Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Energie der Zukunft kommt aus der Erde

10.03.2004


Staatssekretär Adamowitsch eröffnet Forschungsinstitut zum Ausbau einer klimaschonenden Energieversorgung in NRW


Mit der 150-jährigen Tradition einer untertägigen Energiegewinnung im Ruhrgebiet wird am 12. März 2004 in Bochum das Zentrum für Geothermie und Zukunftsenergien eröffnet. Dadurch werden die wissenschaftlichen Grundlagen gelegt für die Versorgung weiter Teile des größten Ballungsraumes in Europa mit Strom und Wärme aus dessen heißer Tiefe. Das technische Gesamtpotenzial der geothermischen Stromerzeugung wird vom Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages auf ca. 1.200 Exa Joule geschätzt und entspricht damit theoretisch dem 600-fachen des deutschen Gesamtstrombedarfes. Hiervon ist bereits ein Gutteil realistisch nutzbar.

Das Institut ist als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Fachhochschule Bochum zugeordnet. Weil auch die Bundesregierung dem Vorhaben eine überragende wirtschaftspolitische Bedeutung beimisst, erfolgt die Eröffnung durch den im Bundeswirtschaftsministerium für Energiefragen zuständigen Staatssekretär Georg Wilhelm Adamowitsch. Das fachliche Geleit kommt vom Präsidenten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Wellmer.


Da die geothermische Energieversorgung eine Kooperation vieler Fachdisziplinen erfordert, wird das Zentrum gemeinsam von den Hochschulfachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Elektrotechnik, Maschinenbau, Geoinformatik und Wirtschaft getragen. Ihm steht ein 7-köpfiges Direktorium vor; Sprecher ist der Geologe Prof. Dr. Rolf Bracke. Etwa 20 Wissenschaftler bilden die Schnittstelle zur Energie- und Städtebauwirtschaft. Sie beschäftigen sich mit Aspekten der Bohrverfahrenstechnik, der Geologie und untertägigen Anlagentechnik, der Kraft-Wärme-Kopplung und Wärmenetzen, der Gebäudetechnik und Bauphysik, der Energiewirtschaft und mit Sonderforschungsthemen.

In seiner wissenschaftlichen Vielfalt ist das Geothermiezentrum in Deutschland einzigartig. Es ist zugleich Kern des „Forschungsverbundes Geothermie in NRW“ unter Beteiligung von Hochschulen aus Bochum, Aachen und Gelsenkirchen. Darüber hinaus kooperiert das Zentrum mit der Landesinitiative Zukunftsenergien NRW. Mit dem Forschungsziel „Energieversorgung revitalisierter Industriebrachen in NRW mit Geothermie“ werden Machbarkeitsstudien zur Versorgung ganzer Stadtgebiete von Gelsenkirchen, Dortmund, Castrop-Rauxel und Bochum mit Tiefengeothermie erarbeitet. Im ersten Schritt sollen 10 mögliche Kraftwerkstandorte in NRW in das Programm aufgenommen werden.

Die Arbeit der Bochumer Wissenschaftler finanziert sich aus vielen Quellen. Neben vorhandenen Planstellen stellt die Hochschule anlässlich der Institutseröffnung einen Großteil ihres Forschungsetats zur Verfügung. Weitere 115.000 € kommen über ein Forschungsprogramm des Bundesforschungsministeriums. Für den Wissenstransfer in die Praxis und zur Einbindung von Wirtschaftsunternehmen wurde der „Sponsorenring Zukunftsenergie“ gegründet. Dort engagieren sich bereits mehrere Unternehmen aus dem In- und Ausland. So unterstützt die amerikanische Firma Geoprobe Systems das Geothermiezentrum mit Bohrtechnik und fördert den Forschungsaufenthalt eines Bochumer Bohrverfahrensingenieurs in Kansas und an der Universität von Missouri. Die italienische Casagrande Gruppe engagiert sich über die Fa. Hütte Bohrtechnik und auch der Geothermie-Anlagenbauer ECOS stellt Gerätetechnik bereit. ESRI - internationaler Anbieter von Geoinformatik-Software - sponsert das Geothermiezentrum mit Visualisierungsprogrammen für Wärmeentzugsmodellierungen. Unternehmen der Energiewirtschaft, des Städtebaus und der Gebäudetechnik (z.B. die ENRO AG, Stadtwerke Düsseldorf AG, Schlüter-Systems KG und die Landesentwicklungsgesellschaft NRW) haben ebenfalls substanzielle Zuwendungen zugesagt.

Veranlassung der Institutsgründung sind die enormen energiewirtschaftlichen Aufgaben der nächsten Jahrzehnte. So beruht die weltweite Energienutzung gegenwärtig zu 80 % auf den fossilen Energieträgern Erdöl, Erdgas und Kohle - Tendenz steigend. Bei ihrer Verbrennung gelangen Emissionen in die Umwelt, die zu weltweiten Klimaveränderungen, regionalen Luftverschmutzungen und Krankheiten beim Menschen führen. Zugleich erhöht sich mit der zunehmenden Klimaerwärmung das Risiko irreversibler Schäden an Ökosystemen. Um die globale Erwärmung in vertretbaren Grenzen zu halten, muss nach Erkenntnis der Wissenschaft bis 2050 in den Industrieländern eine Reduktion der CO2-Emissionen auf ein Fünftel des jetzigen Standes erfolgen. Dafür ist nach Expertenmeinung der Anteil der erneuerbaren Energien aus Sonne, Wasser, Wind und Erdwärme am globalen Energiemix bis 2020 von 12 % auf 20 % und bis 2050 auf 50 % zu erhöhen.

Parallel zu diesen umweltpolitischen Zwängen muss alleine in Deutschland in den nächsten 20 Jahren etwa die Hälfte des aktuellen Bestandes an Kraftwerken aus Altersgründen ersetzt werden. Deren Kapazitäten lassen sich jedoch in hiesigen Breiten nur zu begrenzten Teilen mit der wetterabhängigen Sonnen- und Windenergie abdecken. Um eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten, muss die Energiewirtschaft als Puffer für schwankend anfallende Wind- und Sonnenkraft immer grundlastfähige Kraftwerke in gleicher Kapazität bereit halten. Geothermie - der kontinuierliche natürliche Wärmefluss aus dem Erdinneren - ist im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien jahreszeitenunabhängig vorhanden und damit grundlastfähig. Sie ist also eine ernst zu nehmende Option für die zukünftige umweltfreundliche Energieversorgung.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Rolf Bracke
Tel.: 0234-32-10216
Zentrum für Geothermie und Zukunftsenergien
Fachhochschule Bochum
Lennershofstraße 140, 44801 Bochum
Tel: 0234-32-10700, Fax: -14312
E-Mail: rolf.bracke@fh-bochum.de

Prof. Dr. Rolf Bracke | Fachhochschule Bochum
Weitere Informationen:
http://www.fh-bochum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Energieproduzierende Fenster stehen kurz bevor
23.02.2017 | University of Minnesota / Università degli Studi di Milano-Bicocca

nachricht Hauchdünn wie ein Atom: Ein revolutionärer Halbleiter für die Elektronik
23.02.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie