Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brennstoffzelle statt Akku und Lichtmaschine: BMW will Stromerzeugung an Bord von Autos revolutionieren

03.08.2004


Klimaanlage, Sitz- und Standheizung, elektrisch verstellbare Sitze, Radio und Anschlüsse für Handy oder Laptop: Moderne Autos benötigen auch im Stand große Mengen Energie. Nach Plänen von BMW sollen in Zukunft Brennstoffzellen diesen Energiehunger stillen und langfristig Akku und Lichtmaschine ersetzen. Der Autokonzern hat bereits mit Tests solcher so genannten Auxiliary Power Units (APUs) für seine Limousinen begonnen.


Zu den "CleanEnergy"-Modellen von BMW wird künftig auch eine Bordstromversorgung über eine Brennstoffzelle gehören. Grafik: BMW



BMW gehört zu den wenigen Autokonzernen weltweit, die kein Auto mit Brennstoffzellenantrieb in der Erprobung haben. Dennoch setzt die bayerische Autoschmiede auf Wasserstoff: In der 7er-Reihe soll ein Modell mit einem Verbrennungsmotor auf den Markt kommen, der sowohl mit Wasserstoff als auch mit Benzin betrieben werden kann. Ganz will BMW dennoch nicht auf Brennstoffzellen verzichten: Die effizienten Energieumwandler könnten im Stand als günstige Lieferanten elektrischer Energie fungieren.



Verbrennungsmotoren im Stand laufen zu lassen, stoße nicht nur bei Passanten und Anwohnern auf Kritik, sondern sei energetisch betrachtet ineffektiv, erklärt BMW-Pressesprecher Daniel Kammerer. Verbrennungsmotoren arbeiten im Vollastbereich am effektivsten und setzen im Stand daher die Primärenergie des Kraftstoffs nur unter großen Verlusten in elektrische Energie um. Schätzungen zufolge liegt der durchschnittliche Wirkungsgrad dabei nur bei 10 bis 20 Prozent. Brennstoffzellen schaffen diese Umsetzung in elektrische Energie hingegen sehr viel effizienter und kommen selbst mit einem Reformersystem auf Wirkungsgrade von 35 bis 50 Prozent. Brennstoffzellen-APUs könnten daher nicht nur saubere Energie während der Standzeiten liefern, sondern eine effektivere Energienutzung ermöglichen.

In der Erprobung hat BMW zwei verschiedene Brennstoffzellensysteme: Polymermembran-Brennstoffzellen (PEMs) für den Einsatz in den wasserstoffgetriebenen "CleanEnergy"-Prototypen und Festoxidbrennstoffzellen (SOFCs), die statt mit reinem Wasserstoff auch mit Benzin betrieben werden können, das über einen vorgeschalteten Reformer aufbereitet wird. Beide Systeme haben eine Leistung von 5 Kilowatt und könnten daher den Strombedarf auch einer luxuriös ausgestatteten Limousine decken. Langfristig soll die Zelle die gesamte elektrische Energie liefern. "Unser Fernziel bei der Entwicklung ist, Generator und Batteriesystem durch die Brennstoffzelle zu ersetzen", erklärt Kammerer.

Die technischen Schwierigkeiten, welche die Ingenieure und Techniker bei der Entwicklung zu bewältigen haben, unterscheiden sich im Grundsatz nur wenig von den Herausforderungen, die sich bei der Konstruktion reiner Brennstoffzellenautos stellen: Wie hält die Brennstoffzelle die ständigen Vibrationen im Fahrbetrieb aus? Wie schnell kann sie starten? Nach welcher Anlaufzeit kann sie ihre maximale Leistung liefern? "Von der Entwicklung können wir uns nicht abkoppeln, auch wenn unsere Systeme kleiner sind", beschreibt Kammerer die Situation. Wie die meisten Entwickler von Brennstoffzellenfahrzeugen kann auch er kein exaktes Datum nennen, wann die ersten Systeme marktreif sein werden. Ein wenig schneller könnte es bei den Brennstoffzellen-APUs jedoch gehen, vermutet Kammerer.

Ulrich Dewald | Initiative Brennstoffzelle (IBZ)

Weitere Berichte zu: Akku Autokonzern Brennstoffzelle Lichtmaschine Wasserstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Energieproduzierende Fenster stehen kurz bevor
23.02.2017 | University of Minnesota / Università degli Studi di Milano-Bicocca

nachricht Hauchdünn wie ein Atom: Ein revolutionärer Halbleiter für die Elektronik
23.02.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Sechs Bundesländer erproben Online-Schultests der Uni Jena

24.02.2017 | Bildung Wissenschaft

Stachellose Bienen lassen Nester von Soldatinnen verteidigen

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie