittlerweile hat eine Gruppe von vier global tätigen angloamerikanischen Unternehmen ("Big Four") in der Exportproduktion von Kohle eine sehr starke Weltmarktstellung errungen. Diese Gruppe stand inzwischen wiederholt unter Kartellverdacht, manche Verbraucher sprechen von der "Kohle-OPEC". Ähnliches vollzieht sich bei anderen Rohstoffen, z.B. beim Eisenerz.

  • Auch die regionale Angebotskonzentration am Kohleweltmarkt ist beträchtlich. Bei Kraftwerkskohle kommen über 80 % der Exporte aus nur fünf Ländern. Zwei Drittel aller Kokskohlenexporte stammen allein aus Australien, die Hälfte der Koksexporte aus China. Von den Steinkohlenimporten nach Deutschland entfallen 75 % auf nur fünf Länder, wobei die Einfuhren aus Polen inzwischen rückläufig sind.

  • Manche bedeutende Lieferländer von Kohlen gelten als Risikoländer. Viele Kohlenimporte müssen über sehr große Strecken, z.T. um den halben Globus, transportiert werden und tragen ein hohes Transportkostenrisiko. Geopolitische Risiken gewinnen auch auf dem Kohleweltmarkt an Gewicht. Ohnehin machen politische Konflikte und Krisen oder gar Kriege auch vor den Produktions- und Transportkapazitäten des internationalen Kohlehandels nicht halt.

  • Der politische Faktor darf auf dem Kohlenweltmarkt nicht außer acht gelassen werden. Denn fast 75 % der Weltproduktion und 65 % der -vorräte konzentrieren sich auf die globalen Super- und Großmächte USA, China, Russland und Indien. Diese haben (auch) bei der Kohle auf Dauer große Verfügungsmacht. Ein Stück Unabhängigkeit erhält nur der Zugriff auf eigene Reserven.

Importkohle ist keineswegs risikofrei. Ein heimischer Sockelbergbau ist dagegen eine absolut zuverlässige Lieferquelle und kann im Energiemix einen wesentlichen Beitrag zur Risikobegrenzung leisten. Deswegen und als Garant auch für den künftigen Zugriff auf die großen heimischen Lagerstätten bleibt er zur Risikovorsorge für Deutschlands Energie- und Rohstoffversorgung unverzichtbar.

Andreas-Peter Sitte | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.gvst.de

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