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Stromstudie: Niedrigere Netztarife gefährden Versorgungssicherheit

24.01.2005


Experte: Drastische Preissenkungen haben langfristige Auswirkungen



Die Höhe der Strom-Netztarife steht laut einer aktuellen Studie des Energieinstitutes an der Johannes Kepler Universität Linz im direkten Zusammenhang mit der Versorgungssicherheit. Nach der Studie wird der Netztarif beeinflusst durch die Zahl der Stromausfälle (55 Prozent), gefolgt von Stromverbrauch mit 28 Prozent und dem Marktanteil des Energieversorgers mit 17 Prozent. Zu drastische Einsparungen bei den Netztarifen senken zwar die Strompreise, bergen aber die Gefahr von Ausfällen.



Eine einzige Stunde Stromausfall kostet der österreichischen Volkswirtschaft 40 Mio. Euro, daher kann nach der Studie eine zu starke Senkung der Netztarife dem Wirtschaftsstandort Österreich langfristig schaden. Das Energieinstitut fordert daher einen effizienten Kompromiss zwischen möglichst niedrigen Netztarifen und möglichst hoher Versorgungssicherheit. Obwohl der Strombedarf in den vergangenen Jahren durchschnittlich um 2,2 Prozent pro Jahr angestiegen ist, wurden die Versorgungsnetze sowohl in Österreich als auch international nicht adäquat nachgerüstet, so das Studienergebnis. Damit steige die Gefahr eines großflächigen Stromausfalls. Für einen attraktiven Wirtschaftsstandort sei deshalb die Investition in die Versorgungssicherheit des Netzes wichtig. Die Senkung der Stromausfälle um ein Prozent erhöht die Netzkosten (und damit die Netztarife) für ein durchschnittliches europäisches Land um etwa 0,26 Prozent (acht Cent/MWh).

Im Vergleich betrug die Dauer der Stromausfälle in Österreich im Jahr 2002 nur 43 Minuten (Rang drei im EU-Vergleich), in den skandinavischen Ländern mit niedrigen Netztarifen kam es zu deutlich mehr Stromausfällen (Schweden 162 Minuten, Finnland 230 Minuten und Norwegen 315 Minuten). Je höher der gesamte Stromverbrauch eines Landes ist, desto niedriger sind auch die durchschnittlichen Netztarife, so das zweite Kernergebnis der internationalen Vergleichsstudie. Im europäischen Vergleich verbrauchen die skandinavischen Länder drei- bis fünf Mal so viel Strom wie die übrigen europäischen Staaten, daher sind auch die Netztarife dementsprechend niedrig. Im europäischen Durchschnitt bedeutet die Senkung des Stromverbrauchs um ein Prozent eine Netztariferhöhung im Ausmaß von 0,14 Prozent (4,3 Cent/MWh).

Das dritte Kernergebnis ist, je höher der Marktanteil des größten Netzbetreibers ist, umso höher fallen auch die Netztarife aus. Liberalisierung und Marktvielfalt führen zu einer Senkung der Netztarife. Für ein durchschnittliches europäisches Land bedeutet eine Erhöhung des Marktanteils des größten Energieversorgers um ein Prozent eine Erhöhung der Netztarife um 0,15 Prozent (4,6 Cent/MWh).

Obwohl die Netztarife zwischen 2001 und 2003 in Österreich bereits um insgesamt 246 Mio. Euro gesenkt wurden (dies entspricht einer Senkung des Endverbraucherpreises von durchschnittlich 12 Prozent) ist auch laut der aktuellen Studie des Energieinstitutes ein Einsparungspotenzial bei den Netztarifen vorhanden. Bis jetzt ist es allerdings nicht gelungen, das noch bestehende weitere Senkungspotenzial fundiert zu quantifizieren, so Horst Steinmüller, Geschäftsführer des Energieinstituts, zu pressetext.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.energieinstitut-linz.at

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