Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strom und Trinkwasser mit geothermischer Energie: Wirtschaft trifft Wissenschaft.

13.03.2001


... mehr zu:
»EGEC »Geothermie »Trinkwasser
Altheim für einige Tage geothermischer Mittelpunkt von Europa
Gäste und Veranstalter vom großen Erfolg überrascht

Vom 8. bis 9. 3. 2001 fand in Altheim das 2. Business Seminar des European Geothermal Energy Council / EGEC statt. Fast 150 Teilnehmer aus 17 europäischen Staaten hatten sich dafür auf den Weg in die oberösterreichische Marktgemeinde gemacht. Zu den Mitveranstaltern des von der Europäischen Union unterstützten Kongresses zählten die Geothermische Vereinigung e. V., als Fachverband für die Erdwärmenutzung in Österreich und Deutschland sowie die Marktgemeinde Altheim selbst. Die Tagung stand unter der Schirmherrschaft des oberösterreichischen Landeshauptmanns (Ministerpräsidenten) Dr. Josef Pühringer. Die Grüße der Landesregierung überbrachte Landesrat (Minister) Josef Fill dem internationalen Publikum.

Das Kürzel EGEC steht für den europäischen geothermischen Wirtschaftsverband. Auf seinen Schwerpunktseminaren treffen sich Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft um neue Entwicklungen zu diskutieren oder anzustoßen, Erfahrungen auszutauschen, Projekte auf den Weg zu bringen. Die erste Veranstaltung in Ferrara 1999 stand vor allem für eine europaweite Bestandsaufnahme, der Organisation der europäischen geothermischen Industrie, und befasste sich mit dem Stand der Dinge, den Trends und Perspektiven im Bereich der Wärme- und Kälteversorgung. Die Themen der Altheimer Veranstaltung waren ein Spiegel der Entwicklung, die Forschung und Anwendung in den letzten beiden Jahren genommen hatten: Alles drehte sich um die Bereiche Stromproduktion und Trinkwassergewinnung mit geothermischen Ressourcen und Verfahren.

Die Teilnehmer kamen daher vor allem aus den Bereichen der Energieversorgung und Anlagenbetrieb, aus Planungsbüros und Ingenieurgesellschaften, von Bohr- und Bohrserviceunternehmen, Turbinen- und Anlagenherstellern sowie aus Forschungseinrichtungen, die sich mit der Nutzung der Erdwärme für die Stromversorgung auseinandersetzen.

In Altheim wurde in den vergangenen Wochen eine innovative Organic-Rankine-Turbine (ORC-Tubine) installiert. Sie ist die erste, die mit einem neuen Verfahren geothermischen Strom diesseits der Alpen produziert. Damit erschließen sich für die Nutzung erneuerbarer Energien völlig neue Perspektiven. Das war auch der Grund, weshalb das EGEC die oberösterreichische Marktgemeinde als diesjährigen Veranstaltungsort ausgewählt hat.

Neben dem Altheimer Turbinenkonzept wurden aber auch weitere Kraftwerkslinien vorgestellt und diskutiert, etwa solche, wie sie derzeit auf den Azoren, Island, in Italien oder der Karibik zum Einsatz kommen. Die Erfolge der europäischen Hot-Dry-Rock-Forschungsgruppe werden inzwischen in der Szene heiß diskutiert und scheinen nun auch in kommerziellen Anlagenplanungen ihren Niederschlag zu finden. Zwei Vorträge befassten sich mit diesem Themenkomplex. Hot-Dry-Rock ist ein Verfahren, dass es ermöglicht, Strom direkt aus dem heißen Gestein des Untergrunds zu produzieren ohne auf Thermalwasser- oder Heißdampfvorkommen angewiesen zu sein. Damit wäre der Einsatz geothermischer Kraftwerke überall möglich.

Noch relativ neu hängt am geothermischen "Schwarzen Brett" das Aufgabengebiet Trinkwassergewinnung bzw. Meerwasserentsalzung. Hier gibt es interessante technische Strategien und ein Projekt auf der griechischen Insel Milos. Sauberes Trinkwasser zu sozial und wirtschaftlich akzeptablen Rahmenbedingungen mit geothermischen Methoden nachhaltig zu produzieren, das ist eines der Ziele, die von Wirtschaft und Wissenschaft in den nächsten Jahren gemeinsam verfolgt werden. Die Geothermie bietet Lösungen an, die helfen, dieses Problem langfristig zu bewältigen.

Keine Angst vor dem Ende des Ölzeitalters? Wasserstoff wird als Treibstoff der Zukunft gehandelt. Um ihn herzustellen braucht es aber erst einmal des Einsatzes von Energie. Diese könnte überall auch geothermisch bereit gestellt werden. Die Projektskizze einer "geothermischen Wasserstofftankstelle" soll dazu erste Hinweise und Ideen liefern. Sie wurde erstmals in Altheim der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Geothermie bewegt sich immer schneller weg von ihren klassischen, auf wenige geologische Formationen beschränkte Nutzungsformen hin zu einer neuen, universell einsetzbaren Technologiepalette. Besonders deutlich wird das im Bereich der Stromerzeugung. Weite Regionen, besonders im Balkanraum, sind geothermisch kaum oder überhaupt noch nicht erschlossen. Dabei könnten die dort vorgefundenen riesigen Potentiale für die nationale Stromversorgung und für den Export bedeutende Beiträge leisten, selbst dann, wenn nur herkömmliche Anlagen und Verfahren zum Einsatz kommen würden. Neue Turbinen, innovative Kraftwerkskonzepte und bedeutende Fortschritte im geologischen Erkenntnisstand stellen aber klar: die Geothermie wird in Zukunft überall ihren bedeutenden Beitrag zu einer nachhaltigen Energieversorgung leisten können. Das war die eigentliche Botschaft, die in allen Vorträgen und Diskussionen in Altheim zu hören war.

Zum Abschluss der Konferenz wurde ein von den Teilnehmern diskutiertes Positionspapier verabschiedet, das die Bedeutung der Geothermie für eine nachhaltige und klimaverträgliche Stromversorgung in Europa hervorhebt und europäische Staaten und Europäische Union auffordert, die Geothermie als einen der bedeutenden und universell einsetzbaren erneuerbaren Energieträger zu stärken. Unterzeichnet wurde dieser Aufruf von Christian Boissavy, Paris, dem EGEC-Vorsitzenden und von Bürgermeister Franz Weinberger. Das Papier soll anschließend europaweit verbreitet werden.

Veranstalter und Teilnehmer werteten das Seminar als großen Erfolg. Das hohe Niveau der Vorträge und die durchgängig spürbare Aufbruchstimmung trugen sicherlich ebenso dazu bei wie die hervorragenden Rahmenbedingungen, die durch die gastgebende Gemeinde geschaffen wurden.

Im Internetportal www.geothermie.de finden Sie auch weitere, ständig aktualisierte Informationen zu allen Bereichen der Geothermie. Geothermischen Vereinigung nimmt Sie übrigens gern in den Verteiler ihres Email-Newsletters geothermie.de aufn, das Sie wöchentlich in Schlagzeilen kurz über die aktuellen Themen der Homepage informiert und mit aktuellen Entwicklungen aus dem Bereich der Geothermie versorgt.

Werner Bussmann | idw

Weitere Berichte zu: EGEC Geothermie Trinkwasser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Mit unkonfektionierten Kabeln durch die Schaltschrankwand
26.06.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

nachricht Gehäuse für schwere Steckverbinder in platzsparender Ausführung
26.06.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie