Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vor allem Erdgas soll den Wegfall von Atomstrom in Deutschland ersetzen

10.02.2005


Die in den vergangenen Wochen wieder aufgeflammte Kontroverse um den Ausstieg aus der Atomkraft in Deutschland zeigt, dass dieses Thema noch längst nicht ausdiskutiert ist. So stellt sich nach wie vor die Frage, wie bei einem Anteil der Kernenergie an der deutschen Stromerzeugung von derzeit 28 Prozent dieser Strombedarf nach Abschaltung der Kernkraftwerke gedeckt werden soll.

... mehr zu:
»Atomstrom »Erdgas »Gaskraftwerk

Die im aktuellen ZEW-Energiemarktbarometer befragten Experten setzen hierbei in ihrer Mehrheit zwar auf "graue" Szenarien, bei denen die klassischen Energieträger und Stromimporte dominieren, eine beachtliche Minderheit hält allerdings auch eine "grüne" Option für möglich, in der gemeinsam mit Gaskraftwerken vor allem die erneuerbaren Energien die Lücke füllen, die die Atomkraft hinterlässt.

Das Energiemarktbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ist eine halbjährliche Umfrage unter mehr als 200 Experten aus Wissenschaft, Energieversorgungs-, Energiehandels- und Energiedienstleistungsunternehmen zu ihren Erwartungen bezüglich der kurz- und mittelfristigen Entwicklung an den nationalen und internationalen Energiemärkten. Wie das aktuelle ZEW-Energiemarktbarometer zeigt, setzt eine deutliche Mehrheit von 46 Prozent der befragten Experten angesichts der fünf Alternativen: Gaskraftwerke, Kohlekraftwerke, erneuerbare Energien, Einsparmaßnahmen und Stromimporte in erster Linie auf den Zubau von Gaskraftwerken, um die wegfallende atomare Kraftwerkskapazität zu ersetzen.


Bei der Frage, mit welchen anderen Energieträgern beziehungsweise Maßnahmen der verstärkte Einsatz von Gas in Zukunft kombiniert wird, um Atomstrom zu ersetzen, gehen die Ansichten der Experten allerdings auseinander. 31 Prozent gehen von Gas in Kombination mit Kohle als den beiden vorrangigen Alternativen aus. Gaskraftwerke und Stromimporte halten mehr als 20 Prozent der Teilnehmer für die wahrscheinlichsten Maßnahmen. Und immerhin mehr als 15 Prozent der Experten vertreten die Meinung, dass eine Kombination von Gas mit erneuerbaren Energien den wichtigsten Ersatz für Atomstrom darstellen wird.

Das Befragungsergebnis legt die Interpretation nahe, dass den Einschätzungen der Experten anscheinend so etwas wie "graue" und "grüne" Erwartungen zugrunde liegen. Kohle und Gas könnte man als "graues" Kernenergie-Ersatzszenario bezeichnen, während Gas und erneuerbare Energien eher eine "grüne" Strategie darstellen. Gleichzeitig zeigt sich, dass praktisch niemand eine Kombination aus Kohlekraftwerken und erneuerbaren Energien für sehr wahrscheinlich hält. Auch technisch wäre diese Kombination wenig sinnvoll, da ein steigender Anteil erneuerbarer Energien oft eine zeitlich schwankende Erzeugung bedeutet, die besser mit den flexibleren Gaskraftwerken als mit Kohle-Mittel- und -Grundlastkraftwerken ausgeglichen werden kann.

Dem "grauen" Ersatzszenario - also dem Zubau von Kohle- und Gaskraftwerken - liegt möglicherweise die Überlegung zugrunde, die durch die Abschaltung der Kernkraftwerke wegfallende Kapazität sei so groß, dass sie nur mit heute schon wirtschaftlichen Technologien ersetzt werden könne, ohne die Versorgung akut zu gefährden. Dagegen könnte die Erwartung eines "grünen" Ersatzszenarios die aktuelle Beschlusslage zu den erneuerbaren Energien und zum Atomausstieg zur Grundlage haben. Unter der Annahme, dass der Atomausstieg bis 2020 nahezu abgeschlossen sein soll, müssten bis zu diesem Zeitpunkt rund 28 Prozent der gesamten Stromerzeugung in Deutschland ersetzt werden. Mit dem geplanten Ausbau der erneuerbaren Energien von heute etwa 10 auf 20 Prozent im Jahr 2020 wäre bereits ein großer Anteil des wegfallenden Atomstroms ersetzt. In Kombination mit diesem Ausbau bietet sich der Zubau von Gaskraftwerken an. Erdgas spielt in der energiepolitischen Diskussion also nicht zuletzt deshalb eine so hervorgehobene Rolle, weil es sowohl Bestandteil einer "grauen" als auch einer "grü-nen" Energiestrategie ist und damit zumindest teilweise Eigenschaften eines energiepolitischen Konsenses in sich trägt.

In einer energieimportabhängigen Region wie der EU und besonders in Deutschland bleiben Änderungen beim Strommix, wie etwa der erwartete erhebliche Zubau an Gaskraftwerken, nicht ohne Konsequenzen. So gehen 83 Prozent der Experten davon aus, dass die wirtschaftliche Abhängigkeit Deutschlands vom Erdgas in den nächsten fünf Jahren zunehmen wird. Für die USA erwarten dies dagegen nur 60 Prozent. Ganz anders präsentiert sich das Bild beim Rohöl. Während für Deutschland etwa 47 Prozent der befragten Experten eine zunehmende wirtschaftliche Abhängigkeit von diesem Energieträger erwarten und rund 40 Prozent eine stagnierende beziehungsweise 12 Prozent eine abnehmende Abhängigkeit, geht für die USA eine deutliche Mehrheit von knapp 73 Prozent der Befragten von einer zunehmenden Abhängigkeit vom Rohöl aus. Die im Vergleich zu den USA weniger stark steigende wirtschaftliche Abhängigkeit mag unter anderem die Erwartungen widerspiegeln, dass in Deutschland den Anstrengungen, die Dominanz des Öls zurückzudrängen, durchaus Erfolgschancen eingeräumt werden.

Ansprechpartner:

Dr. Ulf Moslener
Telefon: 0621/1235-209, Fax: -226, E-Mail: moslener@zew.de

Katrin Voss | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de

Weitere Berichte zu: Atomstrom Erdgas Gaskraftwerk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Mit unkonfektionierten Kabeln durch die Schaltschrankwand
26.06.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

nachricht Gehäuse für schwere Steckverbinder in platzsparender Ausführung
26.06.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie